Anfangsverdacht

„Geht um die Gesundheit“: Kripo ermittelt nach Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Gollenshausen

Unklare Lage: Polizei, Landratsamt und Heimbetreiber haben offenbar unterchiedliche Sichtweisen auf die Umstände in „Haus Chiemsee“. Foto Wastl
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Unklare Lage: Polizei, Landratsamt und Heimbetreiber haben offenbar unterchiedliche Sichtweisen auf die Umstände in „Haus Chiemsee“.

Gstadt - Der Heimbetreiber wirft den Behörden Versagen vor, die Polizei durchsucht das Pflegeheim: Nach dem Covid-19-Massenausbruch in einem Pflegeheim in Gollenshausen bleibt die Faktenlage unübersichtlich. Staatsanwalt und Kriminalpolizei haben wegen eines Anfangsverdachts die Ermittlungen aufgenommen.

Von einem Einsatz zur „Unterstützung“ des Pflegeheims in Gollenshausen (Gemeinde Gstadt) berichtete das Landratsamt am Freitag. Der Einsatz diente aber nicht nur der Unterstützung, sondern auch der Untersuchung des Heims. Denn neben Mitarbeitern des Gesundheitsamtes waren auch Beamte der Kriminalpolizei im „Haus Chiemsee“, um die dortigen Zustände zu begutachten. Das sagte Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auf Anfragen des OVB-Medienhauses: „Es geht um die Gesundheit der Heimbewohner.“

Datenträger und Unterlagen sicher gestellt

Die Beamten stellten Datenträger und Unterlagen sicher, die Ermittlungen würden fortgesetzt, sagte Sonntag. Naheliegend sei der Verdacht auf ein Körperverletzungsdelikt wie Vernachlässigung. Der Zustand von Bewohnern sei wohl nicht bestmöglich gewesen. Offenbar warfen auch die sonstigen Zustände Fragen auf, die Kripo habe die Ermittlungsgruppe „Heim“ eingerichtet, sagte Sonntag.

In der Mitteilung des Landratsamtes war von einem massiven Covid-19-Ausbruch in dem Pflegeheim die Rede gewesen. So seien alle 54 Bewohner und eine Reihe von Mitarbeitern positiv getestet worden. Im Rahmen der erweiterten Möglichkeiten des Katastrophenfalles hätten Mitarbeiter des Landratsamtes das Heim aufgesucht, zur Unterstützung des geschwächten Pflegeteams. Allerdings: Nach Auskunft von Heimbetreiber Thomas Mühlnikel ereignete sich der Massenausbruch bereits vor zwei Wochen, das Heim laufe wieder in Normalbetrieb.

„Die Kripo will uns einen einschenken“

Was jetzt die „Unterstützungsaktion“, aber vor allem die Ermittlungen auslöste, ist fraglich. Landratsamt und Polizei verweigerten Auskünfte mit dem Verweis auf die laufenden Ermittlungen.

Heimbetreiber Mühlnikel erneuerte seine Kritik am Landratsamt (Plus-Artikel auf ovb-online.de). Man habe den Ausbruch sofort gemeldet, aber keine schnelle Unterstützung erfahren. Zu den polizeilichen Ermittlungen sagte er: „Ich verstehe das nicht, vielleicht will uns die Kripo einen einschenken.“ Die Regierung von Oberbayern teilte auf Anfrage des OVB-Medienhauses mit, man habe die Heimaufsicht am Landratsamt mittlerweile um einen Bericht gebeten. Der sei aber noch nicht eingetroffen.

Das Landratsamt kündigte eine weitere „Begehung“ an, womöglich auch mit Mitarbeitern des Landesamtes für Gesundheit. Gegegebenenfalls würden weitere Maßnahmen eingeleitet. Die Unterstützung des Heimteams durch die Bundeswehr stehe weiter im Raum.

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