Heimat für den Lebensabend

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Das Caritas-Altenheim St. Josef in Trautersdorf sah im Jahr seiner Eröffnung, 1969, so aus.

Prien - Als Kardinal Julius Döpfner 1969 das Caritas-Altenheim St. Josef in Trautersdorf einweihte, waren die Bewohner, die dort einzogen, meist zwischen 60 und 65 Jahre alt. Heute kommen die Senioren im Schnitt mit 86 Jahren, immer mehr sind pflegebedürftig.

Geblieben ist über vier Jahrzehnte die familiäre und christliche Atmosphäre.

Vor 40 Jahren war Altenpflege beileibe noch nicht in aller Munde, die Pflegeversicherung noch lange nicht erfunden. Trotzdem hatte die Caritas schon in den 50er-Jahren begonnen, Altenheime zu bauen und zu betreiben. Das Grundstück in Trautersdorf hatten seinerzeit Josef und Maria Schröter gestiftet. Der Priener Ehrenbürger erlebte die Einweihung nicht mehr, auf Wunsch seiner Frau wurde das Haus nach dem heiligen Josef benannt. Für knapp vier Millionen Mark entstand in zweijähriger Bauzeit ein U-förmiger Gebäudekomplex mit 160 Plätzen - schon damals mit der Möglichkeit für Telefon-, Radio- und Fernsehanschluss. Heute finden aufgrund der gestiegenen Anforderungen, die sich auch räumlich auswirken, 115 Senioren Platz für ihren Lebensabend. Und das Heim ist eigentlich immer voll belegt, sagte Leiterin Johanna Hellwasser im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Die älteste Bewohnerin wurde vor 103 Jahren geboren.

Der stetig gestiegene Pflegebedarf spiegelt sich auch in der Mitarbeiterzahl wieder. 1984, als Hellwasser ins Haus kam, kümmerten sich 32 Personen um die Bewohner. Heute sind es mit 75 mehr als doppelt so viele. Hellwasser war lange Jahre Pflegedienstleiterin, bevor sie vor 15 Jahren die Verantwortung für das gesamte Heim übernahm. Die Caritas als Träger leiste es sich, mehr geschultes Pflegepersonal zu beschäftigen als vorgeschrieben, freut sich Hellwasser über den hohen Standard der Betreuung. Viele der Mitarbeiter sind schon lange Jahre im Haus, Nachwuchssorgen gibt es nicht, weil die Caritas auch eigene Aus- und Fortbildungshäuser betreibt, zum Beispiel in Altenhohenau bei Griesstätt. Erste Heimleiterin war bis 1985 Sr. Irrmine Schmid. Die Schwestern von der "heiligen Familie" München hatten bei der Eröffnung die Betreuung übernommen, bis sie Mitte der 80er-Jahre in ihr Mutterhaus zurückberufen wurden. Ein Manko, das schon damals offenkundig wurde, waren die fehlenden Nasszellen in den Zimmern. Über Jahre wurde in den 80ern intensiv über einen Neubau an der Stelle des heutigen Logistik-Kompetenz-Zentrums nachgedacht, aber die Pläne zerschlugen sich dann.

Stattdessen wurde den sich ändernden Anforderungen mit zahlreichen Umbaumaßnahmen Rechnung getragen. Anfang der 90er-Jahre wurde eine Wohn- in eine zweite Pflegestation umgebaut, in allen Wohnbereichen entstanden Pflegebäder, die Teeküchen wurden neu eingerichtet, der Haupteingang neu gestaltet und mit automatischen Türen ausgestattet. Im Jahr 2000 entstanden auf der Westseite des Hauses in einem Anbau neue Aufenthaltsräume und auch der Garten veränderte sich - Hochbeete, ein kleines Tiergehege und Ruheplätze am Seerosenteich wurden geschaffen. Das Altenheim St. Josef steht grundsätzlich Menschen aller Konfessionen offen - auch unter dem Personal finden sich zum Beispiel Muslime. Aber der christliche Grundgedanke der Nächstenliebe, den Kardinal Döpfner schon bei seiner Predigt zur Einweihung betont hatte, prägt die Atmosphäre bis heute. Dreimal wöchentlich wird in der hauseigenen Kapelle eine Messe gefeiert, meistens von Ruhestandspfarrer Josef Dengl.

Ein Vorteil des Heims, das unter anderem auch eine eigene Küche und eine große Wäscherei umfasst, ist der Umstand, dass annähernd drei Viertel der Bewohner in Einzelzimmern untergebracht werden können. Von der Einrichtung können sich Interessierte beim Tag der offenen Tür am Samstag, 19. September, ab 13 Uhr selbst ein Bild machen. Das Personal führt durch das Haus und steht für Fragen zur Verfügung. Von 14 bis 15 Uhr werden die Moritatensänger des Bezirks Oberbayern mit Volksmusikpfleger Ernst Schusser an der Spitze zu Gast sein und Gäste sowie Bewohner zum Mitsingen animieren.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

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