"Haben mehr Transparenz geschaffen"

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PTG-Chef Ferdinand Reb räumt zum Jahresende seinen Stuhl im Haus des Gastes.

Prien - Nach sechs Jahren in leitender Position verlässt Ferdinand Reb Prien zum Jahresende. Der Geschäftsführer der Priener Tourismus GmbH (PTG) kehrt aus familiären Gründen in seine fränkische Heimat zurück.

Die Chiemgau-Zeitung sprach mit Reb über Imageprobleme der Tourismusbranche, neue Strukturen und Märkte der Zukunft.

Frage: Die Arbeit von Touristikern wird oft an Gäste- und vor allem Übernachtungszahlen festgemacht. Sehen Sie das auch als wichtigsten Gradmesser?

Definitiv nein, das ist ein Gradmesser von vielen. Ein anderer, wichtiger sind die Umsätze. Aber am allerwichtigsten ist die Qualität der Übernachtungen. Die sollte so gut sein, dass der Gast am Ende sagt: "Ja, da will ich wieder hin." Qualität ist nach oben offen, wir haben in Prien im Vergleich qualitativ sehr gute Betriebe, aber ein Manko insbesondere bei Angeboten im Wellnessbereich, die immer wichtiger werden.

Frage: Seit zwölf Jahren ist die touristische Arbeit in Prien mittlerweile schon in eine eigene GmbH ausgegliedert. Welche Vor- und Nachteile hat diese Konstruktion?

Ein Plus sind ganz klar Leistungsfähigkeit, Schnelligkeit und Freiheit. Prien hat viele touristische Einrichtungen, da ist diese Organisationsform sehr sinnvoll.

Der einzige Nachteil: Der ein oder andere Leistungsträger erwartet das Gleiche wie von einer rein privatwirtschaftlichen GmbH. Wir sind als Tochter aber Zwängen der Kommune unterlegen und können deshalb nicht privatwirtschaftlich agieren. Ein Beispiel: Als reines Privatunternehmen könnten wir unsere gärtnerischen Leistungen verkaufen, als Tochter der Gemeinde nicht, weil wir örtlichen Betrieben damit Konkurrenz machen würden.

Frage: Die PTG betreibt touristische Einrichtungen, allen voran das Prienavera, aber auch den Sportboothafen Stippelwerft oder die Galerie im Alten Rathaus. Bei solchen Betrieben spielt natürlich auch der wirtschaftliche Aspekt eine Rolle. Wie entscheidend ist er?

Nicht mit allem lässt sich Geld verdienen, auch wenn das einige meinen. Die einzige "Cash Cow" ist die Stippelwerft. Bei den anderen Einrichtungen können wir nur versuchen, Kosten zu reduzieren oder Einnahmen zu erhöhen, um den Jahresfehlbetrag zu verringern. Trotzdem sind sie unverzichtbar, auch zum Beispiel die Bücherei an einem Schulstandort wie Prien.

Wir stellen alle Einrichtungen regelmäßig auf den Prüfstand, um die Effizienz zu kontrollieren.

Frage: Die PTG hat in der Vergangenheit zum Beispiel bei größeren Veranstaltungen schon mit anderen örtlichen Organisationen wie dem Verband Priener Unternehmer (VPU) und der "WirteElf" zusammengearbeitet. Nun soll für solche Zwecke ein Verein als Zusammenschluss von Interessensgemeinschaften gegründet werden. Ist das nötig und welche Chancen stecken dann in den "PrienPartnern"?

Ich halte es für notwendig, unter der Voraussetzung, dass kein Wasserkopf entsteht, sondern Synergien genutzt und frei werdende Gelder nicht gespart, sondern auch eingesetzt werden. Persönlich finde ich sogar, dass die "PrienPartner" in die PTG integriert werden sollten, insbesondere, wenn man sieht, wer mein Nachfolger wird. Man könnte zum Beispiel eine halbe Stelle neu schaffen und die Ressourcen der PTG nutzen.

Frage: Der Tourismus hat in Prien und auch in der Region nicht überall den Stellenwert, den er als Wirtschaftszweig vielleicht verdienen würde. Warum ist das so und wie kann das Image aufpoliert werden?

Grundsätzlich gibt es ein klares Bekenntnis von Eigentümer und Gesellschafter zum Tourismus. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn der Tourismus in allen Bevölkerungsteilen eine größere Lobby hätte. Aber nicht jeder freut sich zum Beispiel über einen vergleichsweise hohen Bierpreis in einem Urlaubsort. Und Leute, die früher hier Urlaub gemacht haben und dann irgendwann hierher gezogen sind, nehmen den Ort jetzt anders wahr als vor 20 Jahren in den Ferien. Das ist einfach so und überhaupt nicht böse gemeint.

Wir müssen die Leute durch Innenmarketing, also Informationen und Aktionen überzeugen. Ich glaube, dass uns dies in den letzten Jahren durch Transparenz ausgesprochen gut gelungen ist.

Frage: Auf welche Pferde muss Prien künftig setzen, um im hart umkämpften Markt um Gäste bestehen und seine Position vielleicht sogar ausbauen zu können?

Das Pfund heißt Ambiente und Ortsentwicklung. Der Verkehr ist ein zentrales Thema. Man könnte zum Beispiel durch eine Beruhigung oder Sperrung der Schulstraße das Zentrum attraktiver machen. Außerdem gibt es keine ausgewiesenen Busparkplätze im Ort.

Die Marktgemeinde muss sich unbedingt Gedanken darüber machen, wie man an Betten-Kapazitäten für Übernachtungen arbeitet, und zwar in Bezug auf den Standort. Außerdem muss an der Infrastruktur für Schlechtwetterangebote weitergearbeitet werden.

Der "Mega-Markt" der Zukunft ist der Gesundheitstourismus. Dafür sind Quartiere nötig, die daran ausgerichtet sind. Das Privatquartier mit dem Gang zum örtlichen Physiotherapeuten reicht da nicht.

Auch wenn es keiner hören will: Der Gast der Altersgruppe 50 plus wird weiter nach Prien kommen und unser Segment sein.

Für ihn sind altersgerechte Angebote nötig.

Frage:  Welche Aufgaben oder Ziele bleiben auf Ihrer persönlichen Liste durch den privat bedingten Abschied aus Prien als "nicht erledigt" stehen?

Die weitere Stärkung des Innenmarketings mit Aktionen und Veranstaltungen, auch wieder mit etwas mehr Risiko. Angefangen haben wir mit dem Ausbau des Christkindlmarktes oder der Veranstaltungsreihe "Comedy Dschungel" im nächsten Frühjahr. Ziel ist dabei der sukzessive Ausbau der Nebensaison.

Interview: Dirk Breitfuß

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