Guter Schnaps in Sicht

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Ein gutes Schnapsjahr mit einer hohen Qualität erwarten Christian Steinbichler (links) und Felix Perl, der Geschäftsführer und der Vorstand der Obstverwertungsgenossenschaft Prien.

Prien - Über eine reiche Ernte freuen sich heuer die Besitzer von Apfel-, Birn- und all den anderen Obstbäumen. Die Äste biegen sich unter der Last. Wohin aber mit all den Früchten? 

Wer genug Marmelade, Kuchen und Datschi gemacht und trotzdem noch Obst übrig hat, kann sich auch auf den Weg zur Obstverwertungsgenossenschaft Prien begeben - und dort dann Obstbrände herstellen lassen.

Für das Brennen bezahlt man nichts, die Äpfel, die Birnen, die Zwetschgen muss man mitbringen. "Auch das Streuobst, das viele Leute für wertlos halten, und vom Hagel angeschlagene Früchte, von denen es dieses Jahr eine Menge gibt, eignen sich zum Schnapsbrennen", erklärt der Geschäftsführer der Genossenschaft, Christian Steinbichler. Nur faul oder schimmlig dürfe das Obst nicht sein.

Doch vom Obst zum Schnaps ist es ein weiter Weg. Zunächst müssen die Früchte in einer Mühle gemalen werden, je feiner, desto besser. Dann kommt der Brei, der Maische genannt wird, in große, luftdichte Plastikfässer, in denen er je nach Außentemperatur zwischen sechs Wochen und drei Monaten unter ständiger Überwachung gären muss.

Die fertige Maische wird dann in die Brennblase gepumpt, die durch Dampf erhitzt wird. Sie fasst bis zu 150 Liter. "Ein Brennvorgang dauert etwa drei Stunden", erklärt Steinbichler. Dabei sei entscheidend, die Temperatur ganz langsam zu steigern, damit sich das "gute" Ethanol von den schädlichen Alkoholen, Methanol, Butanol und Propanol, trennt.

Das Destillat hat einen Alkoholanteil von etwa 80 Prozent und muss, abgefüllt in Glasballons, noch ein Jahr ruhen. Dann wird es mit enthärtetem Wasser vermischt und gefiltert. Erst nach all diesen Arbeitsschritten, kann der fertige Obstbrand in Flaschen abgefüllt werden. "Die Leute meinen oft, dass das Destillat schon das fertige Produkt ist", erzählte Steinbichler, "aber bis zum Schnaps steckt da noch viel Arbeit drin, besonders auch Laborarbeit."

Diese Laborarbeit beginnt schon vor dem Brennen. Mit dem sogenannten Refraktometer wird der Zuckergehalt des Obstes bestimmt. "Je höher der Zuckergehalt ist, desto besser die Ausbeute", erklärt Vorstand Felix Perl. "Ab einem Wert von 55 Oechsle wird die Sache für uns rentabel."

Im letzten Jahr war der Zuckergehalt im Obst wegen des schlechten Wetters eher niedrig. Zwar müssen die Früchte heuer auch noch etwas reifen, bevor das Brennen beginnt. Aber mit einem schönen Herbst würde der Zuckergehalt noch kräftig steigen, so dass man sich auf ein gutes Schnapsjahr mit hoher Qualität und guter Ausbeute freuen könnte. Schließlich gibt es dieses Jahr ein Überangebot an Obst. "Es schaut gut aus heuer", meint Perl zufrieden. 300 Liter reinen Alkohol brennt die Obstverwertungsgenossenschaft jährlich, das sind etwa 700 Liter Schnaps.

"Wir brennen zwar vor allem für unsere Mitglieder, aber Privatleute, die uns Obst bringen, sind genauso willkommen", bekräftigt Perl. Für einen Zentner Obst erhält man zirka einen Dreiviertelliter Schnaps. "Der Rest geht an den Zoll, als Steuerabgabe und ein kleiner Teil an uns, mit dem decken wir die Betriebskosten. Verdienen tun wir da nichts dran", meint Perl.

Neben Schnaps stellt die Genossenschaft auch Most her, allerdings nur in kleinen Mengen. Der vergorene Apfelsaft sei nicht jedermanns Geschmack, so Perl.

Steinbichler betont, dass die Genossenschaft bei ihren Produkten besonderen Wert darauf lege, nur regionales Obst zu verwenden. Gerade alte und seltene Sorten würden dem Schnaps eine eigene Note verleihen.

Vielleicht auch aus diesem Grund gewann die Genossenschaft für ihre Produkte schon einige Preise, zuletzt die Goldmedaillen für ihren Holunder- und Birnenbrand bei der Bayerischen Obstbrand-Prämierung 2010.

Ramona Anner (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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