Nach Hochwasser

So läuft der Wiederaufbau des Farbinger Hofes in Bernau

Hoteldirektor Andreas Röhrle auf der Baustelle im Speisesaal des Farbinger Hofes.
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Hoteldirektor Andreas Röhrle auf der Baustelle im Speisesaal des Farbinger Hofes.

Beim Hochwasser im August vergangenen Jahres stand das Erdgeschoss im Farbinger Hof bis zu einen halben Meter hoch unter Wasser. Der Schaden ging in die Millionen.

Bernau – Seitdem laufen die Sanierungsarbeiten. Statt Budget und Mitarbeiter koordiniert Direktor Andreas Röhrle zusammen mit dem Architekten Handwerksfirmen und studiert Baupläne. Unsere Zeitung hat sich mit ihm darüber unterhalten, wie die Arbeiten vorangehen.

Das Erdgeschoss fast komplett entkernt

Der „Rückbau“, wie dies im Fachjargon heißt, dauerte Monate. Auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern musste laut Röhrle „alles herausgerissen“ werden. Dies habe Fitness und Wellnessbereich, Kegelbahn, die Zimmer im Erdgeschoss und die Küche betroffen. „Wir mussten Verschalungen von den Wänden nehmen, eingezogene Wände abreißen, Kacheln herunterklopfen und die Böden entnehmen.“ Das dauerte bis Dezember.

Kein Stein mehr auf dem anderen auf der Großbaustelle

„Annähernd das komplette Erdgeschoss gleicht derzeit einer Großbaustelle“, beschreibt die GEW Ferien GmbH als Betreiber auf der Internetseite vom Farbinger Hof. „Kein Stein ist mehr auf dem anderen“, ergänzt Röhrle. Selbst die Bäder in den Zimmern sind zu erneuern.

Die Handwerker arbeiten jetzt am Wiederaufbau im entkernten Bereich

„Jetzt beginnt der Aufbau“, so der Hoteldirektor mit hörbarer Erleichterung. Die Handwerksfirmen erneuerten nach einem Gutachten momentan sämtliche Leitungen und Schaltkäsens sowie die Wasserver- und die Abwasserentsorgung. Für alle Arbeiten gelten die neuesten gesetzlichen Richtlinien. Die GEW mit Sitz in Frankfurt erwarb das ehemalige Bauernhaus laut Röhrle im Jahr 1965 und baute es zum Hotel um.

Zwei Jahre zuvor war die GEW als gemeinnütziger Verein gegründet worden mit dem Ziel, Arbeitnehmern der Baubranche Urlaube an beliebten Erholungsorten zu erschwinglichen Preisen zu ermöglichen.

Ehemaliges Gewerkschaftshotel öffnet sich für den allgemeinen Tourismus

Heute besitzt die GEW nach eigener Auskunft fünf Hotels und sechs Ferienanlagen in Deutschland und Südfrankreich. Mit der Umwandlung zur GmbH im Jahr 2016 öffneten sich die Häuser für den allgemeinen Tourismus. Der Farbinger Hof unweit des Chiemsee ist eines dieser Häuser.

Glück im Unglück nennt es der Hoteldirektor, dass das Hotel coronabedingt seit Beginn des Lockdown sowieso geschlossen wäre. Die Kosten für den Neuaufbau liegen „im Millionenbereich“. Zwar sei das Haus versichert gewesen, doch müsse das Unternehmen selbst zusätzlich investieren. Immerhin ist damit zwangsläufig eine komplette Erneuerung beziehungsweise Modernisierung verbunden.

„Die uralte Kegelbahn“, so Röhrle, werde zu sechs Appartements umfunktioniert. Die zusätzlichen Zimmer für die Gäste könne der Farbinger Hof angesichts der Nachfrage gut brauchen. Die Kegelbahn sei dagegen kaum noch wirtschaftlich zu betreiben gewesen.

Haupttrakt kann als erstes wieder öffnen

„Ziel ist, dass wir im März, April mit den Arbeiten so weit fertig sind“, sagt der gebürtige Hamburger, der seit 2011 im Chiemgau ist. „Zunächst werden wir nur den Haupttrakt mit 60 Zimmern öffnen.“ Geschlossen bleiben vorerst noch Tagungsräume und der Freizeitbereich. Bis November solle das gesamte Haus fertig saniert sein.

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

Derzeit seien 30 Mitarbeiter in Kurzarbeit, doch sei der Empfang besetzt, um Gästeanfragen zu beantworten. „Ich bin überzeugt, dass das Hotel wieder läuft, der bisherige Zuspruch war so gut“, sagt Röhrle. Gerade auch, weil der Farbinger Hof ein beliebter Tagungsort und Treffpunkt von Gewerkschaften sei.

Zuspruch aus der Region, Aufträge für heimische Firmen

Als „toll“ bezeichnet der Hoteldirektor den Zuspruch aus der Region und von Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) nach dem dramatischen Hochwasserschaden. „Auch viele Kollegen haben mich angerufen und sich erkundigt. Das alles hat mich sehr beeindruckt.“ Er habe die Bedeutung des Farbinger Hof für die Gegend gespürt.

Umgekehrt wolle der Farbinger Hof beziehungsweise das Unternehmen GEW auch etwas zurückgeben. „Wir werden aus der Region beliefert und beim Aufbau haben wir die regionalen Firmen beteiligt.“ Wann das Haus öffnen kann, bestimmt das Ende des Lockdown.

Rückschlag für die Gemeinde bei den Übernachtungszahlen

Für Christoph Osterhammer, Leiter der Tourist-Information Bernau, war der Ausfall des Farbinger Hofes mit seinen knapp 100 Betten als größtes Hotel im Ort ein „herber Verlust“. Im vergangenen Jahr habe sich das in dieser Hotelkategorie spürbar in den Übernachtungszahlen der Gemeinde niedergeschlagen.

„Nach dem Lockdown hatte das Hotel zwei Monate lang geöffnet, dann kam das Hochwasser.“ In Bernau gebe es nicht viele Häuser, die für größere Gruppen und Tagungen Platz böten. Auch gebe es nur noch das Bonnschlößl als Hotel mit einem Wellnessbereich. Ein Schwimmbad habe nur der Farbinger Hof. „Wir brauchen Betten und Hotelzimmer“, sagt Osterhammer aufgrund der hohen Nachfrage.

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