Ein bayerischer Insulaner und seine Geschichte

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In der Gärtnerei der Insel kennt Jakob Nein sich aus.

Herrenchiemsee - Er kennt die Herreninsel wie seine Westentasche: Jakob Nein (36) wohnt und arbeitet seit zehn Jahren dort. Über einen bayerischen Insulaner.

Vor dem neuen Schloss, an dem sich sonst hunderte Touristen tummeln, herrscht Abends eine Stille wie man sie vom Festland nicht kennt. Durchbrochen wird sie nur von dem lauten Gesang der vielen Vögel. Ab und an hört man ein Boot. „Ich lebe mit der Insel“, sagt Jakob Nein, der in Altötting geboren ist und seit zehn Jahren als Gärtner und Landschaftspfleger für die bayerische Klöster- und Seenverwaltung auf der Insel arbeitet. Die Abgeschiedenheit macht ihm nichts aus. „Anfangs gab es hier so viel Neues“, sagt er. „Und je länger ich hier bin, desto weniger kann ich mir vorstellen, wieder wegzugehen.“ Mittlerweile wohnt auch seine Frau bei ihm – in einer ehemaligen Mönchsstube im Augustiner-Chorherrenstift. Die beiden haben eine drei Monate alte Tochter.

Die kleine Sofie, die jüngste der insgesamt 18 Insulaner, ist nach einer Fahrt mit dem Motorboot über den Chiemsee in einem Priener Krankenhaus zur Welt gekommen. Für die meisten Menschen schier unvorstellbar, für Jakob Nein und seine Frau Doris Huber ganz normal. Schließlich fahren sie jede Woche einmal mit dem eigenen Motorboot die 15-minütige Strecke nach Prien zum Einkaufen. Zwar könnte Nein tagsüber auch die Touri-Schiffe nehmen, aber die sind immer ziemlich voll und zeitlich nicht flexibel. Für Nein, der es gewohnt ist, seinen Tagesablauf ziemlich frei zu planen, nicht das Richtige.

Mal sitzt Nein in seinem Büro auf der Insel und macht Verwaltungsarbeiten. Aber meistens ist er draußen unterwegs. Am liebsten mit dem Jeep oder dem Radl. Auch wenn er bei der Fahrt – einmal um die Herreninsel sind es acht Kilometer – nicht nur die Natur, sondern vor allem Arbeit sieht. „Dort zum Beispiel muss der Weg mal gemacht werden“, sagt er. Auf seinen Touren immer mit dabei ist Wulfi, sein fuchsroter Jagdhund. Und eine Tasche mit brauchbaren Sachen wie Hundeleine und Schneidewerkzeug.

Spätestens wenn Nein durch die Natur auf der Herreninsel läuft, weiß man, dass er ein absoluter Naturmensch ist. Zu jedem Tier und jeder Pflanze weiß er etwas zu berichten. Der gelernte Gärtner ist nebenbei noch Jäger und Förster. Ab und zu gibt er auch Fledermausführungen. „Aber nur manchmal, weil ich will, dass ich es mit Leidenschaft machen kann“, sagt er. Neben den Fledermäusen bekommt man abends auf der Insel auch noch so einige andere Tiere zu sehen. Füchse und Rehe streifen durch die Wiesen und huschen über die kleinen Straßen. Es scheint so, als wüssten die Tiere ganz genau, wann das letzte Boot mit den Besuchern abfährt und sie aus dem 150 Hektar großen Wald hervorkommen können.

Ähnlich geht es auch Jakob Nein. Er genießt oft die Ruhe am Abend, oder auch, dass er die Musik laut aufdrehen kann, ohne dabei jemanden zu stören. Seine Nachbarn leben ziemlich verstreut auf der Insel, es sind alles Beschäftigte der Verwaltung. Andere pendeln aber auch, so wie Rudi, der gerade beim Heu machen hilft. Oder die Mitarbeiter der Schlosswirtschaft. Für Nein wäre das nichts. Er ist viel zu sehr mit der Insel verwachsen. Auch wenn er meint: „Ich will nicht sagen, ich wäre mit der Insel verheiratet.“ Mindestens verlobt ist er wohl doch.

Verena Usleber/Münchner Merkur

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