Aufregung um Asylbewerber in Hemhof

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Hemhof/Bad Endorf – Das Rosenheimer Landratsamt suchte zuletzt Wohnungen für weitere 160 Asylbewerber. In Hemhof wurde es fündig, bei den Anwohnern regt sich Widerstand.

Dem Landkreis Rosenheim wurden zuletzt weitere Asylbewerber zugewiesen. Für diese musste geeigneter Wohnraum gefunden werden. Da das Landratsamt keine eigenen Wohnungen für Asylbewerber mehr hatte, wandte es sich an die Menschen in der Region. Sie sollten sich melden, wenn sie freie Wohnungen oder auch Gasthöfe zum Vermieten hätten. Ein Wirt aus Hemhof kam dieser Aufforderung nach. Sein Gasthof erwies sich, nach eingehender Prüfung durch das Landratsamt, offenbar als geeignet. Zwei Kriterien dafür: genügend Platz für die Aylbewerber und funktionierende sanitäre Anlagen.

Anwohner des Gasthofes erfuhren allerdings erst durch das Anrücken eines Lastwagens von der Umfunktionierung zum Asylbewerberheim. Der Lastwagen brachte vergangenen Donnerstag, 6. September 2012, die Betten für zunächst zehn Asylbewerber. Diese stammen vor allem aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Iran und Irak. Sie haben seit Freitag in Hemhof ihr neues Zuhause auf Zeit gefunden. Insgesamt ist die Wirtschaft für rund 30 Asylbewerber vorbereitet worden, die jetzt nach und nach eintreffen sollen.

Das Rosenheimer Landratsamt bestätigte, die Gemeinde Bad Endorf kurzfristig über das neue Asylbewerberheim informiert zu haben. "Die Gemeinde und auch der Vermieter des Gasthofes sind allerdings grundsätzlich nicht verpflichtet, die Anwohner über das neue Heim zu informieren", erklärt der stellvertretende Pressesprecher des Rosenheimer Landratsamtes, Oliver Winter. "Wenn Sie eine Wohnung vermieten, dann sagen Sie den Nachbarn doch auch nicht Bescheid, oder?", unterstreicht Winter.

Das hilft den Anwohnern allerdings wenig. Sie begleiten seit dem Eintreffen der Asylbewerber diffuse Ängste und Fantasien - obwohl bislang noch kein Kontakt zu den Asylbewerbern zustande gekommen und auch sonst nichts passiert ist. Trotzdem fühlen sich Anwohner unwohl. "Seit ich weiß, dass sie da sind, kann ich nicht mehr aus dem Haus gehen, ohne einen dicken Schraubenschlüssel in der Hand zu haben", erklärt eine Frau.

Das Landratsamt Rosenheim setzt dennoch auf die Hilfe aus der Bevölkerung. "Wir wollen eine Ghettoisierung vermeiden und setzen die Asylbewerber absichtlich in kleinere Gemeinden. Dort sind sie besser integrierbar. Die Dorfgemeinschaft kann sich stärker um sie kümmern, was in einer zentralen Einrichtung so nicht gegeben ist", erklärt Winter.

Die Sorgen der Anwohner kann Winter allerdings verstehen. "Die Leute sehen, dass die Asylbewerber nur rumsitzen. Sie dürfen aber auch nichts tun. Es ist ja nicht sicher, ob sie im Land bleiben dürfen. Die Entscheidung kann sich Wochen oder auch Monate hinziehen", sagte Winter. Außerdem hätten in der Wirtschaft in Hemhof auch vorher Leute übernachtet. Nur weil sich dort derzeit Asylbewerber befänden gebe es laut Winter keinen Grund zur Sorge. "Der Landkreis Rosenheim hat mit der dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern sehr gute Erfahrungen gemacht. Allerdings muss ich zugeben, dass es sich bei der Wirtschaft in Hemhof mit 28 Asylbewerbern um eine größere Einrichtung handelt", so Winter abschließend.

Ein Wirtshaus in Umrathshausen sorgte bereits Mitte des Jahres als mögliches Heim für Asylbewerber für Diskussionen vor Ort und im ganzen Landkreis. rosenheim24.de sprach mit Landrat Josef Neiderhell über die Situation der Asylbewerber in Rosenheim und Pläne für die Unterbringung:

kmr 

Quelle: rosenheim24.de

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