"Großartiger Bau" ist fertig

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Architekt Rainer Pfohl übergab den symbolisch bunt bemalten Schlüssel für das neue Schulgebäude an Schulleiterin Angelika Ligniez.

Marquartstein - Mit 200 Ehrengästen feierte die Franz-von-Sales-Heimvolksschule Schloss Niedernfels die Fertigstellung ihres neuen, hochmodernen Schulgebäudes in der neuen Aula.

Die Gesamtkosten einschließlich der noch nicht fertiggestellten Sportanlagen betragen knapp neun Millionen Euro, wovon der Freistaat Bayern rund 6,8 Millionen Euro trägt, den Rest der Träger, die katholische Jugendfürsorge, die allerdings die Gelder vom Staat vorfinanzieren muss.

Architekt Rainer Pfohl überreichte Schulleiterin Angelika Ligniez symbolisch einen übergroßen, grün, orange und gelb bemalten Schlüssel - grün aus dem Logo der katholischen Jugendfürsorge, orange für alle Fenster und gelb für alle Türen. Farblich harmonisch abgestimmt, präsentiert sich das neue Gebäude mit großzügig konzipierten Klassenzimmern und hochmodern ausgestatteten Fachräumen sowohl innen und außen freundlich gestaltet mit viel Glas und hellem Beton.

In seiner kurzen Ansprache betonte Rainer Pfohl, dass die Planung im Jahre 1999 begonnen hatte und bereits 2001 abgeschlossen war. Nach dem ersten Bauabschnitt, der Turnhalle, konnte erst 2006 mit Werk- und Detailplanung, Ausschreibung und Vergaben an die Firmen weitergearbeitet werden. Die reine Bauzeit, die ohne Unfälle und in bester Zusammenarbeit mit allen Beteiligten verlief, betrug nur 16 Monate, berichtete der Architekt. Auch der vorgegebene Kostenrahmen aus dem Jahr 2007 wurde nicht überschritten.

Nach der Begrüßung der Gäste durch Bartholomäus Brieller, den Vorstandsvorsitzenden der katholischen Jugendfürsorge München, gab Regierungsschulrätin Gertrud Gruber einen Rückblick auf die bewegte Geschichte der Heimvolksschule. 1955 eröffneten die "Schwestern von der Heimsuchung Mariä" die Volksschule mit Internat, die damals nur von Mädchen besucht und von insgesamt sechs Lehrkräften geführt wurde. 99 Schülerinnen besuchten drei Klassen. Ein Zitat aus der damaligen Hausordnung zeigte, dass Nachhilfestunden damals für 2,50 Mark pro Stunde, Maschinenschreiben für monatlich vier Mark extra und die Benutzung der Bibliothek für 20 Pfennig monatlich zu haben waren.

1957 erhöhte sich die Zahl der "Zöglinge" bereits auf 120 und in den Ferien wurde das Heim auch von Kindern aus Großstädten zur Erholung genutzt. 1970 erteilte das Schulamt die Genehmigung, dass nunmehr 150 schulpflichtige Kinder beiderlei Geschlechts in acht Jahrgängen die Schule besuchen durften. Schon 1972 wurde die Höchstzahl der Schulkinder auf 240 festgesetzt und ein Tagesheim für Buben und Mädchen eröffnet.

1997 hing das Weiterbestehen der Internatsschule am seidenen Faden und konnte nach vielen Kämpfen von Förderverein, Lehrern und Eltern erst durch einen Trägerwechsel gesichert werden. 1998 wurde die Schule in "Franz von Sales Heimvolksschule Niedernfels" umbenannt in Erinnerung an die bisher von Schwestern des Ordens der Salesianerinnen geführte Schule.

Das Werk ist vollbracht: Der neue Trakt in Niedernfels ist fertig.

Schulamtsdirektor Gerhard Poremba betonte, wie dringend notwendig eine grundlegende Renovierung der Schule war. Humorvoll schilderte er einen seiner Unterrichtsbesuche 1996 in einer der alten Baracken in Niedernfels, an denen der Putz abbröckelte und ein Gummiball die dünnen Wände zum Vibrieren brachte. Damals war "vor einer aufgeregt grölenden Schar von Erstklässlern" und einer "betreten errötenden Lehrerin" sogar eine baufällige Eckbank unter ihm zusammengebrochen. Er war sich in dem Moment bewusst, dass er sich "in einem der erbärmlichsten Schulräume des Landkreises, wenn nicht des ganzen Landes" befand. Mit dem jetzigen, "architektonisch so großartig strukturierten Baukörper" aber habe die Schule vielleicht einen der schönsten Schulhausneubauten im Landkreis, so Poremba.

Rektorin Angelika Ligniez freute sich über den "gewaltigen Fortschritt", den die Schule gemacht habe, wofür es allerdings auch höchste Zeit gewesen sei: "Ein lang gehegter Traum ist in Erfüllung gegangen." Gerade bei Schulhäusern sei der Einfluss auf die Atmosphäre an der Schule, auf das Sozialverhalten und den Lerneifer zum Greifen nahe, sagte Ligniez. Schulhäuser und Klassenzimmer seien daher wichtige "Mit-Erzieher" der Kinder. Das neue Gebäude füge sich perfekt in die Umgebung von Niedernfels ein.

Der neue Einrichtungsleiter, Sozialpädagoge Oliver Gosolits, hob "eine der Stärken der Schule" hervor, nämlich Alleinerziehenden und Doppelverdienerhaushalten trotz Berufstätigkeit die Möglichkeit zu bieten, ihre Kinder optimal zu fördern. Ebenso sollten Schüler einen Platz finden, bei denen "im Leben nicht alles ganz rund" gelaufen ist.

Nach einem gut eingeübten Tanz der vierten Klasse, einem Gedichtvortrag von Schülern der zweiten Klasse, dem Lehrerchor und der Schulhymne, die die fünfte Klasse begeistert schmetterte, konnten sich die Gäste vor dem gemeinsamen Mittagessen bei einer ausgiebigen Besichtigung über das neue Gebäude informieren.

Dem Festakt in der neuen Aula vorausgegangen war ein feierlicher ökumenischer Gottesdienst mit Domkapitular Monsignore Lorenz Kastenhofer, Bruder Christian Schmidberger, Dekan Pfarrer Konrad Kronast und Pfarrer Ekkehard Purrer.

gi/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser