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Verborgene Schätze unter der Erde

So wichtig ist Gstadt für die Gasversorgung in Deutschland

Mit einem Speichervolumen von rund 1 Milliarden Kubikmeter gehört der Erdgasspeicher bei Gstadt zu den größten Porenspeichern in Europa. Im Bild die Verdichterstation der Uniper Energy Storage GmbH, die sich 1,7 km von der Lagerstätte entfernt befindet und direkt an das Transitsystem der Open Grid Europe GmbH angeschlossen ist.
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Mit einem Speichervolumen von rund 1 Milliarden Kubikmeter gehört der Erdgasspeicher bei Gstadt zu den größten Porenspeichern in Europa. Im Bild die Verdichterstation der Uniper Energy Storage GmbH, die sich 1,7 km von der Lagerstätte entfernt befindet und direkt an das Transitsystem der Open Grid Europe GmbH angeschlossen ist.

Keiner will es kaufen, aber fast jeder braucht es: Die Rede ist von Gas. Was ausgerechnet die beschauliche Gemeinde Gstadt mit der deutschen Gasversorgung zu tun hat.

Breitbrunn/Gstadt – Deutschland verfügt über relativ wenig eigene Gasvorkommen. Nur rund ein Zwanzigstel des Gasverbrauchs hierzulande wird aus deutscher Gasförderung abgedeckt. Doch nur wenige wissen, dass in der Region um den Chiemsee bedeutende Infrastruktur zur Gasversorgung liegt.

Ein Untergrunderdgasspeicher, der in Breitbrunn liegt, aber buchhalterisch in Gstadt abgerechnet wird, ist mit Schmidhausen und Inzenham (beide im Landkreis Rosenheim) sowie Bierwang (Landkreis Mühldorf) und Wolfsberg (Landkreis Ebersberg) sehr bedeutsam für die bayerische Erdgasversorgung. Denn ein weiterer bayrischer Gasspeicher, der Gasspeicher Eschenfelden in Oberfranken, wurde zum 1. April vergangenen Jahres stillgelegt und ist laut Betreiberangaben auch nicht mehr reaktivierbar.

Hoher Bedarf an Importen

Nach Angaben des Bundesverbands für Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) konnten im Jahr 2021 5,2 Milliarden Kubikmeter Gas in Deutschland gefördert werden. 2001 stammten nach Angaben des BVEG noch 21 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus Eigenproduktion. Deutschland muss daher die Versorgung mit Gas vor allem über Importe absichern, die Erdgasversorgung in Deutschland wird aber auch durch Untergrund-Gasspeicher gewährleistet.

Das gesamte Fassungsvermögen für die Ein- und Ausspeisung an deutschen Gasspeichern liegt bei rund 23 Milliarden Kubikmeter Gas. Deutschland liegt damit auf Rang vier der weltweiten Speicherkapazitäten. In Gstadt wurde Anfang der 1970er Jahre ein Gasfeld entdeckt, bis 1993 gefördert und danach in einen Gasspeicher umgewandelt. 1998 in Betrieb genommen, gehört der Erdgasspeicher Gstadt laut Betreiberangaben mit einem Speichervolumen von rund 1 Milliarden Kubikmeter zu den größten Porenspeichern in Europa. Für die sichere Einlagerung großer Gasmengen eignen sich sogenannte Porenspeicher, nämlich im Porenraum ehemaliger ausgeförderter Lagerstätten, meistens Sandstein, oder sogenannte Kavernenspeicher , die Hohlräume in Salzstöcken sind, die durch den Soleprozess angelegt wurden.

Die geologischen Voraussetzungen zur Einrichtung der sogenannten Porenspeicher sind im Landkreis Rosenheim besonders gut, denn die ausgeförderten Erdgaslagerstätten wie beispielsweise Gstadt liegen in Tiefen von 700 bis 2000 Meter. Dabei wird der mikroskopisch kleine Raum zwischen den Körnern der Sandsteinschichten des süddeutschen Molassebeckens mit Erdgas gefüllt. Dieser Porenraum ist untereinander verbunden und sehr durchlässig.

Zum Teil 60 Prozent aus Speichern

Gasspeicher, die in der Regel ab dem Frühjahr wieder gefüllt werden, gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus, wenn Kunden im Winter viel Gas zum Heizen nachfragen. An sehr kalten Tagen werden bis zu 60 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus deutschen Speichern abgedeckt.

Ob die bayerischen Vorräte für Bayern ausreichen, stehe nicht zur Debatte, sagt Detlef Fischer, Geschäftsführer beim Verband Bayrische Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW). Hintergrund ist, dass laut Bundesnetzagentur das Gas, das in den Freistaat fließt, über die Ferngasnetzbetreiber auf ganz Deutschland verteilt. Insofern ist eine rein bayrische Betrachtung nicht sinnvoll.

Fakt bleibt dennoch, dass 94 Prozent des deutschen Erdgases aus dem Ausland stammen und mit 55 Prozent der Anteil an russischem Gas deutlich höher als im EU-Schnitt ist. Laut Fischer sind die für Bayern relevanten Speicher insgesamt zu 14 Prozent gefüllt, rund 10 Prozentpunkte weniger als der Bundesdurchschnitt. Gstadt wird also weiterhin ein wichtiger Baustein der deutschen Erdgasversorgung bleiben.