Großes Pow Wow im Chiemgau

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Santee Sioux aus Nebraska kommen nach Aschau im Chiemgau

Aschau - Richtig multikulturell geht es momentan in Aschau zu. 19 junge Santee-Sioux-Indianer aus dem US-Staat Nebraska besuchen im Rahmen eines Austauschprojekts die örtliche Pfadfindergruppe.

Am Sonntag, 15. August, steht ein großes Pow Wow, ein indianisches Fest mit Tanz und Musik, auf dem Programm. Seit zwei Wochen sind die Indianer in Bayern und fühlen sich in ihren Gastfamilien pudelwohl. Die meisten von ihnen haben ihre Heimat Nebraska vorher noch nie verlassen und verbringen dort fast ihre ganze Zeit im Indianerreservat. Der Kulturschock war deshalb erst einmal groß.

Indianer besuchen Aschau im Chiemgau

"Die Familien in Bayern haben viel weniger Kinder als bei uns zu Hause und essen immer gemeinsam", wundert sich etwa die 15-jährige Alyssa Rouillard. Kameron Runnels (23) war sehr beeindruckt, weil seine Gastfamilie frisches Gemüse aus dem eigenen Garten und selbstgekochte Marmelade serviert. "Bei uns in Amerika kommt das alles aus dem Supermarkt", erklärt er.

Inzwischen haben sich die amerikanischen Gäste aber an die landestypischen Eigenheiten gewöhnt und genießen den Aufenthalt bei den Aschauer Pfadfindern. Die Bayern hatten sie bereits im vergangenen Jahr in Amerika besucht. Damals kamen 22 Jugendliche aus dem Chiemgau für drei Wochen ins Reservat und lernten dort eine fremde Kultur kennen. Besonders schockiert waren die Gäste damals über den Rassismus, mit dem die Indianer auch heute noch zu kämpfen hätten: "Beim Einkaufen außerhalb des Reservats wird man komisch angeschaut, wenn man mit indianischen Freunden unterwegs ist", erzählt der 15-jährige Lukas Viebahl, der im Vorjahr am Austausch teilnahm. Dabei lebten die Ureinwohner eigentlich typisch amerikanisch: Selbst kürzeste Strecken würden mit dem Auto zurückgelegt und auf den Tisch kämen hauptsächlich Fast-Food und Fertiggerichte.

Tipis und Federschmuck suche man im Reservat vergebens. "Das wird nur zu Festen getragen", erklärt Benedikt Zacher (16). Man könne sich das wie in einem Trachtenverein vorstellen, ergänzt der 16-jährige Tobias Pfaffinger. Immerhin ihr Broterwerb ist typisch für Indianer im dritten Jahrtausend: Auch die Santee Sioux betreiben ein Casino, von dem ein Großteil der Familien lebt.

Der Kontakt zwischen den Pfadfindern und dem Stamm der Santee Sioux kam bereits vor zehn Jahren zustande. Damals hatten junge Aschauer die Idee, einen Auslandsaustausch zu organisieren. Peter Pfaffinger, einer der Pfadfinder-Betreuer, schrieb daraufhin 50 Indianerstämme an. "Die Santee Sioux aus Nebraska waren die einzigen, die sich auf meine E-Mails gemeldet hatten. Deshalb besuchten wir sie kurze Zeit später", erinnert er sich.

Es sei aber jedes Mal schwierig gewesen, junge Indianer für die Teilnahme am Austausch zu begeistern, da diese kaum engeren Kontakt zu Weißen kennen. Die 17-jährige Amanda Rouillard ließ sich zur Teilnahme bewegen, weil sie neue Leute kennenlernen wollte. Das ist ihr gelungen. Ihre Freunde von der katholischen Pfadfinderschaft Sankt Georg in Aschau haben für ihre indianischen Gäste in den vergangenen Wochen ein buntes Ausflugs- und Erlebnisprogramm zusammengestellt, um ihnen möglichst viel von der Umgebung zu zeigen. Die Jugendlichen waren gemeinsam segeln und veranstalteten ein Pfadfinderzeltlager. Besonders gut gefielen den Besuchern aus Übersee die Großstädte München und Salzburg. Deren Architektur mit den vielen historischen Bauten, engen Straßen und den Tausenden von Menschen kannten sie von zu Hause überhaupt nicht.

Momentan üben alle fleißig für das große Pow Wow am kommenden Sonntag. Dann treten zwischen 14 und 20 Uhr einige der jungen Indianer in ihren traditionellen bunten Kostümen mit Federschmuck auf dem Aschauer Festhallengelände auf und tanzen. Andere machen Musik und verkaufen indianische Kunst. Neben einem Tipi für Kinder erwarten die Besucher auch kulinarische Schmankerl der amerikanischen Ureinwohner wie zum Beispiel Indian Tacos, die indianische Version der "Auszognen". Für die Chiemgauer ist das Pow Wow eine tolle Gelegenheit, um einmal mit echten Indianern in Kontakt zu treten. "Keine Angst, wir beißen nicht", verspricht der 18-jährige Ramon Gonzalez.

Beate Winterer/Oberbayerisches Volksblatt

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