"Beer war stets uneinsichtig"

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Stefan Beer zu Beginn des letzten Verhandlungstages am Landgericht Traunstein

Traunstein - Eggstätts Bürgermeister Schartner hofft, dass das Aufsehen um die Kassenaffäre rund um seinen Vorgänger nun ein Ende findet. Das ist aber eher unwahrscheinlich: 

Eggstätts Bürgermeister Johannes Schartner:

O-Ton

In der Eggstätter Kassenaffäre ist am gestrigen Montag zwar ein Urteil gefallen, aber es ist unwahrscheinlich, dass es dabei bleibt. Der angeklagte Ex-Bürgermeister Stefan Beer kann noch Revision einlegen. "Dieses Urteil wird dem Richter noch um die Ohren fliegen!", so die Reaktion von Eggstätts Ex-Bürgermeister Stefan Beer und seinem Anwalt nach Ende des Prozesses. Der amtierende Bürgermeister Johannes Schartner hofft aber, dass die Geschichte bald einen Abschluss findet. Schartner habe den Prozess mitverfolgt und sagte im Interview mit Radio Charivari, dass sich Beer stets uneinsichtig gezeigt hatte.

Das Urteil bezeichnete Eggstätts Ex-Bürgermeister Stefan Beer als "sehr vermessen". Eine Geldstrafe von 10.500 Euro (150 Tagessätze zu 70 Euro) hielt der Richter des Landgerichts Traunstein aber für angemessen. Wegen Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat wurde der 50-Jährige am Montag verurteilt.

Der Gemeinde Eggstätt entstand durch die Betrügereien einer Gemeinde-Angestellten ein Schaden von fast 35.000 Euro. Beer soll die ehemalige Kassenverwalterin gedeckt haben, als diese das Geld aus der Kasse unterschlug. Die Frau war gleichzeitig Beers Geliebte.

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Die Entnahmen aus der Barkasse - die Anklagebehörde listete 19 Fälle auf - sollen 2005 begonnen haben. Einmal zweigte die Frau die gemeindlichen Einnahmen aus dem Bootsverleih am Hartsee für sich ab, ein andermal wanderten Einnahmen aus dem Wertstoffhof oder aus Parkscheinautomaten in ihre Tasche. 2007 flog der Schwindel auf. Die Frau wurde amtsenthoben und 2011 zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Die Kassenaffäre kostete Beer seinen Job, er wurde 2008 abgewählt. Das Amtsgericht Rosenheim verurteilte ihn 2011 zu einer Geldstrafe von 6000 Euro (100 Tagessätze zu je 60 Euro). Staatsanwaltschaft und Angeklagter legten aber Berufung ein.

"Grob fahrlässig und vorsätzlich gehandelt"

Der Verteidiger von Beer hatte in seinem Schlussplädoyer Freispruch gefordert. Beer selbst betonte in seinen "letzten Worten" noch einmal, er hätte sich nichts vorzuwerfen. "Aus tiefstem Herzen sage ich, dass ich nichts gewusst habe. Ansonsten hätte ich sofort reagiert."

Das Gericht sah das anders: Beer hätte teils grob fahrlässig, teils vorsätzlich gehandelt. Von einer Freiheitsstrafe auf Bewährung, die der Staatsanwalt zusätlich gefordert hatte, sah der Richter aber ab. Die Geldstrafe von 10.500 Euro sei tat- und schuldangemessen.

"Urteil wird Richter noch um die Ohren fliegen!"

Der Anwalt des CSU-Politikers kündigte umgehend Revision an. "Dieses Urteil wird dem Richter noch um die Ohren fliegen!", sagte der Verteidiger nach der Verkündung. "Wir werden Revision einlegen." Auch Stefan Beer gab sich nach Abschluss des Prozesses kämpferisch: "Die letzten Jahre waren kein Zuckerschlecken. Meine politische Karriere wurde zerstört und mein Privatleben stark beschädigt. Auch der Ruf "meiner" Gemeinde Eggstätt hat stark gelitten. Ich werde weiter kämpfen, damit endlich Ruhe einkehrt." Der Rechtsstreit um die Eggstätter Kassenaffäre wird also wohl in die nächste Runde gehen.

redro24/tj /dpa/Radio Charivari

Quelle: rosenheim24.de

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