"Hausärzte auf dem Land in Gefahr"

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Chieming - Im Gasthaus "Oberwirt" in Chieming wurde die Bedeutung der Hausärzte hervorgehoben. Und: Die Gesundheitspolitik sorge für eine Abwanderung der Ärzte vom Land.

"Bei der jetzigen Weichenstellung in der Gesundheitspolitik wird es 2020 keine Hausärzte mehr auf dem Land geben." So lautete der allgemeine Tenor bei einem Fachgespräch mit dem Referenten Dr. Martin Metz aus Übersee im Gasthaus "Oberwirt" in Chieming.

Initiatoren waren der CSU-Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner sowie der Gesundheitspolitische Arbeitskreis und die Kommunalpolitische Vereinigung der CSU.

Hervorgehoben wurden die Bedeutung der Hausärzte und die Rundumversorgung ihrer Patienten, da sie immer für die Versorgung ihrer Patienten zur Verfügung stehen. Mit ihrem allgemeinmedizinischen Wissen tragen sie erheblich zur Diagnose von Krankheiten bei und können auf Grund der Übersicht über die verschiedenen Medikamente und Krankheiten ihrer Patienten bessere Entscheidungen fällen. Sie behalten den Überblick über die verschiedenen Krankheiten. Wegen des demografischen Wandels werden in Zukunft deutlich mehr Hausärzte benötigt. Doch genau das Gegenteil wird der Fall sein, da immer mehr Arztpraxen in die Insolvenz gehen müssen.

Darüber hinaus drohen Überforderung und Überalterung der Hausärzte. "Die Mittel im Gesundheitssystem sind nicht das Problem, sondern die ungerechte Verteilung der Mittel, indem die Fachärzte deutlich bevorzugt werden, obwohl die Hausärzte auf dem Land oftmals einer Mehrfachbelastung ausgesetzt sind", unterstrich Dr. Metz. Deswegen sei 2008 festgelegt worden, dass Verhandlungen zwischen den Hausärzten und den Krankenkassen die Gehälter und auch die Zuständigkeiten bestimmen sollen. Im Zuge der Gesundheitsreform sei dieser Beschluss wieder gekippt worden, so dass jetzt ein immenser Einkommensverlust für die Hausärzte drohe, die dann diese Praxen nicht mehr lohnend betrieben werden können. Dadurch entstehe die Gefahr, dass die Gesundheitsversorgung immer weiter vom Wohnort, meist zentriert in der Stadt, angesiedelt werde. "Tendenzen dazu gibt es auch im Landkreis Traunstein", sagte Dr. Metz.

Neben der langen Wegstrecke werden auch immer mehr Kapitalgesellschaften in das Gesundheitssystem einwandern und so die Profitgier über die Hilfe für die Menschen stellen. Dazu ist auch die kommunale Trägerschaft bei den Krankenhäusern von großer Bedeutung. Im Landkreis Traunstein ist dies der Fall. Dr. Metz bat eindringlich um die Unterstützung der Bevölkerung und auch der Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik für den Erhalt dieses Systems. "Wir fordern mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitssystem und vor allem die politische Unterstüt-zung, um den Erhalt der Praxen in Wohnortnähe zu unterstützen."

"Um Gerechtigkeit voran zu treiben, wünschen wir uns mehr Mitspracherecht in den wichtigen Gremien, in denen wir bis jetzt unterrepräsentiert sind. Wir erhoffen uns von der Politik Maßnahmen, um die ausreichend vorhandenen Mittel sinnvoll einzusetzen", so der Mediziner. Der Beruf eines Hausarztes müsse wieder deutlich attraktiver gestaltet werden, was eine angemessene und vor allem würdige Bezahlung voraussetzt. "Eine Absenkung der Mittel ist der eindeutig falsche Weg", so Dr. Metz in seinem Abschlussplädoyer.

Die Hausärzte baten um mehr Engagement für ihre Anliegen und auch für mehr Wertschätzung ihrer Arbeit in der Politik, aber besonders gegenüber den Krankenkassen. Dazu zähle auch die Mitbestimmung der Hausärzte über Inhalte und Dauer ihrer Ausbildung. Die Politik solle dafür Sorge tragen, dass die Macht der Krankenkassen deutlich eingeschränkt werde und so der Weg zu einer gerechten Verteilung schnell beschritten werden könne.

MdL Steiner versprach, sich für die Zukunft der Hausärzte auf dem Land und ihre Forderungen einzusetzen. Als ersten Schritt kündigte er eine schriftliche Anfrage an die Staatsregierung an, von der er Antworten auf die von Dr. Metz formulierten Probleme und Fragen erwartet.

bjr/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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