Hoteliersfamilie Rappl aus Gstadt am Chiemsee „kündigt“ im Video

Drei Familiengenerationen, drei Parteiaustritte: „Uns reicht‘s von der CSU“

Die drei Sepp Rappl (59/90/28 Jahre alt) aus Gstadt am Chiemsee haben nun gemeinsam ihre CSU-Mitgliedschaft gekündigt.
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Die drei Sepp Rappl (59/90/28 Jahre alt) aus Gstadt am Chiemsee haben nun gemeinsam ihre CSU-Mitgliedschaft gekündigt. Zweiter von rechts der dreijährige Seppi Rappl.

Sie führen seit Jahren Hotels und Gastronomiebetriebe rund um den Chiemsee - und sie waren treue CSU-Parteimitglieder: doch drei Generationen der Familie Rappl aus Gstadt kehren nun der Partei den Rücken.

Gstadt am Chiemsee - „Ich will nicht mehr da dabei sein, wo das Chaos stattfindet“, sagt Sepp Rappl (28) im Gespräch mit rosenheim24.de. Genauso wie sein Vater und sein Großvater, die beide den gleichen Namen tragen, ist er nun aus der CSU ausgetreten. „Das Schreiben ist bereits unterwegs mit der Post.“ Das bayerische Kulturgut „Wirtshaus“ und die Tourismusbranche würden derzeit von der Politik verantwortungslos und schmählich im Stich gelassen.

Familiendynastie Rappl aus Gstadt verlässt geschlossen die CSU

Die Familie Rappl, seit über hundert Jahren in Gstadt am Chiemsee daheim, führt sechs eigene Hotels und dazu das gepachtete Parkhotel in Traunstein - insgesamt rund 500 Betten. In Gstadt nennt man auch einen Bootsverleih sein Eigen und ist in der Gastronomie aktiv. Für etwa 100 Mitarbeiter sind die Rappls verantwortlich. „Aber wir brauchen eine Perspektive“, so der Jüngste der Familiendynastie: „In der großen Politik herrscht pures Chaos. Wir tun alles für Hygienekonzepte und plötzlich ist dann ein Schuhgeschäft wieder essenziell.“

Dieses Video ließ die Familie Rappl eigens für den CSU-Parteiaustritt drehen

Als „reinen Krieg“ bezeichnet der älteste der Sepp Rappls, inzwischen 90 Jahre alt, die Zwangsschließungen der Gastronomie. Er hat großflächig den Grundstein des heutigen Rappl-Besitzes gelegt. „Nach ‚ewiger‘ CSU-Mitgliedschaft trete ich aus! Bei meinem Lebensalter wird das der Partei eh wurscht sein. Das Volk zählt nicht mehr.“ Die in Aussicht gestellte Öffnung der Außengastronomie zu Ende März in Bayern sei als Lösungsansatz gewesen, als ob man eine öffentliche Sauna auf null Grad einstellt, so die Drei - denn dann funktioniere die Abstandsregel von selbst. „Purer Sarkasmus in Vollendung.“

„Bürgermeister, Landräte und heimische Abgeordnete tun ihr Möglichstes“

Was die Drei eint: Ihr Groll richtet sich ausdrücklich gegen die „hohe“ Politik. Die Bürgermeister, Landräte und heimischen Abgeordneten würden dagegen das Möglichste für die Menschen tun. „Die Leute würden gerne raus, aber nichts ist los“, so der 59-jährige Sepp Rappl, der den Bootsverleih in Gstadt führt, in einem Video, das die Familie eigens drehen ließ (oben). „Mir reicht‘s von der CSU und meiner Mitgliedschaft“, sagt er und versenkt ein symbolisches Parteibuch im Chiemsee. Auch der 59-Jährige war über Jahrzehnte Mitglied der Partei.

Der Jüngste im Bunde betont im Gespräch mit rosenheim24.de aber ausdrücklich: „Corona-Leugner sind wir keine!“ Weil er in Erwartung seines dritten Kindes steht, sei er in der Priorisierung hinaufgerückt und habe sich auch selbst schon gegen das Virus impfen lassen. Trotz aller Ausgangssperren und Kontaktverbote investiere der 28-Jährige weiter. „Die Staatsschulden müssen unsere Kinder bezahlen, aber mein dreijähriger Sohn Seppi tritt sicher nicht in die CSU ein - dafür sorg‘ ich!“ 

xe

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