Su Bertl und ihre unzähligen Lichterketten 

Die glanzvolle Geschichte vom Höslwanger Weihnachtshaus 

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Das Weihnachtshaus in Höslwang ist seit Jahren eine Attraktion. Wir erzählen die Geschichte dahinter. 
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Höslwang - Ein Hauch X-Mas aus Amerika zieht Jahr für Jahr in die kleine Gemeinde ein. Su Bertls Haus sticht einem schon von Weitem ins Auge, dem Lichterzauber am Ortseingang kann sich kaum jemand entziehen. Eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art: 

Im Garten weht eine weiß-blaue Bayern-Fahne, am Eingang baumeln unzählige Lichterketten, ein bunter Nikolaus versteckt sich hinter dem kleinen Gartenteich, den eine dünne Eisschicht bedeckt. Beim Betreten des Grundstücks fällt schon bei Tageslicht auf, dass hier etwas besonders ist. Der wahre Zauber um das Haus von Su Bertl kommt aber erst mit Einbruch der Dunkelheit zur Geltung, wenn sich Garten und Haus jeden Abend im Advent in ein leuchtendes Meer aus Ketten, Lichtern und Glühbirnen verwandeln. 

Eine Attraktion für Jung und Alt - jedes Jahr aufs Neue. Die Autos fahren in Schrittgeschwindigkeit vor der Haustüre vorbei, Spaziergänger bleiben staunend stehen und machen Fotos. Das Szenario an ihrem "besonderen Haus" beobachtet Su Bertl jeden Abend mit einem Lächeln im Gesicht. Bis aus München kämen die Leute. Sie freut sich, wenn ihre aufwendige Dekoration ankommt. Viele Geschichten rund um ihr Weihnachtshaus hat die rüstige Rentnerin in petto

Das Weihnachtshaus von Su Bertl im Jahr 2016 - seit Jahren ist es eine Attraktion in der kleinen Gemeinde. 

Geschichten wie die, als Su Bertl vor einigen Jahren in schwindelerregender Höhe eine Lichterkette an ihrem Haus anbringen wollte und dabei mit einem Bein im Freien jonglierte. "Eine Freundin umklammerte mein zweites Bein im Inneren des Hauses und schrie unentwegt, ich soll aufpassen, dass ich nicht abstürze. Aber ich lachte nur und befestigte in aller Ruhe meine Ketten, das war wichtiger", schildert Su Bertl die damalige Situation mit einem breiten Grinsen im Gesicht. 

Was bewegte Su Bertl eigentlich dazu, ihr Haus derart umfangreich zur Weihnachtszeit beleuchten zu wollen? Der Ursprung lag, so sagt sie, in einem Sonderangebot eines Waldkraiburger Geschäfts. "Ich fuhr mit einer Freundin in die Stadt und kaufte alles, was um die Hälfte reduziert war und mir kurzerhand in die Hände fiel", erzählt Su Bertl wild gestikulierend. Damit war die Grundausrüstung geschaffen

Jahr für Jahr kamen mehr Lichterketten und Accessoires dazu. "Ich werfe ab und zu welche weg und dafür kommen neue hinzu", lächelt Su Bertl. Als Amerikanerin liegt ihr das Dekorieren mit den Lichtern im Blut: "Dort drüben werden zwischen den Nachbarn regelrechte Battles ausgetragen, wer das schönste und bunt beleuchteteste Haus besitzt. Hier in Bayern bin ich eine kleine Attraktion mit meiner Weihnachtsdeko."

Su Bertl in ihrem Weihnachtshaus. Auch auf dem Tisch darf eine Lichterkette freilich nicht fehlen. 

Ihre unzähligen Lichter hortet sie außerhalb der Weihnachtszeit in einem eigenen Zimmer. Denn unterm Jahr zeugen nur mehr die fest installierten Lichterketten am Dach von dem Spektakel in der Vorweihnachtszeit. Mehrere Wochen an Zeit gehen für die Installationen drauf, weshalb Su Bertl frühzeitig und weit vor dem Heiligen Abend mit dem Dekorieren von Haus und Garten anfängt. 

Sogar ein Buch über das Haus gibt es, das von der festlichen Beleuchtung Jahr für Jahr erzählt. "Mir ist es schon wichtig, dass das Gesamtkonzept der Lichterketten am Ende harmoniert", erzählt die Höslwangerin mit amerikanischen Wurzeln und blättert verträumt die Seiten um. Es gibt nichts worüber sich Su Bertl mehr ärgert als über eine kaputte Birne. Wie viele Lichter das Haus zieren, kann Su Bertl gar nicht beziffern: "Bei 23.000 habe ich aufgehört zu zählen." 

Die leuchtende Leidenschaft hat aber auch ihren Preis. Zusätzlich zu den Anschaffungskosten neuer Lichterketten fallen jährlich nur für den Monat Dezember Stromkosten in Höhe von bis zu 500 Euro an. "Mittlerweile habe die meisten stromfressenden Birnen durch LED-Technik ersetzt, das reduziert die Kosten um die Hälfte. Ein paar laufen noch mit Normalstrom, hoffentlich gehen die bald kaputt", lacht Su Bertl. 

Umhüllt von weißem Schnee kommt das Höslwanger Weihnachtshaus noch besser zur Geltung.  

Eigentlich wollte sie ihr Haus heuer nicht mehr in diesem Umfang beleuchten, erklärt sie mit einem sehnsüchtigen Blick auf ihre Lichterketten. "Doch dann kamen plötzlich die Kinder angerannt und fragten ganz entsetzt, ob der Nikolaus dann dieses Jahr etwa auch nicht kommt, wenn die Lichter aus sind. Das konnte ich ihnen dann natürlich nicht antun", schmunzelt Su Bertl.

Aus diesem Grund verwandelt sich das Haus der gebürtigen Amerikanerin wieder jeden Tag im Advent in ein wahres Meer aus Lichtern und Leuchten. Um halb fünf Uhr abends legt sie den Schalter um. Die Lichter verbreiten ihren Glanz aber nicht gleichzeitig, sondern gehen peu à peu nacheinander an und um zehn Uhr abends wieder aus

Seit 2003 lud sie die Bevölkerung zu ihrer traditionellen "Light-on-Party" in den Garten ein. Während sich die Kinder über Geschenke und den Besuch des Nikolauses freuten, wurden Glühwein und Bratwurst für den guten Zweck verkauft. Tatkräftig unterstützt wurde sie von Nachbarn und Freunden. 

Seit heuer aber gibt es nurmehr Privat-Feiern. "Ich bin schließlich auch nicht mehr die Jüngste", lacht die 80-Jährige. Am Freitag, 8. Dezember, feiert die Amerikanerin im Kreise ihrer Familie, Freunde und Bekannten ihren 81. Geburtstag - an diesem Tag wird ihr Weihnachtshaus wahrscheinlich besonders schön leuchten. 

mb

Quelle: rosenheim24.de

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