Grünes Licht nach drei Jahrzehnten

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Bis 2014 soll südlich der heutigen Realschule ein Erweiterungsbau entstehen. Die Grundstücke hat der Landkreis bereits 2010 gekauft, die Gebäude sollen abgerissen werden, um Platz zu schaffen für die zweizügige staatliche Realschule.

Prien - Einen Meilenstein für den Schulstandort Prien haben gestern Bayerns Minister gesetzt. Sie gaben am Mittwoch grünes Licht für die Gründung einer staatlichen Realschule.

Als Landrat Josef Neiderhell und CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner gestern Nachmittag ein – noch – symbolisches Schild mit der Aufschrift „Staatliche Realschule Prien“ in Händen hielten, strahlten sie im Tiefschnee von Kreuth um die Wette. Denn seit unter Bürgermeister Franz Seebauer 1976 die kommunale Realschule Prien gegründet wurde, hatten er, Nachfolger Lorenz Kollmannsberger und ab 1990 die Landräte Dr. Max Gimple und Neiderhell nach der Übernahme durch den Landkreis immer wieder vergebliche Anläufe genommen, den Freistaat in die Pflicht zu nehmen.

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Auch ein einstimmiger Kreistagsbeschluss im Mai vergangenen Jahres war letztlich nur eine Vorstufe. „Wir haben uns lange genug gegen ein ,Nein‘ gewehrt“, umschrieb Stöttner mit einem verschmitzten Lächeln die Verhandlungen seitdem.

Die Prognose steigender Schülerzahlen und ein Kooperationsmodell der Real- mit der Mittelschule überzeugten schließlich auch die zuständigen Minister. Spaenle sieht in der künftigen Zusammenarbeit, die in einem

Bilder von der Realschule Prien

Vertrag festgeschrieben werden soll, eine entscheidende Stärkung der „Durchlässigkeit“ zwischen den Schularten. Künftig sollen beispielsweise „Quali“-Absolventen der Mittelschule anschließend die mittlere Reife an der Realschule machen können.

„Das Bildungsangebot im Landkreis Rosenheim wird deutlich gestärkt“, kommentierte Söder und nannte die Schulgründung im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung „ein Signal für die Kinder“. Damit seien „die Weichen für die Weiterentwicklung von Prien als Schulstandort gestellt. Mit den Franziska-Hager-Schulen, dem Förderzentrum, der kommunalen Realschule, der neuen staatlichen Realschule, der Waldorfschule und dem Ludwig-Thoma-Gymnasium bietet Prien ein komplettes Angebot, aus dem sich jeder Schüler individuell das Richtige für sich herauspicken kann“, sind sich die Minister Markus Söder und Ludwig Spaenle einig.

Nun muss ein Raumprogramm erstellt und von der Regierung geprüft werden, bevor es im Kreistag behandelt und dann ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wird, zeigte Neiderhell den weiteren Fahrplan auf. Denn der Landkreis wolle einen „sehr großzügigen Neubau“ für voraussichtlich fünf bis sechs Millionen Euro schaffen, Fördergelder in noch nicht feststehender Höhe inklusive. 

Den Platz dafür hat er sich durch den Kauf zweier Grundstücke südlich der bestehenden Schule schon im vergangenen Jahr gesichert, Zeitung. Je nach der Zahl der Anmeldungen soll die staatliche Realschule mit eigener Schulleitung und Verwaltung schon im Herbst dieses Jahres ihren Betrieb in den unterer Jahrgangsstufen aufnehmen und dann kontinuierlich wachsen.

Bis Ende 2014, so die Planung, soll dann ein Anbau mit zehn Klassen- und zwei Fachräumen bezugsfertig sein. Bis dahin sollen Klassen, die in den vorhandenen Räumen nicht untergebracht werden können, übergangsweise in mobilen Klassenräumen unterrichtet werden. Im Endausbau werden die dreizügige kommunale und die zweizügige staatliche Realschule zusammen 30 Klassen fassen. Allein 300 Schüler soll die neue, staatliche Realschule aufnehmen können.

Stöttner und Neiderhell freuten sich gestern, dass die umliegenden Schulen dann entlastet werden können. Neben Bernauer und Frasdorfer Kindern, die zuletzt nach Rosenheim oder Marquartstein geschickt werden mussten, könnten dann beispielsweise auch Mädchen und Buben aus Riedering nach Prien zur Realschule gehen.

Die Teilverstaatlichung einer 35 Jahre alten Schule, die nach der Einführung der Sechsstufigkeit mit Erweiterung auf die fünfte und sechste Jahrgangsstufe trotz eines millionenschweren Anbaus wegen steigender Schülerzahlen zuletzt immer wieder an ihre räumlichen Grenzen gelangt war, ist für den Landkreis vor allem auch ein finanzieller Gewinn. Denn als Träger einer Schule bekommt er nur zwei Drittel der Personalkosten erstattet, die sich laut Neiderhell zuletzt auf 1,2 Millionen Euro jährlich beliefen.

Dass die Einsparung über die Kreisumlage auch den Kommunen zugute kommt, war für Priens Bürgermeister Jürgen Seifert gestern ein Argument, sich über den Durchbruch zu freuen. Maßgeblich seien für ihn aber die mittel- und langfristigen Perspektiven, die sich durch die Zusammenarbeit von Real- und Mittelschule eröffnen. Fürs Erste könnten in dem bayernweit bisher einmaligen Kooperationsmodell zum Beispiel Wahlfächer, Sportunterricht und Intensivierungsstunden zusammengelegt werden, listete Neiderhell auf.

Breitfuß/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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