Ruhestand auf der Alm

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Senner Jakob Steiner aus Atzing pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu "seinen" Almkühen.

Geigelstein/Atzing - Jakob Steiner aus Atzing war ein vielbeschäftigter Mann. Doch im Ruhestand findet er Zeit für eine neue Aufgabe: als Senner auf dem Geigelstein.

Jakob Steiner aus Atzing war ein vielbeschäftigter Mann: als Mitarbeiter des Priener Bauhofs, Hochzeitslader, Vorsitzender des Musikfördervereins Wildenwart, Busfahrer und einiges mehr. Jetzt im sogenannten Ruhestand erfüllt er sich einen Traum: als Senner auf dem Geigelstein.

Jakob Steiner als Senner auf der Schreckalm

Der Ehren-Jugendwart des Chiemgau-Alpenverbandes ist seit dem heurigen Almsommer Senner auf der Schreckalm, einer Gemeinschaftsalm von drei Sachranger Bauern. Das Almgebiet umfasst 78 Hektar auf der Sachranger Seite des Geigelsteins. 90 Stück Vieh gilt es für den "Jak", wie er genannt wird, zu betreuen.

Jeder Tag beginnt bei Sonnenaufgang mit dem Zählen des Viehs. Zweieinhalb bis drei Stunden Gehzeit hat Steiner täglich in dem weitläufigen Almgebiet auf einer Höhe zwischen 1300 bis fast 1600 Metern zu bewältigen. "Die Stimmung in der Natur, der Sonnenaufgang und das anschließende, kräftige Frühstück vor der Almhütte sind jeden Tag ein Geschenk", schwärmt Steiner.

Der "Jak" kennt jedes Stück Vieh, nach manchem Tier muss er mitunter länger suchen - so auch am Tag des Besuchs der Chiemgau-Zeitung. Eine Kalbin war durch ein offenes Gatter, das Wanderer nicht geschlossen hatten, ausgebüxt und Steiner musste das Tier von der benachbarten Ackeralm zurückholen. Die Tiere vertrauen dem Senner, wohl auch deshalb, weil er gern laut mit ihnen "ratscht".

Die Tage auf der Alm sind für Steiner nie langweilig - im Gegenteil. Es gilt, Lecksteine zu erneuern, Wassertröge zu säubern, Zäune zu reparieren, beim Wetterkreuz auf dem Dach neue Schindeln anbringen, Brennholz zu machen und einiges mehr.

"Schon einige Kilo abgenommen"

"Das viele Gehen und das Arbeiten an der frischen Luft taugen mir, obwohl ich schon einige Kilo abgenommen hat", erzählt der Senner.

Über mangelnde Gesellschaft kann sich der Senner nicht beklagen. Wegen seiner großen Bekanntheit durch seine vielen Ehrenämter bekommt er öfters Besuch. Der Wildenwarter Veteranenverein hatte sogar eine Sitzung der Vorstandschaft auf die Schreckalm gelegt, damit ihr Fähnrich dabei sein kann.

Noch bis Ende September will Steiner auf der Schreckalm bleiben, sofern das Wetter mitmacht, und die letzten Wochen mit seiner Frau Traudi, die bisher nur an den Wochenenden hinaufstieg.

Dreimal musste Steiner bisher ein erkranktes Vieh in den Stall holen, jedesmal schaffte er die Wiedergenesung ohne Tierarzt.

"Es fehlt an gar nix!"

Mit der "Welt" ist Steiner durch Berichte von Vorbeikommenden, durch das Telefon und manchmal durch das Radio verbunden. Ansonsten ist er mit der Alm und mit sich allein. Auf die Frage "Was fehlt dir da heroben?" gibt es schnell und glaubhaft die Antwort: "An gar nix!" Bis zum Almabtrieb nach Sachrang sind noch einige Vorbereitungen zu treffen, zum Beispiel zusammen mit den Bauern der Schmuck für die Tiere.

Bei der Schreckalm können Wanderer - sofern der Senner nicht gerade im weiten Almgebiet unterwegs ist - Getränke und kleine Brotzeiten bekommen und sich so für den weiteren Weg stärken.

Wenn niemand vorbeikommt, genießt der "Jak" die Ruhe, indem er Alm-Literatur liest, den Glocken des Viehs lauscht und schon an den Almsommer 2013 denkt.

Anton Hötzelsperger/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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