Kaffeefahrt-Abzocke: Neuer Trick

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Rosenheim/Landkreis - Gerade die Region Rosenheim wurde vor Jahren mit leeren Gewinnversprechen geradezu überschwemmt.

Hinter den "garantierten" vierstelligen Geldpreisen steckten aber nur dubiose Kaffeefahrten - mehrstündige Verkaufsshows, bei denen den Leuten mit Psycho-Tricks das Geld aus der Tasche gezogen wird. Jetzt starten die Geschäftemacher einen weiteren Anlauf und ziehen dabei alle Register.

Der neueste Trick: Jetzt gaukeln die Abzocker vor, sich zum Anwalt jener "Opfer" zu machen, die trotz Gewinnbenachrichtigung leer ausgingen. "Sehr geehrte Frau K.", heißt es in einem Brief, den eine Schonstetterin jetzt erhielt, "wir haben für Ihr Recht gekämpft." Absender ist ein Finanzdienstleister aus Berlin, der für die Schonstetterin angeblich 937 Euro herausgeholt hat. Der Betrag wurde angeblich dem "Travelkonto" der Frau gutgeschrieben und errechnet sich folgendermaßen: 1000 Euro plus 20 Euro Zinsen, abzüglich 58 Euro Geschäftsgebühr und 25 Euro für Post- und Telekommunikation.

Angeblich ist die Berliner Firma schon seit einiger Zeit dabei, "alle Geschädigten anzuschreiben, die den versprochenen Gewinn nicht erhalten haben". Weiter heißt es in dem Schreiben: "Wie Sie sich bestimmt noch erinnern, wurde auch Ihnen die Gewinnsumme aus uns unbenannten Gründen nicht ausgezahlt."

Einziger Haken: Eine Zustellung des Betrages per Post sei aus rechtlichen Gründen nicht zulässig, weil sich die Gewinnerin bei der Übergabe "in unserer Zweigstelle in der Region Starnberger See" ausweisen müsse. Dorthin - es handelt sich um das Fahrziel mit der Nummer 43995 - werde die Schonstetterin Anfang Mai ganz bequem mit dem Bus gebracht. Sie müsse nur an der Wunschhaltestelle einsteigen. Dabei versuchen es die Abzocker mit einem Appell ans Gewissen sogar auf die Mitleidstour: "Sollten Sie am genannten Termin nicht erscheinen, waren unsere ganzen Bemühungen und Recherchen umsonst."

Tatsächlich handelt es sich auch hier um die berüchtigte Kaffeefahrt-Abzocke. Denn Verbraucherschützern ist das Unternehmen aus der Bundeshauptstadt bestens bekannt. Wer gutgläubig auf seine zweite Gewinnchance hofft und sich zu einem Landgasthof am Starnberger See kutschieren lässt, der kommt am Ende nicht auf seine Kosten.

Geldgewinne gibt es dabei sicher nicht. Bestenfalls raubt die Verkaufsveranstaltung dem "Gewinner" nur seine Zeit. Meistens geht ein ganzer Tag dafür drauf, weil der Landgasthof so abgelegen liegt, dass eine "Flucht" unmöglich ist.

Wenn es schlecht läuft, lassen sich die Ausflügler von einem geschulten Verkaufsprofi noch dazu überreden, viel Geld für zweitklassige Staubsauger, Heizdecken oder Matratzen auszugeben, die im Laufe des Verkaufs-Marathons angeboten werden. Das im Gewinnbrief angepriesene kostenlose Frühstück und Mittagessen entpuppt sich in der Regel als Zumutung - was auch auf das folgende Versprechen zutreffen dürfte: "Außerdem konnten wir noch eine Zusatzprämie aus den Lagerbestandsauflösungen der betroffenen Firma für Sie arrangieren. Frau K. erhält am 5. Mai kostenlos einen nagelneuen Express-Kaffee-Automaten."

Können die "Gewinner" das versprochene Geld nicht auf dem Zivilrecht einklagen? Im Prinzip ja. Doch das ist ein langwieriges, risikoreiches, kompliziertes und aufwändiges Verfahren. Auch der aktuelle Gewinnbrief des Berliner Finanzdienstleisters enthält weder eine Telefonnummer noch eine ladungsfähige Postanschrift. Die Antwortkarte landet in einem Postfach. Oft befindet sich der Firmensitz im Ausland. In diesem Fall ist das Urteil in Deutschland nicht vollstreckbar. Manchmal meldet der Gewinnauslober Insolvenz an, ehe es zum Prozess kommt.

Ein Fall für Staatsanwaltschaft und Polizei sind die dubiosen Gewinnversprechen ebenfalls in den seltensten Fällen. Fast alle Ermittlungsverfahren wurden schnell wieder eingestellt - wegen mangelnder Erfolgsaussichten. Zu geschickt bewegen sich die Abzocker in den rechtlichen Grauzonen.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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