Irmengardhof: Volksfest als Dankeschön

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Ein Volksfest mit König Ludwig als Dankeschön

Gstadt - Am Samstag wurde der Irmengardhof in Mitterndorf nach langer Bauzeit feierlich eröffnet. Die Björn-Schulz-Stiftung bedankte sich dabei mit einem kleinen Volksfest bei allen Helfern.

In einer Woche können die ersten Familien mit krebs- und schwerstkranken Kindern in den Irmengardhof einziehen. Der alte Dreiseithof wurde in nur eineinhalb Jahren in ein Erholungs- und Nachsorgeheim verwandelt. Möglich gemacht hat das die Unterstützung einer ganzen Region für die Björn-Schulz-Stiftung, allen voran die Leser des OVB. Die Stiftung bedankte sich am Samstag mit einem kleinen Volksfest zur Einweihung in Mitterndorf.

"Diese Region hat uns so toll aufgenommen, dafür sind wir von Herzen dankbar. Ein ganz besonderes Dankeschön gilt dem OVB und seinen Lesern. Ohne sie hätten wir das nicht geschafft." Gründer und Vorstand Jürgen Schulz - die Stiftung ist nach seinem Sohn Björn benannt, der mit sieben Jahren an Leukämie starb - war einfach nur glücklich.

Königlicher Besuch beim Irmengard Sommerfest

Als vor drei Wochen nach einem Unwetter Wasser ins Haus gelaufen war, wurde ein Teil der Holzböden zerstört, den Mitarbeiter von neun Firmen gerade erst unentgeltlich verlegt hatten. Aber auch dieser Rückschlag entmutigte die unzähligen ehrenamtlichen Helfer nicht. Zur Belohnung schien entgegen der Vorhersage am Samstag die Sonne.

Obwohl sich schon am frühen Nachmittag über 1000 Besucher auf dem Gelände tummelten und der Strom bis in den Abend nicht abriss, herrschte sechs Stunden lang eine sehr familiäre Atmosphäre.

Einweihung Irmengardhof

Genau das ist auch das Anliegen der Stiftung: Familien und ihren kranken Kindern in dem Selbstversorgerhaus eine "Verschnaufpause vom Alltag" in einer "Oase der Ruhe und Erholung" zu ermöglichen, wie es Schirmherrin Karin Seehofer formulierte. Die Gattin des bayerischen Ministerpräsidenten war zwar terminlich verhindert, hatte aber ein Grußwort übermitteln lassen.

Geduldig stellten sich die Gäste an, um sich in kleinen Gruppen durchs Haus mit seinen verwinkelten Gängen führen zu lassen. Und sie bekamen einiges zu sehen. Aus einem Kuhstall ist ein gemütlicher und großzügiger Speisesaal samt Gemeinschaftsküche und Fernsehecke geworden. Der Stadl wurde in einen riesigen Mehrzweckraum umfunktioniert. Im Dachgeschoss fasziniert im "Raum der Stille" der Blick aufs Bayerische Meer. Nebenan in der Sternwarte können die Kinder künftig durch riesige Dachfenster in den Nachthimmel blicken.

Die meisten der 16 Appartements unterschiedlicher Größe sind schon fertig eingerichtet - in der Regel mit zwei Zimmern für Eltern und Kinder sowie Bad. Vier davon befinden sich im zweiten Stock, dazu eine Küche und ein kleiner Aufenthaltsraum. Dort zeugt im Treppenhaus ein goldenes Schild von der großen Hilfe der OVB-Leser, die in der Weihnachtsspendenaktion 2010/11 noch nie dagewesene 780.000 Euro für den Irmengardhof überwiesen hatten. Deshalb heißt das ganze Stockwerk nun "OVB-Etage".

Dass die Welle der Hilfsbereitschaft nicht abflaut, bewiesen am Tag der Einweihung zahlreiche Spendenübergaben und Geschenke. So hatte die Kinderkrebshilfe Traunstein und Berchtesgadener Land 5000 Euro und eine Holzeisenbahn für das Spielzimmer mitgebracht. Zur Freude von Bürgermeister Bernhard Hainz bewirteten die Gstadter Ortsvereine die Besucher und stellen den Verkaufserlös komplett der Stiftung zur Verfügung.

Ein Blick in eines der vier Appartements im zweiten Stock, der "OVB-Etage".

Holger Schmidt von RWE Dea und Präsidentin Andrea Alber-Bischoff vom Lionsclub Übersee hatten Geld für die Instandsetzung des alten Windrads mitgebracht, das RWE-Mitarbeiter gerade auf Vordermann bringen und das sich bald wieder drehen soll.

Künstlerin Greta Fischer aus Rimsting übergab Jürgen Schulz ein Porträt der seligen Irmengard, der ersten Äbtissin des Klosters Frauenwörth und Namensgeberin des Hofes. Das Kloster hat der Stiftung den Hof, der zuvor Jahrzehnte leergestanden hatte, samt Gelände in Erbpacht überlassen.

Deshalb war auch fast der gesamte Konvent mit Äbtissin Johanna Mayer an der Spitze gekommen. Die Äbtissin ließ es sich auch nicht nehmen, gemeinsam mit Pfarrer Peter Bergmaier den Irmengardhof und alle seine Räume zu segnen.

Eine Hüpfburg, Stelzengänger, plattelnde Dirndl und Buam, Lieder des Gollenshausener Kinderchors, Märchenerzähler, die Blaskapelle Eggstätt und einiges mehr machten die Einweihung zu einem Fest für Groß und Klein. Für Jürgen Schulz und seine Stiftung war der Tag bei aller Freude aber nur eine Zwischenstation.

"Rechts sieht man, was man erreichen kann, links brauchen wir noch Unterstützung", lenkte er charmant von der Bühne am eigens aufgebauten Festzelt den Blick der Besucher auf die Front des Dreiseithofs. Für den Umbau des westlichen Trakts, in dem weitere 15 Appartements entstehen sollen, fehlt noch Geld. Deshalb ist noch unklar, wann das 4,5 Millionen-Euro-Projekt vollendet werden kann.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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