Helle Aufregung an der Bahnlinie

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Rund 45000 Tonnen alter Schotter, der bislang unter den Gleisen war, lagern am Bahnhof in Bernau. Am Montag beginnt der Abtransport. Gegen die Bauarbeiten regt sich in der Nachbarschaft massiver Widerstand.

Bernau (CH-Z) - Große Aufregung in Bernau: Die Anlieger an der Bahnlinie laufen Sturm gegen die Bauarbeiten an der Strecke Rosenheim-Salzburg.

Sie fühlen sich vom Lärm belästigt und sagen, dass sie nachts nicht mehr durchschlafen können. Sie klagen, dass schwere Lastwagen die Straßen beschädigen - und sie fürchten, dass unmittelbar neben ihren Häusern giftiger, alter Schotter liegt.

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Bereits seit Anfang des Monats erneuert die DB Netz AG, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG, die Gleise zwischen Bernau und Übersee (wir berichteten). Mehrere Firmen arbeiten in ihrem Auftrag. Auf der Strecke haben sie den Untergrund unter den Schienen ausgebaut und nach Bernau gebracht. Auf einem großen Lagerplatz am Bahnhof liegen jetzt riesige Mengen Aushub: 45.000 Tonnen türmen sich auf dem von einem Bauern gepachteten Platz.

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Der weitere Zeitplan: Die Bauarbeiten auf den Gleisen gehen laut Peter Weber von der Firma "Eurailpool" in Ismaning "am 9. November um 21 Uhr" zu Ende - mit der Folge, dass dann auch wieder die Züge auf beiden Gleisen fahren. Am Montag, 2. November, beginnt der Abtransport des Schotters. Nach Angaben von Steffen Assmann, dem Bauleiter der Logistikfirma "VE-Log" in Erlangen, beseitigen 60 Lastwagen pro Tag rund 1500 Tonnen. Mitte Dezember werden seinen Angaben zufolge die letzten Ladungen Bernau verlassen.

Gleisbauarbeiten

Das Material sei "hochgradig kontaminiert", sagt Anliegerin Annette Marquart-Mois. Schließlich seien doch in den ausgebauten Gleisuntergrund seinerzeit jahre- und jahrzehntelang massenweise "Unkrautvernichtungsmittel" und von den Zügen herabtropfendes Öl eingedrungen. Die Anwohnerin spricht von "skandalösen Umständen", dass die Ablagerung unmittelbar neben bebautem Gebiet genehmigt worden sei.

Die Erlaubnis erteilt hatte das Eisenbahnbundesamt in Bonn. Die Behörde habe, wie Pressesprecherin Bettina Baader am gestrigen Donnerstag auf Anfrage mitteilte, eine Zwischenlagerung genehmigt. Sicherzustellen sei, so die Auflage, der Schutz von Wasser und Boden - und zwar durch Folien unter und auf den Schotterbergen. Ob das Material kontaminiert sei und dann nicht zwischengelagert werden dürfe, überprüfe das Eisenbahnbundesamt nicht. Die Behörde werde von sich nur dann initiativ, wenn sie einen Hinweis erhalte, dass die Auflagen nicht eingehalten werden, so Baader.

Die Deutsche Bahn und die von ihr beauftragten Firman haben nach eigenen Angaben jedoch schon Proben nehmen und auswerten lassen. Das Ergebnis erläutert ein Sprecher der Bahn: "Der Aushub ist kontaminiert durch Abrieb von Bremsen und Reifen." Die Werte bewegen sich seinen Angaben zufolge jedoch "im zugelassenen Bereich".

Neben der Sorge um das möglichweise nicht ganz einwandfreie Material macht den Anwohnern vor allem auch der Baulärm zu schaffen. "Nach vier Wochen ununterbrochenem Lärm durch die Bauarbeiten der Bahn haben sich inzwischen gesundheitliche Schäden bei vielen Anliegern der Bahn eingestellt", schreiben Adolf Reim und rund ein Dutzend weiterer Anlieger der Straße "An der Bahn" an Bürgermeister Klaus Daiber. An ein "Durchschlafen in den Nächten" sei nicht mehr zu denken. Die "Lärmmaschinerie" werde auch dann nicht abgestellt, wenn in den Nächten keine Bauarbeiten im Bahnhofsbereich vorgenommen werden. "Es hat den Anschein, dass die Bahn aus rein wirtschaftlichen Gründen die Beschädigung der Gesundheit der betroffenen Anlieger in Kauf nimmt."

Und noch eine große Sorge treibt die Nachbarn der Bahn um: Vor ihrer Haustür habe sich der Bahnweg aufgrund der Belastungen durch die schweren Lkw "in Richtung Bahngraben gesenkt". Auch der Asphalt sei "teilweise aufgebrochen". Die Anlieger befürchten nun, dass am Ende vielleicht sogar sie geradestehen und eine Sanierung der Straße bezahlen müssen.

Bürgermeister Daiber zeigt Verständnis für die Sorgen der Anlieger. Er werde in den nächsten Wochen darauf achten, dass die Bahn und ihre Firmen Schäden, die sie auf und an den Straßen verursachen, wieder beseitigen. Im Rahmen einer so genannten Beweissicherung sei der Zustand vor den Bauarbeiten festgehalten worden. Und eine weitere Bestandsaufnahme folge dann im Nachhinein. Schäden seien von der Bahn und ihren Firmen zu beheben, betont Daiber.

Besonders gefährdet sieht der Rathauschef den Kapellenweg. Diese kleine Straße eignet sich seiner Ansicht nach nicht für Schwertransporter mit 40 Tonnen. Ob eine Gewichtsbegrenzung rechtlich durchsetzbar sei, sei zu klären. Im Rahmen eines Ortstermins gestern Nachmittag - das Ergebnis stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest - wollte er diese und andere Fragen klären. Doch auch eine Gewichtsbegrenzung sei nicht das Gelbe vom Ei. Die Verkehrsbelastung sei auch dann hoch, "wenn statt 500 größeren 1000 kleinere Lastwagen fahren". Der beste Weg sei ein Abtransport über die Schienen.

re/Chiemgau-Zeitung

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