Die letzten Hauptschüler sagen "Servus"

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Klassenlehrer Hans-Jürgen Roider (Mitte) gratuliert seinen besten Hauptschulabsolventen Lucia Schmid und Martin Stephl.

Übersee - 13 Mädchen und Buben haben in der Volksschule Übersee ihren Hauptschulabschluss erfolgreich bestanden. Sie stellten in jeder Hinsicht etwas Besonderes dar:

Zum einen waren sie die letzten Hauptschul-Absolventen in Übersee vor dem Mittelschulverband mit Grassau im nächsten Schuljahr. Und zum anderen hatte ihr Klassenlehrer Hans-Jürgen Roider ihretwegen seinen Ruhestand um zwei Jahre hinausgeschoben.

"Wir können uns glücklich schätzen, so einen Lehrer gehabt zu haben", sagte Absolventin Sabrina Linhuber unter dem Beifall ihrer Mitschüler und Eltern. Die Feier wich dann auch von dem üblichen Muster solcher Anlässe ab und geriet zu einer einzigartigen und humorvollen Wertschätzungsschau für Roider, der nach 34 Jahren als Lehrer und elf Jahren als Konrektor jetzt aus dem Schuldienst ausscheidet.

Zunächst bekam Roider innerhalb eines Sketches mit Sabrina Linhuber und Katharina Schmiedl für seinen kommenden Ruhestand einen Fitnesskorb inklusive Vollkornnudeln und Kriminalroman sowie einen knallgrünen "Ruhestandssessel". Nachdem der Galapagos-Liebhaber mit einem fantasievoll-bunten Touristen-Outfit samt Strohhut für seine nächste Fernreise ausgestattet war, ging's in den Pausenhof. Dort spielte ihm die Jugendblaskapelle unter der Leitung von Undine Stephan zum Abschied "Muss i denn zum Städtele hinaus".

Auch Schulleiter Hans Aderbauer war voll des Lobes für seinen Konrektor, der die jetzige Abschlussklasse als siebte Klasse übernommen hatte. "Es gibt wohl kaum einen Lehrer in ganz Bayern, dessen Verlängerungsantrag bis zum 67. Lebensjahr bisher genehmigt worden ist", sagte Aderbauer. Mit der Erlaubnis in der Tasche habe Roider dann "seine" Hauptschüler bis zum Abschluss begleiten können.

Aber auch darüber hinaus habe der Lehrer immer voller Idealismus gesteckt und immer wieder neue Dinge angepackt wie die Ganztagesbetreuung, die Weiterführung des Nichtraucherprojektes "Nichtrauchen ist cool", Berufsinformationen, Schülermittagessen, Besuche in Mauthausen und Ravensberg und zuletzt eine Berlin-Reise.

Die Abschlussfeier, die von den musikalischen Darbietungen von Maria Ullrich (Gitarre und Gesang), Sabrina Linhuber (Gitarre) und Lucia Schmid (Hackbrett) umrahmt war, war ein durchweg lustiges Fest. Ernste Töne schlug lediglich Karl Jobst an, als er von einer tödlichen Autofahrt seines besten Freundes nach einem Discobesuch als knapp 20-Jähriger berichtete. "Ich wünsche euch einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol", so seine Botschaft an die geschockten Jugendlichen.

Mit Blumen für ihre Lehrer bedankten sich dann die Jugendlichen. "Es waren drei schöne, aber auch manchmal mühsame Jahre", gestand Sabrina Linhuber im Namen ihrer Klassenkameraden. Als unvergessliches Erlebnis für alle nannte sie das Theaterprojekt mit Behinderten unter der Leitung zweier Berliner Regisseure.

Roider, der insgesamt 14 neunte Klassen zum Abschluss geführt hatte, gestand abschließend, er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Aber ich werde euch vermissen, denn ihr ward spitze."

Bei so viel gegenseitiger Zuneigung gerieten die Zeugnisse fast zur Nebensache. Roiders knappes Resümee: Alle 13 Schüler haben den erfolgreichen Hauptschulabschluss geschafft, zehn davon sogar den Quali. Und die mit Abstand Besten waren Lucia Schmid und Martin Stephl.

vd/Chiemgau-Zeitung

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