Grünes Licht für Wohnheim in Stauden

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Das geplante Wohnheim von Norden aus gesehen: Der erdgeschossige Anbau (links vorn), der für eine Physio- und Ergotherapiepraxis bestimmt ist, sowie der Gruppen- und Seminarraum im Terrassengeschoss sollen mit Holz verkleidet werden, um das Gebäude zu gliedern.

Prien - Mit einem eindringlichen Plädoyer hat sich Bürgermeister Jürgen Seifert im Bauausschuss für das geplante Wohnheim des Vereins "Leben mit Handicap" in Stauden ausgesprochen.

Gleichzeitig wies Seifert die Bedenken von Nachbarn entschieden zurück. Das Gremium genehmigte den Bauantrag einstimmig. Parallel muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Dieses Verfahren wird wohl frühestens im Dezember abgeschlossen. Demnächst wird der Entwurf öffentlich ausgelegt.

"Wir alle befürworten diese Idee, sind jedoch davon überzeugt, dass die Realisierung dieses Projekts an diesem Standort weder für die Gemeinde Prien, noch für den Initiator oder die Anwohner sinnvoll ist", hatte der Besitzer einer Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus im Tannenweg in einem Brief an Bürgermeister und Gemeinderäte auch im Namen der Hausgemeinschaft formuliert.

Seifert widersprach der Kritik am Standort auf einer bisher unbebauten, 2000 Quadratmeter großen Wiese nahe des großen Kursaals, die der Verein "Leben mit Handicap" nach langer Suche gekauft hatte, entschieden. Behinderte seien "ein Bestandteil unserer Gesellschaft. Dann müssen wir sie auch in unsere Gesellschaft aufnehmen und nicht an den Rand drängen".

"Wir sind für die Schwächeren da", stellte sich Zweite Bürgermeisterin Renate Hof (CSU) klar hinter das Vorhaben und Seiferts Plädoyer. "Sie haben uns allen aus der Seele gesprochen." Auch Joachim Bensemann (FW) hatte sich über den Brief geärgert. "Ich wünsche den Schreibern, dass sie gesunde Kinder haben."

Mit 7:0 stimmte das Gremium geschlossen für den Bauantrag, der nun an das Landratsamt zur endgültigen Genehmigung weitergeleitet wird. Vorgesehen ist ein Komplex mit drei Voll- und einem zurückgesetzten Terrassengeschoss mit Wohnungen für 30 behinderte Menschen in betreuten Gruppen und Gemeinschaftsräumen, einer Praxis für Physio- und Ergotherapie in einem erdgeschossigen Anbau sowie einem Seminarraum, der auch örtlichen Gruppen und Vereinen zur Verfügung stehen soll. Das Gebäude ist in T-Form geplant, wobei die horizontale, obere T-Line der Fassade an der Straßenseite entspricht und 28 Meter lang wird. Der Haupttrakt wird in Ost-West-Richtung 36 Meter lang.

Ziel des Vereins "Leben mit Handicap" ist es, mit diesem Konzept vor allem jungen erwachsenen Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung ein Leben in weitgehender Selbstständigkeit zu ermöglichen. Für jeden künftigen Bewohner ist ein Zimmer mit 23,5 Quadratmetern inklusive Nasszelle geplant, erläuterte Vorsitzender Günther Bauer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Über ein Drittel des gesamten Investitionsbedarfs von rund 4,2 Millionen Euro inklusive Grundstück bringen die gut 180 Mitglieder auf. Das wiederum sind zum weit überwiegenden Teil Eltern behinderter junger Menschen.

Für die Betreuung der 30 Bewohner wird Bauer zufolge von einem Bedarf von 15 bis 20 Vollzeitkräften ausgegangen, die im Schichtdienst arbeiten werden.

Informationsabend am 29. Oktober

Vor der Entscheidung für das Grundstück in Stauden waren innerhalb von drei Jahren fünf alternative Standorte in Prien und drei in anderen Gemeinden im Landkreis verworfen worden. Sie waren Bauer zufolge zu teuer, zu klein oder standen am Ende doch nicht zum Verkauf.

Die Notwendigkeit, aber auch die Zwänge des Vorhabens und dessen bauliche Details wollen Bauer und Seifert am Freitag, 29. Oktober, um 19 Uhr bei einem öffentlichen Informationsabend im Hotel "Bayerischer Hof" vorstellen.

Die Bedenken von Nachbarn richten sich vor allem gegen die Massivität des geplanten Komplexes. "Wenn der Bau einmal eingewachsen ist, wird er nicht mehr stören", gab sich Seifert am Dienstag überzeugt und verwies auch auf ähnlich massive Bauten in unmittelbarer Umgebung: einen Wohnblock, den Kursaal und die Turnhalle des Gymnasiums. "Das Gebäude ist kein solcher Eingriff, dass jemand sagen kann: ,Um Gottes Willen, die ganze Aussicht'."

In der Septembersitzung des Bauausschusses war der Bauantrag von der Tagesordnung genommen worden. Georg Fischer (CSU-Fraktion/parteilos) und Dr. Claudia Trübsbach (BfP) hatten zuvor Kritik an der Fassadengestaltung geäußert. Sie monierten unter anderem fehlende Dachüberstände. Beide fehlten in der Sitzung am Dienstag.

Der Verein hatte mit dem beauftragten Architekturbüro in den vergangenen Monaten mehrfach Änderungen der Fassadengestaltung vorgenommen.

Offenbar war seinerzeit ein überalterter Entwurf auf die Leinwand im großen Sitzungssaal projiziert worden. Etwa die Hälfte der Ausschussmitglieder habe sich zwischenzeitlich die aktuellen Pläne im Rathaus angesehen, berichtete Seifert.

Vor dem Bauantrag hatte das Gremium ebenso einstimmig die erste Etappe des parallelen Bebauungsplanverfahrens beendet. Darin hatten 16 so genannte Träger öffentlicher Belange, also vornehmlich Ämter und Behörden, sowie zwei unmittelbare Nachbarn die Möglichkeit zur Stellungnahme. Lediglich ein Nachbar hatte Bedenken vorgebracht, die aber allesamt von der gemeindlichen Bauverwaltung widerlegt wurden. Der Ausschuss schloss sich dieser Argumentation an. Das Maß der baulichen Nutzung entspreche den gesetzlichen Vorgaben und stelle lediglich "die Obergrenze des Möglichen" dar.

Erneute Auslegung im November

Der Planentwurf wird im November (ein genauer Termin steht noch nicht fest) noch einmal für vier Wochen öffentlich ausgelegt. Jeder Bürger hat dann die Möglichkeit zur Stellungnahme. Erst wenn diese Punkte von der Verwaltung kommentiert und vom Ausschuss diskutiert sowie entsprechende Beschlüsse gefasst sind, kann der Bebauungsplan als gültige Satzung rechtsgültig werden - voraussichtlich nicht vor Januar nächsten Jahres.

db/Chiemgau-Zeitung

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