60 Jahre Wasserwacht Seebruck

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Seit 60 Jahren ist die Wasserwacht in Seebruck in der Nähe des großen Seglerhafens beheimatet. Neben der Hütte, die auf Eisenträgern im Wasser steht, haben die Wasserwachtler einen Steg gebaut, der eine wichtige finanzielle Einnahmequelle für die Wasserretter ist.

Seebruck - Die Seebrucker Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes ist mit ihren über 40 Aktiven eine der wichtigen Rettungsstationen am Chiemsee und feiert 60-jähriges Jubiläum.

Ein Blick wie aus einem Nobelhotel: der blaue Himmel mit weißen Wolken, die Bergkette, das glitzernde Chiemseewasser und viele Segelboote, deren weiße Segel sich sacht im Wind blähen. Für die Mitglieder der Seebrucker Wasserwacht ein gewohnter Anblick, denn ihre Hütte steht direkt im Wasser, wenige Meter vom Ufer entfernt. Doch sie können nicht oft die herrliche Aussicht genießen, denn ihre geübten Augen beobachten wachsam das Treiben der Badenden und Wassersportler – und das bei jedem Wetter.

Über 20 Einsätze stehen in diesem Jahr bereits im Wachbuch: Retten von Personen in Seenot, Erstversorgung bei Unfällen auf der Uferstraße und dem angrenzenden Radweg, sowie das Bergen von Segelbooten. Henry Lichtenhahn hat an diesem Augustsamstag Dienst: Der Vorsitzende der Seebrucker Wasserwacht ist als Bootsführer eingeteilt – neben Sigi Waleschkowski als Wachleiter. Doch an diesem Tag bleibt es ruhig, „nicht einmal ein Boot ist irgendwo aufgelaufen“, schmunzelt der Wachleiter. „Keine besonderen Vorkommnisse“, steht dann im Wachbuch, nachdem sich Waleschkowski ordnungsgemäß bei der Integrierten Leitstelle abgemeldet hat.

Beide sind „alte Hasen“ bei den Seebrucker Wasserwachtlern: Henry Lichtenhahn übernahm vor 15 Jahren das Amt des Vorsitzenden von seinem Vorgänger Sepp Sedlmeier, der vor genau 60 Jahren mit einer Gruppe von engagierten Seebruckern die Wasserwacht Seebruck gegründet hatte. Grund war damals ein schwerer Sturm, der über den Chiemsee fegte und fünf Menschenleben forderte. Nach mehreren Ausbildungen beobachtete die neue Wasserwachts-Mannschaft ab sofort mit wachsamen Augen die ersten Segler mit ihren Chiemsee-Plätten. Umliegende Bauern stellten das Holz für den Bau der Wachhütte zur Verfügung.

1974 entstand das heutige Gebäude, direkt im Wasser, auf Eisenträgern gebaut. Integriert sind hier inzwischen drei Bootsliegeplätze mit Hebekränen, Aufenthalts-, Technik-, Umkleide- und Sanitätsraum sowie einem Wachraum mit idealem Ausblick auf den See. Hier befinden sich Funk- und Radargeräte, Telefon- und Windmessanlage sowie Ferngläser.

Finanziell völlig unabhängig

Neben der Wachstation entstand 2007 ein langer Steg, der für die Seebruckler Wasserwachtler die finanzielle Basis ist. Seit vielen Jahren vermieten sie Liegeplätze an Segler und können, trotz Abgabe an die Schlösser- und Seenverwaltung, all ihre Kosten mit diesen Einnahmen abdecken. „Damit sind wir finanziell völlig unabhängig“, so Vorsitzender Henry Lichtenhahn, „sowohl von der Kommune als auch vom BRK-Kreisverband.“ Deshalb ärgert es die Wasserwachtler, wenn sie nach einer Rettung oder Erstversorgung um einen kleinen Obulus bitten und dann zu hören bekommen, das sei doch alles selbstverständlich. „Oft kommt der Spruch, wir würden doch eh von Steuergeldern leben“, so Lichtenhahn.

Auch alle 40 Aktiven, die sich den Wachdienst von April bis Oktober teilen, arbeiten ehrenamtlich. Neben dem Wachleiter sind immer zwei Bootsführer eingeteilt. Häufen sich die Einsätze, etwa bei aufziehenden Unwettern, werden über Piepser weitere Wasserwachtler alarmiert. „Wir sind eine gute Truppe, die harmoniert, wenn's drauf ankommt“, urteilt Lichtenhahn stolz, „denn wir ziehen alle an einem Strang.“

Zu Tun gibt es genug: Nebenan liegt der große Seglerhafen mit über 500 Booten, direkt am Alzabfluß, dessen Strömung manchen Wassersportlern Probleme bereitet. Dazu kommen viele Untiefen, in denen oft Boote stranden. Zudem sind die Seebrucker Wasserwachtler auf der stark befahrenen Uferstraße und dem beliebten Radweg nach Unfällen als Erstversorger gefordert, bis Krankenwagen oder Hubschrauber eintreffen. Das schwere Unwetter im Juli forderte von den Wasserrettern allein fünf Einsätze in kürzester Zeit – neun Personen wurden aus Seenot gerettet.

„Wasserwichtl“ sind der Nachwuchs

Um Nachwuchs braucht sich Henry Lichtenhahn, der selbst als 13jähriger zur Wasserwacht kam, im Moment keine Sorgen machen. Unter der Führung von Schwimmausbilder Andi Dorn lernen alle Seebrucker Kindergartenkinder bei der Wasserwacht das Schwimmen – mit Abschluss des Seepferdchens. Manche von ihnen interessieren sich auch danach für die Wasserretter und besuchen als „Wasserwichtl“ die Gruppenstunden. Neben viel Spaß gibt es viel zu pauken: Retten, Erste Hilfe, Knoten, Funken und Bootsfahren. „Uns ist es wichtig, den Jungen den Umgang mit der Natur zu lernen“, erklärt der Vorsitzende, „dass nicht alles auf Knopfdruck passiert und dass man einem anderen im Notfall die Hand reicht, egal wer und was er ist.“

Pressemeldung Bayerisches Rotes Kreuz

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