"Charivari" ist ganz dicht

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Mit Brettern hat die Gemeinde jetzt die Fenster des ehemaligen Hotels "Charivari" verrammelt, um ungebetene Besucher fernzuhalten.

Prien (ch-z) - Seit über 20 Jahren dümpelt das Hotel "Charivari" vor sich hin - und das ist ihm anzusehen. Seit 2007 gehört es der Gemeinde. Die gab über eine Million Euro dafür aus.

Nicht das Gebäude, sondern vor allem das Grundstück zwischen großem Kursaal und Gymnasium sind für die Kommune der Reiz der Immobilie. Die hat in letzter Zeit immer öfter ungebetene Besucher angelockt, die sogar Wände durchbrochen haben. Jetzt hat die Gemeinde aus Sicherheitsgründen die Fenster verrammelt.

Tagungshotel, betreutes Wohnen, Erlebnismuseum, eine Begegnungsstätte für Kinder - Gerüchte, Ideen und Diskussionen über mögliche Nutzungen des Areals gab es immer wieder. Das "Charivari" hat sie bis heute alle "überlebt". Aber es ist gezeichnet - im wahren Sinn des Wortes. Graffiti-Schmierereien "zieren" die Fassade. An vielen Stellen blättert der Putz von den Wänden.

Bis 2007 wehte zumindest im Innern noch ein Hauch von früherem Glanz durch die Räume. Die Zimmer waren noch vollständig eingerichtet - inklusive Bettzeug, die Zeit war stehengeblieben. Nach dem Konkurs war das Hotel in den 80er-Jahren der Sparkasse Regensburg zugefallen. Die bemühte sich zwar, ihr Eigentum zu versilbern, aber ohne Erfolg.

Mögliche Hotelinvestoren schreckte vor allem auch die Lage mitten im Ort statt am Chiemsee ab.

2007 verkaufte die Sparkasse an den Markt Prien für 990.000 Euro fast den gesamten Komplex, bis auf einen "Schikanier-Zwickel". So nannten Eingeweihte den Anteil von 86 Tausendstel, den der frühere Hotelbetreiber Mohamed Kather in den 80er-Jahren für sich behalten hatte. 600.000 Euro soll er für das Dutzend ehemaliger Personalräume im hinteren, westlichen Teil gefordert haben, für Fachleute ein weit überzogener Preis.

Erst nach Kathers Tod im Februar 2007 wendete sich das Blatt. Der damalige Bürgermeister Christian Fichtl wurde sich mit den Erben innerhalb weniger Monate einig. Der "Schikanier-Zwickel" wechselte für einen Betrag zwischen 200.000 und 300.000 Euro den Besitzer.

Seitdem wird mehr denn je darüber spekuliert, was zwischen großem Kursaal und Ludwig-Thoma-Gymnasium passieren wird. Das LTG, vom "Charivari" nur durch einen großen, öffentlichen Parkplatz getrennt, klagt über Raumnot und wünscht sich einen größeren Ersatz für seine überlastete Zweifachturnhalle, die ob ihres altmodischen Heiz- und Belüftungssystems zudem als "Energieschleuder" gilt.

Eine schulische Nutzung scheint theoretisch denkbar, weil es keine Konflikte mit abendlichen Veranstaltungen im benachbarten Kursaal geben würde. Faschingsbälle und Konzerte stehen aber wohl einer Einrichtung für betreutes Wohnen entgegen.

Schon im vergangenen Jahr hatten Bürgermeister Jürgen Seifert und Landrat Josef Neiderhell das Objekt gemeinsam in Augenschein genommen. Wegen der schlechten Bausubstanz sieht Neiderhell zwar keine Möglichkeit, das Gebäude in irgendeiner Form noch einer neuen Nutzung zuzuführen. Aber immerhin: "Ich kann mir vorstellen, mittelfristig mit der Gemeinde zusammen eine Nutzung für das dann freie Grundstück zu entwickeln", ließ er die Chiemgau-Zeitung auf Anfrage wissen.

Nachdem der Markt Prien das "Charivari" endgültig übernommen hatte, wurde die Inneneinrichtung entsorgt. Das Gebäude wurde mit einem Bauzaun umgeben. Der konnte aber offensichtlich nicht alle "Besucher" abschrecken. Nächtliche Gäste hatten sich in jüngerer Zeit mehrfach gewaltsam Zutritt verschafft. Sogar Brandstellen sollen sie hinterlassen haben, und die mit Eisen versperrten Türen waren zuletzt auch kein Hindernis. Zuletzt wurde sogar gewaltsam eine Wand durchbrochen.

Weil Hotel und Kursaal über einen gemeinsamen Starkstromanschluss verfügen, kann dieser nicht abgeschaltet werden. Um zumindest das Risiko auszuschalten, hat die Gemeinde jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Bauhofmitarbeiter haben das "Charivari" sozusagen versiegelt, die Fenster sind nun mit Brettern versperrt.

Die müssen bis ins Frühjahr 2010 halten. Denn der Abriss der mehr alt- als ehrwürdigen Gemäuer auf Kosten der Gemeinde ist beschlossene Sache. Die Ausschreibung der Arbeiten ist derzeit in Arbeit. Was danach kommt, weiß heute noch niemand.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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