Holzhäuser für Haiti steckten im Zoll fest

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Rimsting/Port-au-Prince - Am 12. Januar hat sich das verheerende Erdbeben gejährt, das Haiti verwüstet und über 300.000 Menschen das Leben gekostet hat. Zum Jahrestag gab es zahlreiche Berichte über die Probleme beim Wiederaufbau.

Vier Männer aus dem Landkreis Rosenheim, die im November nach Port-au-Prince aufbrachen, um Menschen dort wieder ein festes Dach über dem Kopf zu geben, haben das selbst erfahren müssen.

Unter dem Titel "Bayerische Holzhäuser für Haiti" haben wir im November über das Projekt berichtet. Die Rimstinger Hans Fritz und David Schuster machten sich, begleitet von den beiden Feldkirchenern Martin Biechl und Korbinian Huber, nach Port-au-Prince auf. Unter dem Motto "Bauern helfen Haiti" wollten sie zwei Wochen lang beim Aufbau von einfachen Holzhäusern helfen - in einem Land, in dem noch immer Hunderttausende unter Zeltbahnen hausen. Die Häuser, die Hans Fritz vor 20 Jahren entwickelt hat, sind nicht nur einfach, billig und erdbebensicher. Sie können nach kurzer Schulung auch von ungelernten Arbeitern gebaut werden.

Von Bayern aus war bereits ein Container mit Brettern, Nägeln und Dachpappe für acht Häuser auf den Weg gebracht worden. Der Abflugtermin war mit dem haitianischen Kontaktmann Max Paul abgestimmt. Der Professor der Universität in Port-au-Prince hatte versichert, dass er dank seiner guten Beziehungen den Container in einer Woche durch den Zoll schleusen könne.

Rimstinger bringt Holzhäuser nach Haiti

Doch diese Einschätzung sollte sich als viel zu optimistisch erweisen. Am 18. Oktober traf der Container in Haiti ein. Am 23. Oktober flogen die vier in die Dominikanische Republik und warteten durch auf die Freigabe durch den Zoll. Als diese ausblieb, flogen sie nach fünf Tagen trotzdem nach Port-au-Prince.

Leben zwischen Trümmern

Dort war manches anders, als es sich die Gruppe aus Bayern vorgestellt hatte. In manchen Stadtteilen ist dort von Erdbebenschäden fast nichts zu bemerken. Andere Viertel sind dagegen schwer getroffen. Noch immer liegen an vielen Stellen die Trümmer zerstörter Häuser. Zwischen den Mauerresten haben die Menschen Zelte oder provisorische Buden errichtet, in denen sie nun leben. Weil Freiflächen fehlen, sind viele kleine und sehr kleine Zeltlager entstanden, oft unmittelbar am Rand von dicht befahrenen Straßen - ohne Wasser, Strom oder Kanalisation. Die Cholera breitete sich immer weiter aus.

Umso bedauerlicher, dass der berüchtigte haitianische Zoll den vier aus dem Landkreis Rosenheim weiter einen Strich durch die Rechnung machte. Von Tag zu Tag wurden sie vertröstet. Der Termin für den gebuchten Rückflug rückte immer näher und das Zeitfenster für den Hilfseinsatz wurde immer kleiner

Am Freitag, 2. Dezember, schien es endlich soweit zu sein. Die Papiere seien nun in Ordnung, hieß es. Am nächsten Morgen machten sich die Männer auf zum Zoll. Bis 16 Uhr warteten sie - dann stürzte der Zoll-Computer ab. Am Wochenende hatte die Behörde dann wieder geschlossen.

Frustriert mussten sich die Männer wieder auf den Rückweg nach Santo Domingo machen. Während die anderen nach Deutschland zurückkehrten, reiste Fritz nach Guatemala und Chile zu anderen Projekten weiter. Per E-Mail hielt ihn Max Paul auf dem Laufenden. Auf Haiti brachen unterdessen mit der Veröffentlichung der Wahlergebnisse unruhige Zeiten an. Auch beim Zoll ging nichts voran.

Erst Anfang Januar kam die erlösende Nachricht: Der Container war freigegeben. Hans Fritz kehrte allein nach Porte-au-Prince zurück. Zusammen mit 25 einheimischen Helfern ging es an die Arbeit. Zum Jahrestag der Erdbebens wurde Richtfest für das erste Haus gefeiert.

Wiederaufbau wird Jahre dauern

Ein kleiner Erfolg angesichts des Elends. An einen schnellen Wiederaufbau glaubt Fritz nicht. Viele Menschen werden wohl noch auf Jahre hinaus in Zelten leben müssen. "Im Grunde geht alles viel zu langsam", so seine Einschätzung. An manchen Stellen sei es schlichtweg unmöglich, den Schutt abzutransportieren, weil das Gelände zu steil ist, um Maschinen einzusetzen. Auch sind viele Straßen so eng, dass größere Lastwägen, sofern überhaupt vorhanden, nicht durchkommen würden.

Vor wenigen Tagen ist eine neue E-Mail aus Haiti eingetroffen. Mittlerweile haben die haitianischen Arbeiter das dritte Haus gebaut - Zehntausende würden gebraucht. Aber ein Anfang ist gemacht.

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

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