Investiert und deshalb frustriert

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Die "Chiemsee-Suite" ähnelt in der Ausstattung den neuen Zimmern im Hotel Neuer, die im Frühjahr fertig werden sollen.

Prien - Seit 2010 zahlt die Hotellerie nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer für Übernachtungen. Dass Baumaßnahmen trotz der finanziellen Erleichterung schwer zu realisieren sein können, zeigt ein Beispiel aus Prien.

Seit 2010 zahlt die Hotellerie nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer für Übernachtungen. Mit der Senkung des Satzes wollte die schwarz-gelbe Bundesregierung vor allem Investitionsanreize schaffen. Gerade im Freistaat erhoffte sich die Politik einen Schub, um im Wettbewerb mit Österreich Boden gutzumachen. Dass Baumaßnahmen trotz der finanziellen Erleichterung schwer zu realisieren sein können, zeigt ein Beispiel aus Prien.

Eine halbe Million Euro wollte Andreas Neuer höchstens in die Hand nehmen, um sein Haus in Stock auszubauen. Dass es teurer wird, liegt an hohen Auflagen für den Brandschutz.

Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf sieben Prozent, die inzwischen von Teilen der Politik schon wieder infrage gestellt wird, hat Neuer den entscheidenen Impuls gegeben, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Sieben zusätzliche Zimmer entstehen, allesamt mit gehobener Ausstattung, zum Beispiel raumhohen Panoramafenstern mit Seeblick und Whirlpools. Prunkstück der neuen Räume, die spätestens ab 1. April bezugsfertig sein sollen, wird ein Familienappartement mit drei Räumen. Zahlreiche Buchungen für den Sommer liegen bereits vor, freut sich der Hotelier.

Bevor es soweit war, dass er Panorama-Suite, Seeblick-Suite, ein Einzelzimmer "Deluxe" und die anderen neuen Zimmer anbieten konnte, hatte er diverse bürokratische Hindernisse zu meistern. Im Herbst war er kurz davor, aufzugeben, erzählt er rückblickend im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Im Juli vergangenen Jahres hatte der Bauausschuss des Marktgemeinderates seine Ausbaupläne, die äußerlich durch vier große Giebel im Dachgeschoss sichtbar werden, einstimmig und ohne Diskussion genehmigt. Aber dann begann der Ärger. Sieben Wochen nach der kommunalen Genehmigung bekam er die kompletten Unterlagen vom Landratsamt, der übergeordneten Genehmigungsbehörde, zurückgeschickt, weil auf einem Blatt die Unterschrift des Architekten fehlte.

Aber das war erst der Anfang. Was er und sein Architekt nicht bedacht beziehungsweise gewusst hatten: Durch die Erweiterung auf knapp 70 Betten sei sein Haus in eine andere, die nächsthöhere Brandschutzklasse eingestuft worden. In der Folge musste Neuer zunächst für mehrere tausend Euro ein Brandschutzgutachten anfertigen lassen. Weil Gutachter in der Region rar und auf Monate im Voraus ausgebucht sind, wurde die Zeit knapp. Anfang November sollte der Umbau beginnen, damit bis zum Saisonbeginn alles rechtzeitig fertig wird.

Erschwerend kam hinzu, dass das Gutachten auch noch von einem weiteren Fachmann geprüft werden musste - so ist es vorgeschrieben. Das kann ein Spezialist der Regierung von Oberbayern erledigen, der aber nur einmal im Monat zu diesem Zweck in den Landkreis kommt.

Aber die bürokratische Einordnung in eine höhere Brandschutzklasse hatte noch andere Folgen. In den Zimmern in der Etage unter den neuen Räumen forderten die Vorschriften neue Brandschutzplatten an der Decke. "Dort hatten wir erst vor vier Jahren renoviert", ärgert sich Neuer. Einsatzpläne und Anfahrtsskizzen für die Feuerwehr mussten angefertigt werden und einiges mehr.

Inzwischen sind die Arbeiten schon fortgeschritten, aber Neuer weiß immer noch nicht, was er noch zusätzlich investieren muss.

Aber ob Neuer am Ende alle 37 Zimmer für eine Brandmeldeanlage verkabeln muss, wird sich vielleicht erst bei der Abnahme durch die Prüfer entscheiden. Das hätte dann auch zusätzliche Wartungskosten von 5000 Euro jährlich zur Folge. Die Brandmeldesirene muss mit mindestens 75 Dezibel in jedem Zimmer zu hören sein. Das möchte der Hotelier über Brandmelder in den Fluren gewährleisten. Die dürfen aber andererseits laut Vorschrift nicht so laut sein, dass das Gehör einer Person geschädigt wird, die genau in dem Moment unter dem Brandmelder stehen könnte, wenn der Alarm losgeht.

"Natürlich wollen wir mit den neuen Zimmern auch Geld verdienen. Aber wir hätten nicht ausbauen müssen." Das Haus sei hervorragend ausgelastet, sagt Neuer.

Rabatte für Gäste während der Bauzeit hatte er ebenso einkalkuliert wie eine geringere Auslastung in dieser Zeit - nicht aber solch hohe Kosten für den Brandschutz. Die machen Neuer zufolge inzwischen 15 Prozent der gesamten Investitionssumme aus. Allein das Material, um alle Auflagen zu erfüllen, habe 25.000 Euro gekostet - und die Arbeiten werden am Ende mindestens nochmal mit der gleichen Summe zu Buche schlagen.

Trotz der unvorhergesehenen Mehrkosten wird Neuer die Zimmerpreise nicht erhöhen. Und obwohl er den Ärger über die bürokratischen Hemmnisse auch jetzt noch als "extrem frustrierend" empfindet, weicht er inzwischen langsam der Vorfreude auf die Eröffnung.

von Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

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