Große Projekte - Hohe Ausgaben

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Übersee - Eine Lanze für die großen und teuren Vorhaben, die die Gemeinde Übersee in diesem und im nächsten Jahr verwirklicht, hat Rathauschef Marc Nietschke gebrochen.

"Missmut bringt uns nicht weiter, sondern Zuversicht. Packen wir es gemeinsam an für eine positive Entwicklung von Übersee", betonte Nitschke in der Bürgerversammlung im restlos gefüllten Saal des Gasthofs "Hinterwirt".

Erfreulich sei, sagte er, dass die Gemeinde in den vergangenen drei Jahren den Schuldenstand kontinuierlich abgebaut habe. Durch die großen Projekte aber komme sie heuer um eine Neuverschuldung in Höhe von einer Million Euro nicht herum. Auch im kommenden Jahr werde die Kommune Kredite aufnehmen. Die großen Projekte seien es aber wert, diese Neuverschuldung in Kauf zu nehmen.

Übersee habe eine leistungsstarke Einnahmeseite. So sei das Gebührenaufkommen von 719.000 Euro (2009) auf 733000 Euro (2010) gestiegen. Die Steuereinnahmen der Gemeinde sinken laut Nitschke jedoch von 4,7 Millionen auf 4,5 Millionen Euro.

Er informierte, dass die Kommune auf Grund der Wirtschaftskrise heuer nur 550.000 Euro an Gewerbesteuer angesetzt habe. Voraussichtlich werde die Gemeinde nun aber doch 922.000 Euro in ihre Kasse bekommen. Die Einnahmen über die Beteiligung an der Einkommenssteuer sinken von 1,63 Millionen Euro um 200.000 Euro. Der Schuldenstand der Gemeinde belaufe sich auf rund 5,5 Millionen Euro, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1053 Euro (im Vorjahr 840 Euro) entspreche.

Das wohl wichtigste Projekt in diesem Jahr sei die Eisenbahnüberführung Moosen gewesen. Von den 2,4 Millionen Euro habe die Gemeinde einen Eigenanteil von 500.000 Euro tragen müssen. Wichtig sei auch die energetische Sanierung des Schulhauses aus dem Konjunkturpakat II gewesen. Im Rahmen der Ausgaben in Höhe von 426000 Euro habe die Kommune eine Förderung von 87,5 Prozent erhalten.

Weiter berichtete Nitschke, dass die Gemeinde 100.000 Euro für Straßensanierungen investiert habe. Sie habe sich am Kauf eines Rasenmähers durch den TSV mit rund 12.000 Euro beteiligt und die Feuerwehr mit einem neuen Mehrzweckfahrzeug für 80000 Euro ausgestattet. Auch für das nach einem Unfall beschädigte Tanklöschfahrzeug habe die Wehr Ersatz bekommen. Die Ausgaben seien aus der Versicherungssumme bezahlt worden.

Bahnhof gekauft

Eine "gute Investition" sei der Kauf des Bahnhofgebäudes gewesen. Zwei Wohnungen und ein Büro seien vermietet worden. In voraussichtlich acht Jahren werde sich diese Investition über die Mieten amortisiert haben. Die Gemeinde habe auch in den Spielplatz Zellerpark investiert.

Gut voran komme die Kommune mit dem "neuen" Feuerwehrhaus im Gewerbegebiet. Sie habe für die Floriansjünger einen Gewerbebau erworben. Auch der Musikverein werde dort ein Zuhause finden. Leider, so der Bürgermeister, gebe es einige Verzögerungen auf Grund des Brandschutzes. Die Einweihung werde voraussichtlich im Mai 2011 folgen. Rund 1,8 Millionen Euro werde die Gemeinde investieren. Ein Neubau hätte, betonte Nitschke, wesentlich mehr gekostet.

Ein besonderes Großprojekt sei die Bahnüberführung in der Ortsmitte. Im März habe der Spatenstich stattgefunden. Auf den Startschuss für dieses Projekt hätten die Bürger viele Jahrzehnte gewartet. Denn erste Überlegungen seien bereits 1928 angestellt worden. Die Bahnhofstraße werde voraussichtlich noch in diesem Monat wieder geöffnet. Die gesamte Baumaßnahme werde im Juli 2011 fertiggestellt. Rund 10,4 Millionen Euro wird dieses Bauwerk nach Angaben des Rathauschefs kosten. Der Gemeindeanteil betrage 560.000 Euro.

Investieren wird die Gemeinde auch in den Kindergartenneubau - und zwar 792.000 Euro. Nitschke erklärte, dass die Bereitstellung von Kindergartenplätzen eine Pflichtaufgabe der Gemeinde sei und folglich auch die Investitionen mittragen müsse.

Des Weiteren rollte der Bürgermeister die Geschichte "Altenheim" Übersee erneut auf. So berichtete er, dass ein Investor seine Pläne für ein Altenheim zentrumsnah, möglichst auf der Bestewiese, umsetzen wolle.

4865 Einwohner zählt Übersee. Vor zehn Jahren waren es fast 200 weniger.

Die Volksschule klagt seit Jahren über rückläufige Schülerzahlen. Vor zehn Jahren besuchten noch 389 die Schule. Heuer ist ein fast historisches Tief von 177 zu verzeichnen. Auch konnte heuer nur eine erste Klasse gebildet werden. Die zweite, dritte und vierte Jahrgangsstufe werden jeweils zweizügig geführt. Die Fünft-, Sechst- und Siebtklassler werden in Grassau unterrichtet. Nur noch die Klassen acht und neun mit jeweils 13 Schülern sind in Übersee. Um die Zukunft der Schule zu sichern, wurde ein Schulverbund Achental gegründet. Damit werden die Schulen Grassau, Unterwössen und Übersee zur Mittelschule aufgewertet. Die geplante Kooperation mit der Förderschule Aschau wird noch geprüft.

Ein Erfolgsmodell, so der Bürgermeister, sei die Mittagsbetreuung für 50 Kinder. Seit heuer werde auch eine verlängerte Betreuungszeit angeboten. Die offene Ganztagesschule werde gut angenommen. Der Besuch sei kostenlos. Die Ausgaben tragen dem Rathauschef zufolge Regierung und Gemeinde.

Im vergangenen Jahr habe die Gemeinde 15 Grundstücke für Einheimische ausgewiesen. Weiter sagte der Bürgermeister, dass die Firma Deutz noch keine endgültige Entscheidung zu ihrem Standort Übersee getroffen habe. Eine komplette Schließung des Werks sei aber vom Tisch. Ein gutes Konzept sei ausgearbeitet worden, auch Investitionen seien schon wieder getätigt worden. Auch dass erneut Ausbildungsplätze ausgeschrieben worden seien, lässt den Rathauschef zuversichtlich in die Zukunft sehen.

Die Übernachtungszahlen in Übersee sind nach Angaben von Nitschke rückläufig. Er rechnet mit einem Rückgang von 6,2 Prozent. Im vergangenen Jahr zählte man nach seinen Angaben 149.000 Übernachtungen, heuer bis einschließlich Oktober erst 137.000. Nitschke erwartet jedoch, dass die Zahl der Gäste um rund 2,5 Prozent steige.

tb/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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