Immer öfter Betrug im Internet

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Prien - Die Polizeiinspektion Prien hatte 2010 weniger Straftaten zu verzeichnen. Während die Delikte in fast allen Bereichen weniger wurden, stieg die Zahl von Betrugsfällen deutlich an.

PI-Leiter Stefan Raithel präsentierte den zwölf Bürgermeistern von Halfing bis Aschau gestern Vormittag beim traditionellen Sicherheitsgespräch in der Inspektion die Zahlen. 517 - und damit 117-mal weniger als im Jahr davor schlugen 2010 Diebe zu, allein 226-mal in Prien.

88 Fahrräder wechselten illegal den Besitzer, 71 Ladendiebstähle mussten die Beamten bearbeiten, 57 aus Fahrzeugen. Sieben Einbrüche in Wohnungen und Häuser wurden gemeldet.

Längere Zeit beschäftigte die PI Raithel zufolge ein Duo, das Löcher in Fensterrahmen bohrte, dann mit einem Draht den Hebel innen betätigte und so in Gebäude gelangte. Die DNA-Spuren dieser „Fensterbohrer“, die im nördlichen PI-Bereich ihr Unwesen trieben, reichten bis in die Schweiz, nach Luxemburg und in den Düsseldorfer Raum. Zwar wurde bei der Fahndung ein verlassenes Lager im Wald zwischen Halfing und Höslwang entdeckt, die Täter selbst sind aber flüchtig.

Unter den 227 (28 weniger als 2009) sogenannten Rohheitsdelikten, die 2010 angezeigt und zu 95 Prozent aufgeklärt wurden, waren Raithel zufolge 92 vorsätzliche leichte Körperverletzungen. „Wir wären alle kriminell“, umschrieb der PI-Chef das Phänomen, das heutzutage auch immer öfter Schulhof-Rangeleien angezeigt würden, bei denen es oft nur um eine „Watsch‘n“ geht. Ansonsten fliegen die Fäuste auch oft nachts vor einschlägigen Lokalen. Hinter den 17 Sexualdelikten, mit denen sich die PI- Beamten 2010 beschäftigen mussten, steckten laut Raithel meist Beziehungsprobleme. 31-mal gingen Anzeigen wegen häuslicher Gewalt ein.

Deutlich zurückgegangen sind 2010 die Sachbeschädigungen, nämlich um fast 90 auf 147, von denen wiederum 59 in Prien registriert wurden. Gesunken ist auch die Zahl der Rauschgiftdelikte auf 71. Allerdings schränkte Raithel hier ein, dass dies auch mit einem personell bedingten Rückgang der Kontrollen zu erklären sei. Der PI fehlen also schlicht die Mitarbeiter. „Das Verhältnis stimmt nicht mehr so recht“, räumte er mit dem Hinweis auf die vergleichsweise zahlreichen polizeilichen Aktivi- täten im Verkehr ein. Stefan Jaworek vom Rosenheimer Polizeipräsidium kündigte denn auch an, dass man heuer „mit viel ,Manpower‘ in die Fläche“ gehen wolle, also Drogendelikten in ländlichen Bereichen wieder gezielter nachspüren wolle.

Sorgen bereitet der Polizei die seit Jahren ansteigende Zahl von Betrugsfällen. 252 waren es 2010 im PI-Bereich Prien. Würden auch die Fälle in die Statistik einfließen, in denen die Täter von außerhalb agierten, wäre die Zahl Raithel zufolge um ein Mehrfaches höher. Denn zumeist handelt es sich um Betrügereien im Internet. Oft seien es Abo-Fallen, also Fälle, bei denen Geschädigte, ohne es zu merken, Zahlungsverpflichtungen eingehen. Auch beim Herunterladen von Software über Seiten, deren Kostenpflicht nicht oder nur schwer ersichtlich ist, oder beim „Online-Banking“, wenn Kunden auf nachgemachte Seiten, die denen ihrer Hausbank täuschend ähnlich sehen, hereinfallen, würden immer häufiger Betrugsfälle gemeldet. „Das überrollt die Polizei fast“, merkte Raithel zur Flut von Internetbetrügereien an. Das bayerische Innenministerium will Fachleute schulen, die diesen Trend bekämpfen sollen.

Unter der Rubrik Betrug sind bei der Polizei auch die organisierten Banden rumänischer Bettler erfasst, die seit Jahren vermehrt in der Region unterwegs sind. Allein 50-mal wurden solche Personen 2010 im PI-Bereich kontrolliert. Nicht selten bitten sie laut Raithel auf Karten als vermeintliche Hochwasseropfer um finanzielle Hilfe, kommen aber aus Gebieten, in denen es gar keine Flüsse gibt. 4,3 Millionen Euro Schaden sind laut Raithel im vergangenen Jahr im PI-Bereich allein durch Vermögensdelikte entstanden, zu denen vor allem Betrugsfälle zählen. Den Gesamtschaden aller Straftaten im Dienstbe- reich bezifferte der Inspektionsleiter auf knapp 5,6 Millionen Euro.

Die Aufklärungsquote blieb 2010 bei der PI Prien mit 67,2 Prozent fast unverändert. Gut drei Viertel der ermittelten Täter waren männlich, ein Fünftel hatte keine deutsche Staatsbürgerschaft. 174 Verdächtige (rund 20 Prozent) waren 21 Jahre und jünger. Diese Altersgruppe ist vor allem bei Diebstählen überproportional vertreten. Fast die Hälfte aller Personen, die straffällig wurden, lebte in der Gemeinde, in der auch der Tatort zu finden war.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Rubriklistenbild: © dpa

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