IHK-Gremium will Fusion der Verbände

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Bei der Gremiumssitzung in Seebruck: (v.l.n.r.) Werner Linhardt, Vorsitzender des IHK-Gremiums Traunstein, und Robert Obermeier, Abteilungsleiter Volkswirtschaft, IHK-Gremien, Standortpolitik bei der IHK für München und Oberbayern

Seebruck - Bei der Sitzung des IHK-Gremiums Traunstein stand besonders der Chiemsee-Tourismus und die Fusion der beiden Verbände im Vordergrund.

Das IHK-Gremium Traunstein fordert die politisch Verantwortlichen in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim auf, die einheitliche Vermarktung des Chiemsees als Tourismus-Destination voranzutreiben. Die verstärkte Projekt-Zusammenarbeit soll dann langfristig in der Fusion der beiden Tourismusverbände Chiemgau Tourismus auf Traunsteiner Seite und Chiemsee Alpenland auf Rosenheimer Seite münden. Von der Forderung einer sofortigen Fusion der Tourismusverbände nahm das IHK-Gremium allerdings Abstand. Dies war das Ergebnis einer intensiven Diskussion bei der jüngsten Sitzung des IHK-Gremiums Traunstein im SeeHotel Wassermann in Seebruck.

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„Das Thema belastet unsere Region schon seit einiger Zeit“, sagte der IHK-Gremiumsvorsitzende Werner Linhardt zu Beginn der Debatte. Eine gemeinsame Vermarktung sei aus seiner Sicht unabdingbar, um die Region im internationalen Tourismus-Wettbewerb zu stärken, so Linhardt. Der Weg dahin sei aber zu hinterfragen, betonte der Gremiumsvorsitzende mit Blick auf die aktuelle Resolution des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG), die eine sofortige Fusion der Tourismusverbände forderte.

Große Frustration mit der derzeitigen Situation äußerte Peter Stocker, Inhaber des SeeHotels Wassermann in Seebruck sowie BHG-Kreisvorsitzender Traunstein. „Wir kämpfen seit Jahren um eine sinnvolle touristische Destination mit einer entsprechenden Vermarktung und haben viel Zeit in Arbeitsgruppen investiert, dann werden unsere Vorschläge vom Tisch gewischt“, sagte Stocker und nannte als Beispiel die ChiemseeCard. „Man lässt uns Leistungserbringer in der Tourismuswirtschaft am langen Arm verhungern, wir haben ja noch nicht einmal ein Mitspracherecht im Tourismusverband“, so Stocker weiter.

Dass sich die IHK generell für eine Reduktion von Organisationseinheiten im Tourismus ausspreche, um Überlappungen zu vermeiden und größere Regionen ohne Scheuklappen aus Sicht des Gastes zu bewerben, machte Markus Pillmayer, Tourismusreferent der IHK für München und Oberbayern, in einem kurzen Vortrag deutlich. Auch ein Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht des Gastgewerbes in den Tourismusgremien sei legitim, so Pillmayer weiter. Diese Änderungen müssten jedoch in einem offenen, sachgerechten und transparenten Diskussionsprozess mit den politischen Entscheidungsträgern erreicht werden.

In diese Kerbe schlugen dann auch mehrere andere IHK-Gremiumsmitglieder. Die Fusion der Tourismusverbände sei ein mindestens dreijähriger Prozess, der nicht von heute auf morgen gefordert werden kann, sagte Andreas Barmbichler, Geschäftsführer der Standkurhaus VerwaltungsGmbH in Waging am See. Der Traunsteiner Steuerberater Markus Uzicanin pflichtet ihm bei: „Allein alle 35 Kommunen im Landkreis Traunstein zur Zusammenarbeit im Tourismus zu bringen, hat vier Jahre gedauert. Wir können keine Zwangsehe fordern, die nicht durchsetzbar ist und die Zusammenarbeit vergiften würde.“

Zum Abschluss der Debatte einigten sich die IHK-Gremiumsmitglieder auf einen Konsens für die Beschlussvorlage: "Das IHK-Gremium Traunstein fordert die politisch Verantwortlichen in der Region auf, die Fusion der beiden Tourismusverbände durch geeignete Maßnahmen und Projekte zeitnah voranzutreiben."

Drohender Fachkräftemangel in der Region

Für die Wirtschaft im Landkreis Traunstein wird es immer schwieriger, ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern. Trotz steigender Bevölkerungsprognosen bis 2031 müssen sich die Betriebe auf ein insgesamt rückläufiges Arbeitskräfteangebot einstellen, berichtete Jens Wucherpfennig, IHK-Referent für Fachkräfte und Demografie. Er rief die Unternehmen aus dem Landkreis deswegen dazu auf, den Bestand und die Zusammensetzung ihrer Belegschaften langfristiger zu planen und mehr in Aus- und Weiterbildung zu investieren. Hier müssten die Betriebe neue Wege gehen, um auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren, so Wucherpfennig. Einerseits gehe wegen des Trends zu höheren Schulen und Studium die Zahl der Bewerber für eine Ausbildung zurück, andererseits gebe es immer mehr Probleme mit der Ausbildungsreife der verbleibenden Bewerber.

IHK-Experte Wucherpfennig berichtete weiter, dass laut IHK-Berechnungen im Jahr 2030 25.000 Fachkräfte in Südostoberbayern fehlen werden. Das bedeute, dass jede neunte Stelle in den Betrieben nicht besetzt werden kann. Mit dem ebenfalls vorgestellten IHK-Demografierechner können Unternehmen die Alterung ihrer Belegschaft simulieren und Rückschlüsse für ihre langfristige Personalpolitik, zum Beispiel Bedarf an Weiterbildungsmaßnahmen und Neueinstellungen oder die Anpassung von Arbeitsplätzen für ältere Beschäftigte, ziehen.

Aus dem Video-Archiv:

Pressemitteilung IHK für München und Oberbayern

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