"Integration geht alle an!"

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Die 13-jährige Kathinka (gespielt von Martina Cimminiello, rechts) hat Schwierigkeiten, in Deutschland akzeptiert zu werden. Auch ihre Mutter (Marion Wohlhaupter) hat Heimweh.

Prien - Die Theatergruppe der Realschule packte das ernste und schwierige Thema der Integration von Ausländern in Deutschland an. Monatelang wurde das selbstverfasste Stück einstudiert.

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde es dann über knapp eineinhalb Stunden im Musiksaal. Zusammen mit den zumeist erfahrenen Spielerinnen und Spielern der sechsten bis zehnten Klassen gelang es den Spielleiterinnen Karin Leditznig und Gudrun Schilandus, an zwei Abenden eine nachdenkliche, aber auch freudige Stimmung bei den Zuschauern zu erzeugen.

"Wer keine Heimat hat, ist der ärmste Mensch der Welt", begrüßte der Erzähler das Publikum und führte es dann mit Witz, Ironie, aber auch einer Portion Zynismus in das Thema ein.

In der Nähe der eher unbekannten Stadt Iasi im Norden Moldawiens verdingt sich der Vater der Hauptprotagonistin Kathinka als Gelegenheitsarbeiter. Weil er eigentlich Ingenieur ist, siedelt die Familie nach Deutschland um.

Die 13-jährige Kathinka ist schockiert, denn sie muss nicht nur ihre treue Freundin Mascha zurücklassen, sondern auch ihre erste Liebelei Juri. So denkt sie nur noch wütend "Ausgerechnet Deutschland"! Ihr Bruder Igor hingegen freut sich auf das Abenteuer.

Bereits am ersten Tag zeigen sich Integrationsschwierigkeiten. Eine Mitschülerin macht Kathinka das Leben schwer. Durch Igor lernt Kathinkas den netten und hilfsbereiten Nachbarn Daniel kennen und merkt langsam, dass Deutschland auch seine guten Seiten hat. Sie nimmt ihr Schicksal an und büffelt Deutsch. Aber immer wieder kommt es zu Zwischenfällen - Demütigung oder Sachbeschädigung.

Als sie zuhause weinend zusammenbricht, erfährt die 13-Jährige, dass auch ihre Mutter Heimweh hat, isoliert ist und sich Anschluss wünscht.

Als die intrigante Mitschülerin Jessi Geld stiehlt und es Kathinka unterschiebt, steht diese als Diebin am Pranger. Doch diesmal eilen ihre neue Freunde zu Hilfe und alles wird gut. Jessi entschuldigt sich und gesteht, dass Kathinkas gutes Verhältnis zu ihrem Vater bei ihr Neid geschürt hat. Jessi selbst vermisst nämlich ihren Vater, der sich nicht für sie interessiert und sie emotional verkümmern lässt.

Doch damit der Zuschauer nicht den "neu entdeckten Heimatkitschroman", der das bestmögliche Ende genommen hat, als Selbstverständlichkeit sieht, tritt noch einmal der Erzähler auf. Er zeigt die Wege auf, wie diese Geschichte auch hätte ausgehen können.

re/Chiemgau-Zeitung

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