Hilfe für zu Hause

+
In ihrem Büro in der Sozialstation in der Schulstraße knüpft Stephanie Staiger das Netzwerk für das "Betreute Wohnen daheim".

Prien - Seit Januar bietet die ökumenische Sozialstation "Betreutes Wohnen daheim". Stephanie Staiger, die dieses Netzwerk organisiert, hat seitdem schon über 30 Senioren geholfen, die ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen wollen.

Viele ältere Menschen wollen ihre vertraute Umgebung nicht missen und nicht in ein Alten- oder Pflegeheim. Aber körperliche Defizite, Krankheiten oder undurchsichtige bürokratische Erfordernisse machen es schwer, den Wunsch dauerhaft in die Tat umzusetzen.

Um den Senioren zu helfen, wurde das Netzwerk unter dem Dach der Sozialstation geknüpft.

Für Staiger ist die Arbeit nicht neu. Sie hat zuvor schon fünf Jahre in Münster ein Projekt begleitet, das unter dem Motto "Alles aus einer Hand" in die gleiche Richtung zielte.

Seit dem Start in Prien haben schon über 30 Personen von Aschau bis Eggstätt bei ihr um Hilfe und Unterstützung gebeten, berichtet die Sozialpädagogin im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Darunter waren auch einige Angehörige von Senioren, die Rat suchten.

Weil ältere Menschen oft nicht mehr mobil sind, beginnt das "Betreute Wohnen daheim" auch bei den Senioren zuhause. Staiger nimmt sich mindestens eine Stunde Zeit für diese Gespräche, um sich einen überblick zu verschaffen, wo es fehlt, wie das Umfeld aussieht und um Zusammenhänge zu erkennen. "Ich lasse die Leute erzählen."

Relativ häufig suchten ihre "Klienten" Haushaltshilfen. Staiger vermittelt Kontakte und weiß aus Erfahrung auch, ob, wo und wie ein Antrag auf finanzielle Unterstützung gestellt werden kann. Sie nutzt nicht nur die Verbindungen zu Caritas und Diakonie, den beiden Trägern der ökumenischen Sozialstation, sondern arbeitet zum Beispiel auch intensiv mit Zweiter Bürgermeisterin Renate Hof zusammen. Die Seniorenbeauftragte Priens vermittelt beispielsweise Ehrenamtliche, die im Rahmen eines Besuchsdienstes einsamen Menschen Gesellschaft leisten.

Hilfestellung bei behördlichen Dingen - vom Antrag auf eine Pflegestufe bis zur Verlängerung des Schwerbehindertenausweises - ist ein weiterer Schwerpunkt von Staigers Arbeit. Sie kennt Adressen, Ansprechpartner und Voraussetzungen. "Mit einer Organisation im Hintergrund" weiß sie aber auch, dass eine soziale Stelle wie die ihre mitunter besser und schneller Gehör findet als eine private Einzelperson auf eigene Faust.

Gerade hat sie mit einer älteren Dame über Monate seitenweise Widersprüche zur Ablehnung von deren Antrag auf Aufnahme in einer Pflegestufe formuliert, bis der Vorstoß am Ende doch noch erfolgreich war.

Wenn ein Hausnotruf gebraucht wird oder die Rezeptgebühren das Budget übersteigen, weiß die Sozialpädagogin immer Rat. Gerade ältere Menschen sind dafür dankbar, denn das Dickicht aus Behörden, Vorschriften und Gesetzen ist für sie besonders schwer durchschaubar.

Oft wüssten die Senioren nicht einmal, dass sie aufgrund ihrer geringen Rente "grundsicherungsberechtigt" seien, also Anspruch auf eine finanzielle Basisunterstützung hätten. Ein Fall für Staiger: Sie besorgt Formulare und füllt sie mit den Betreffenden aus. Und ihre Hilfe ist kostenlos.

"Man sollte jedem, der es möchte, die Möglichkeit geben, auch im Alter in den eigenen vier Wänden zu leben", deutet sie an, dass ihre Aufgabe Beruf und Berufung zugleich ist. "über manches Problem zerbricht man sich auch das Wochenende über den Kopf."

Das Priener Netzwerk ist vorerst quasi ein Nebenjob, denn hauptsächlich ist Staiger für die Seniorenhilfe der Diakonie in Rosenheim tätig. Die Entwicklung von "Betreutes Wohnen daheim" hängt im Wesentlichen vom Bedarf ab.

Zu erreichen ist sie telefonisch unter 08031/2351143 oder 0171/5664493 sowie per Mail an seniorenhilfe@diakonie-rosenheim.de.

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser