Geringe Löhne, hohe Lebenshaltungskosten

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Andrea Mayer, Renate Braun, Alexandra Hohentanner (von links)

Prien am Chiemsee - Der Sozialdienst katholischer Frauen Südostbayern warnt vor einer zunehmenden Verarmung. Der Beratungsbedarf ist groß.

Weil in der Marktgemeinde als Urlaubsort überdurchschnittlich viele Hotels und Lokale sowie mehrere große Kliniken stehen, gibt es mehr berufstätige Frauen als anderswo. Und weil die Löhne in der Gastronomie und in der Pflege nicht die höchsten sind, aber die Lebenshaltungskosten in Prien und Umgebung fast Münchener Dimensionen haben, müssen sich gerade alleinerziehende Mütter oft gewaltig strecken. Nicht wenige von ihnen haben weniger als das sogenannte Existenzminimum, wissen die SkF-Beraterinnen Renate Braun und Andrea Mayer.

Oft kommt eines zum andern. Wer Anspruch auf Unterkunftskosten hat, bekommt in Prien höchstens 383 Euro für die Kaltmiete einer Zweizimmer-Wohnung. "Diese Wohnungen gibt es nicht", weiß Mayer von vielen Beispielen. Und wenn, liegen solch günstige Unterkünfte weit ab vom Schuss. Nicht nur Arbeitsstelle und Einkaufsmöglichkeiten, auch Krippe, Hort oder Schule sind weit weg. Wenn die alleinerziehende Mutter deshalb aufs Auto angewiesen ist und plötzlich der TÜV fällig wird oder neue Winterreifen nötig sind, überbrückt der SkF den Engpass schon mal mit Geld aus einer Stiftung, zum Beispiel der "Hilfe Mutter und Kind".

Die Beratungsstelle des SkF in der Schulstraße 8 wird zwar zumeist als Anlaufstelle für Schwangere verstanden, ist aber weit mehr als "nur" eine Adresse für werdende Mütter. Unabhängig der Konfession wird beiBedarf Familien geholfen, bis das jüngste Kind sechs Jahre alt wird.

Die Bandbreite ist groß. Sie reicht vom Beistand bei bürokratischen Hürden, bei spielsweise der Antragstellung für Mutterschafts-, Kinder- oder Elterngeld, umfasst Aufklärung über Schwangerschaftsvorsorge ebenso wie Unterstützung in psychisch belastenden Situationen. Beziehungsprobleme oder die Angst um den Arbeitsplatz sind für Braun und Mayer tägliches Brot.

Für Prien typisch nennt Braun, die auch als Beraterin in Rosenheim arbeitet und vergleichen kann, Frauen, die in Lebenskrisen geraten, weil sich durch das Ende einer Beziehung plötzlich alles verändert. "Manche Frauen rutschen schnell ab", berichtet Braun, wenn Frauen auf einmal mit einer völlig anderen Umgebung als der gewohnten umgehen müssen.

Was die SkF-Beraterinnen in jüngster Vergangenheit auch immer öfter beobachten, sind sogenannte Aufstocker - Frauen, die dazuverdienen müssen, weil der niedrige Lohn des Mannes nicht reicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Einen Grund für diese Entwicklung haben Braun und Mayer in dem Umstand ausgemacht, dass immer mehr Arbeitsverhältnisse nur mehr über Zweitarbeitsfirmen abgewickelt werden.

Dass die Zahl nicht nur alleinerziehender Frauen steigt, die einen oder mehrere Jobs haben, um finanziell über die Runden zu kommen, lässt sich auch an der seit Jahren stetig steigenden Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder ablesen. Auch bei der Spielstube des SkF im katholischen Pfarrheim, gibt es eine Warteliste, obwohl die Öffnungszeiten in jüngster Vergangenheit ausgeweitet worden sind. Ein Manko in Prien und Umgebung ist es Mayers Angaben zufolge auch, dass es viel zu wenig Tagesmütter gibt.

Dirk Breitfuß

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser