Kampenwand: 60 Jahre Gipfelkreuz

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Das Gipfelkreuz auf der Kampenwand-Ostwand.

Aschau/Kampenwand – Für viele Bergwanderer ist es ein erstrebenswertes Ziel und ein Symbol von persönlicher Stärke, wenn man es erreicht: das Gipfelkreuz auf der Kampenwand.

Der Zug der Gebirgsschützen.

Das Gipfelkreuz auf der Kampenwand ist aber weit mehr als das: Es ist wie alle Kreuze und sakralen Bauten ein Werk von Bürgern zur Ehre Gottes. Beim Gipfelkreuz auf der Kampenwand ist das ebenso und zugleich noch etwas anderes. Nicht weil es auf einem der schönsten Berggipfel des Chiemgaus mit herrlichem Chiemsee-Blick steht, sondern weil es noch eine eigene Geschichte hat. Vor genau 60 Jahren wurde das Kampenwand-Kreuz errichtet und dies zum Gedenken an die Opfer der Weltkriege. Heuer am Sonntag, 28. August, wollen die Chiemgauer mit den Veteranen- und Soldatenkameradschaften aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein den Gedenktag feiern.

Derzeit sind die Gemeinden Aschau im Chiemgau und Höslwang eifrig damit beschäftigt, den Gedenktag vorzubereiten. Letzter noch lebender Zeitzeuge ist Franz Schaffner aus Höslwang. Die Familien Schaffner und Hell setzten sich für die Verwirklichung des Gipfel-Kreuz-Vorhabens am meisten ein. Die Anregung, mit Franz Schaffner und mit Bürgermeister Andreas Hintermayr aus Höslwang ein Gespräch zu führen, um die Erinnerungen aufzuzeichnen, bekam der damalige Leiter der Aschauer Kurverwaltung Wolfgang Bude vom Aschauer Wirt und Original Paul Kink senior. In dessen Cafe Pauli in Höhenberg fand man sich gerne ein, denn Paul Kink war vor 50 Jahren als damals Zwanzig-Jähriger mit seinem Vater für den Transport der Einzelteile des Kreuzes auf den Berg verantwortlich.

Gipfelkreuz auf der Kampenwand - Damals und heute

Das Kreuz und die Idee

Einweihung des Gipfelkeuzes mit Msgr. Röck am 26. August 1950.

Wie erwähnt steht seit 60 Jahren auf dem 1.664 hohen Ostgipfel der Kampenwand das mit 12 Metern höchste Bergkreuz der Bayerischen Alpen. Es ist aus Eisen geschmiedet, hat ein Gewicht von 54 Zentnern und wurde ohne technische Hilfsmittel heutiger Tage unter oft extremen Bedingungen errichtet. Am 26. August 1951, also fast auf den Tag genau vor 60 Jahren wenn heuer das Jubiläums-Gedenken sein wird, weihte es der Hohenaschauer Schlosskaplan Monsignore Dr. Alois Röck im Beisein der Erbauer, der Veteranenvereine und Chiemgau-Gemeinden zum Gedenken an die in den beiden Weltkriegen Gefallenen, Vermissten und Verstorbenen des Chiemgaues. Bereits 1923 stand ein hölzernes Gedenkkreuz auf dem Ostgipfel. Ein Blitzschlag zerstörte dieses in den letzten Kriegsjahren. Als der Höslwanger Schreinermeister Franz Schaffner das zerstörte Kreuz nach Rückkehr aus der Gefangenschaft so vorfand, fasste er den Entschluß, ein neues Kreuz zu bauen. Sein Nachbar, der Schmiedemeister Josef Hell war davon so angetan, dass sie in guter Einigkeit ans Werk gingen. Die beste Lösung sahen sie in einem wetterfesten Eisenkreuz. Bis zur Verwirklichung und Einweihung hatten die Männer des Chiemgaues eine harte Arbeit zu leisten.

Realisierung

Der Zug wird angeführt von Weihbischof Haßlberger.

Die Idee von Höslwang sprach sich schnell herum. Einem mühselig erstellten Modell zufolge verwendete man vorwiegend Alteisen (Sauerstoffflaschen, Panzerteile) und machte sich an die Schweiß-Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes. Die Einzelteile (Balkenbreite 0,6 m, Querbalken 3,5 m, Höhe 12 m) waren im Sommer 1949 fertig. Grundbesitzer Baron Ludwig Benedikt von Cramer-Klett willigte ein und mit Rosenheims Landrat Georg Knott überwand man bürokratische, denkmalschützerische und Transport-Hürden. Mit viel Geschick und freiwilligen Helfern machte man sich ans Werk, so dass am 26. August der kirchliche Segen vor rund 3.000 Besuchern aus dem gesamten Chiemgau erteilt werden konnte.

(hö)

Quelle: rosenheim24.de

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