Hunderte Autos durch Hagelschauer verbeult

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Prien - Heftige Hagelschauer gingen im Juni und Juli in der Region nieder. Mit den Folgen müssen sich viele Autobesitzer noch heute beschäftigen:

Die Körner waren so groß, dass mancher Pkw, der im Freien stand mit Beulen übersät wurde.

Was also tun bei einem Hagelschaden? Viele wenden sich direkt an ihren Autohändler. Das BMW-Autohaus Unterberger in Prien hat bislang zirka 50 Kundenfahrzeuge repariert. Selbst war das Autohaus auch stark betroffen: Etwa 50 Gebrauchtwagen seien durch den Hagel beschädigt worden, berichtet Geschäftsführer Fritz Unterberger im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Den Gesamtschaden beziffert er auf rund 150.000 Euro.

Beim Peugeot-Autohaus Schlichter war der Schaden an Gebraucht- und Vorführwagen mit zirka 35.000 Euro geringer. Auch hier ließen laut Geschäftsfüher Alois Schlichter um die 50 Kunden ihr Auto inzwischen wieder instand setzen. Glücklicherweise übernehme Hagelschäden die Versicherung.

Allen, die sich nicht an ihren Autohändler wenden wollen oder können, bieten sich mobile Hagelzentren als Alternative an. Sie ziehen durch Deutschland und machen dort Station, wo die weißen Geschosse vom Himmel gefallen sind.

In Prien haben derzeit noch zwei von ihnen ihre Zelte aufgeschlagen, eines im wahren Sinn des Wortes.

Die grünen Zelte des „Dellendienstes“, die „Dellenkinos“, stehen auf dem BayWaParkplatz. In ihrem Inneren verbergen sie speziell angeordnete Leuchtstoffröhren, die es ermöglichen, auch beinahe unsichtbare Einschläge zu erkennen, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Wichtig sei der Ausschluss von Tageslicht, da es das Erkennen der Dellen behindere, erklärt Inhaberin Petra Gäbler.

Nach der Begutachtung werden die beschädigten Autos in eine abgedunkelte Halle gebracht, wo die Innenverkleidung ausgebaut wird und die Vertiefungen mit verschiedenen Hebeln heraus „massiert“ werden. Dieses als „sanfte Methode“ oder „Ausbeulen“ bekannte Verfahren sei deshalb von Vorteil, weil es anders als das herkömmliche Spachteln und neu Lackieren keine Wertminderung des Fahrzeugs verursache, so Gäbler weiter. Aus Prien und Umgebung wurden bisher etwa 250 Autos vom „Dellendienst“ repariert.

Auch das „Hagelschadenzentrum“ setzt auf die sanfte Methode. Hier gibt es aber keine Zelte und keine Planen vor den Fenstern. Dafür ist alles weiß-blau im Innern der Halle auf dem Gelände des „Werk Zwei“ an der Bernauer Straße. Durch die gestreiften Wände in Verbindung mit Neonlicht werde selbst die kleinste Delle sichtbar, erklärt Verkaufsleiterin Simone Gräter. Bisher habe das Techniker-Team etwa 90 Autos ausgebeult. Viele Pkw-Besitzer würden den wahren Schaden nicht erkennen, da nur tiefe Einschläge für das bloße Auge sichtbar seien. Daher sei es in jedem Fall sinnvoll, sein Auto genau begutachten zu lassen, wenn es beim Hagel draußen gestanden habe oder unterwegs war.

Weniger Geld bei späterem Schaden

Doch nicht alle Betroffenen wollen eine Reparatur des Hagelschadens. Besonders Halter älterer Fahrzeuge lassen sich nur von der Versicherung den errechneten Schaden ausbezahlen, das Auto bleibt aber in seinem zerbeulten Zustand. Allerdings erfolge die Auszahlung unter Abzug der Mehrwertsteuer und das Auto verliere an Wert, gibt Karin Forster von der Priener Geschäftsstelle der Generali-Versicherung zu bedenken. Bei einem neuen, späteren Schaden bekomme man dann weniger Geld.

Ramona Anner (Chiemgau-Zeitung)

 

Rubriklistenbild: © dpa

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