Inspiration mit nackten Füßen

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Barfuß im Eichental: Viele Gäste zogen kurzerhand die Schuhe aus und gingen über den neuen Barfußweg, dessen Bau die Schön-Kliniken unterstützt und den die Gärtnerei Rother angelegt hat. Nicht ganz so viele wateten im Storchenschritt durch das benachbarte Kneippbecken (Bild). Das älteste seiner Art im Ort war zum Jubiläum von Malermeister Stefan Schedlbauer frisch herausgeputzt worden.

Prien - Mit der Einweihung eines Barfußparks und eines 3,8 Kilometer langen Kneippwegs hat die Marktgemeinde den 50. Jahrestag der Ernennung Priens zum ersten und bis heute einzigen Kneippkurort Oberbayerns gefeiert.

Am 28. November 1960 hatte der bayerische Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen einstimmig dem Antrag Priens stattgegeben und damit einen "beachtlichen Aufschwung" der Kureinrichtungen in der Marktgemeinde honoriert. Die hatte auf Antrag des wenige Jahre zuvor gegründeten Kneippvereins zum Beispiel das "Kneippkursanatorium Kronprinz" gekauft.

Ein weiterer "Motor und Mentor" war seinerzeit Dr. Herbert Matusczyk, Facharzt im "Kneippkurhaus Strandhotel Märklstetter". Dessen Witwe Ursula Matusczyk begrüßte Bürgermeister Jürgen Seifert beim Auftakt der Jubiläumsfeier, die von der Blaskapelle Prien musikalisch umrahmt wurde, vor rund 200 Zuhörern im kleinen Kursaal ebenso namentlich wie Erwin Mrotzek als ältesten Mitarbeiter des damaligen Kur- und Verkehrsvereins.

PTG-Geschäftsführer Ferdinand Reb, Bürgermeister Jürgen Seifert und Dietolf Hämel, Geschäftsführer der Klinik St. Irmingard (von links), eröffneten den Priener Kneippweg, zu dem eigens auch ein Faltblatt aufgelegt wurde.

Das nachhaltige Ziel der Veranstaltung sei es, den Kneippkurort Prien "auf das Podest zu stellen, das ihm gebührt". Seifert appellierte an Handel, Beherbergungsbetriebe, Gastonomie und örtliches Gesundheitswesen, auf den Kneipp-Zug aufzuspringen, der mit dem Fest "aus der Besenkammer herausgeholt" wird. Der Bürgermeister kündigte ein "virtuelles Kneippkurhaus" an. Per Mausklick könne dort abgerufen werden, "was mit wem, wann und an welchem Ort" in Bezug auf die fünf Säulen der Kneippschen Lehre geschieht.

Dr. Karl-Heinz Jochum, Vorsitzender des Kneippvereins, dankte der Bürgerrunde für die tatkräftige Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung des Festes und appellierte an alle: "Lassen Sie sich inspirieren." Auch Johann Keller vom Heilbäderverband warb für die "faszinierende wie einfache Idee" Kneipps, die bis heute "nichts von ihrer Wertigkeit eingebüßt hat".

Dies belegten auch die Kurzreferate von Fachleuten zu den fünf Säulen. Noch im Kursaal verblüffte Psychotherapeutin Ulrike Kühnel von der Klinik St. Irmingard das Publikum mit einer einfachen Übung zur inneren Ordnung. Als die Zuhörer auf ihren Sitzen den Oberkörper leicht vor- und zurückpendeln ließen, konnten sie "ein Gespür entwickeln, wie es sich anfühlt, ausbalanciert zu sein".

Mit diesem gestärkten Bewusstsein für den Körper und die Vorgänge in ihm machte sich die Festgemeinschaft zu Fuß auf ins Eichental. Dort erläuterte zunächst die Internistin Dr. Sonja Ambrosy vom Ärztehaus "Prienamed", dass "das Medikament Sport oft genauso wichtig oder sogar wichtiger ist als Pillen". Unter anderem sei belegt, dass Bewegung vorbeugend wirke gegen Depressionen, Darm- und Brustkrebs, Alters-Diabetes sowie Gedächtnisschwund. Sie warb für regelmäßiges, aber moderates Training.

Ein paar Meter weiter durchschnitt Seifert symbolisch ein gelb-blaues Band und eröffnete den Barfußpark mit neun unterschiedlich gefüllten Feldern in P-Form (für Prien). Etwa die Hälfte der Gäste zog kurzerhand die Schuhe aus und probierte den Parcours aus.

Nicht ganz so viele wateten danach durch das frisch herausgeputzte Kneippbecken nebenan. Wie man richtig Wasser tritt, erklärte Dr. Wolfgang Wilde, Chefarzt der Inneren Medizin und anerkannter Spezialist für Naturheilverfahren am Medical Park Prien Kronprinz. Wilde erläuterte den Storchenschritt, also die Kneippsche Technik, den Fuß beim Gehen immer kurz über die Wasseroberfläche zu heben. Anschließend solle man die Beine abstreifen, nicht abtrocknen, und dann zehn Minuten "im strammen Schritt" gehen.

Eher gemächlich ging die Festgesellschaft zurück ins Zentrum. Vor dem Heimatmuseum war Kräuterpädagogin Anna Prankl in ihrem Element. Im Kräutergarten, um dessen Besatz und Pflege sich seit 2009 die Realschule kümmert, verblüffte sie mit Schilderungen über die heutzutage vielfach vergessene Wirkung einzelner Pflanzen. Prankl, auch Wanderführerin der Priener Tourismus GmbH (PTG), erklärte zum Beispiel die entgiftende Wirkung der Brennessel-Blätter und die Heilkraft der Blätter des Spitzwegerich bei Stanzen-Stichen. Prankl bekräftigte die Kneippsche These, sich so natürlich wie möglich zu ernähren.

Dass auch die Ausgewogenheit und Regelmäßigkeit der Ernährung entscheidend für das Wohlbefinden sind, schilderte nach der Rückkehr in den Kursaal Katrin Krüger von der Abteilung Ernährungswissenschaft an der Schön Klinik Roseneck.

Pünktlich zum Jubiläum waren an den fünf Kneipp-Einrichtungen im Ort (die Kneippbecken im Eichental, im kleinen Kurpark, am Feßler-Weiher und im Prienavera sowie der Kräutergarten vor dem Museum) große Info-Tafeln aufgestellt worden. Spendiert hat sie die Klinik St. Irmingard, deren Geschäftsführer Dietolf Hämel mit Seifert im Eichental eine der Tafeln enthüllte und so den neuen Priener Kneippweg eröffnet hatte. Er verbindet die Einrichtungen auf einer 3,8 Kilometer langen Strecke über den Herrnberg.

Im Foyer des Kursaals servierte die Priener Wirte-Elf anschließend "Kneipp-Inspirationen". Zu Beginn hatte der Obst- und Gartenbauverein bereits kleine kulinarische Köstlichkeiten verteilt. Abschluss des Jubiläumstages war ein ökumenischer Gottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, den Monsignore Bruno Fink und Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth gemeinsam zelebrierten.

db/Chiemgau-Zeitung

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