Kein "Solarpark" auf freier Fläche

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Übersee - Abgelehnt hat der Gemeinderat in Übersee den Antrag von Peter Stöger, eine Fotovoltaikanlage auf freier Fläche - auf einem Acker am Sichlerweg entlang der Bahnlinie - zu bauen.

Markus Enzwieser hatte dem Gremium die Pläne für den "Solarpark Gemeinde Übersee" vorgestellt.

Fotovoltaikanlagen sollten laut seinen Angaben eigentlich an ein bebautes Gebiet anschließen - was aber Bauland blockieren würde und nicht förderlich für das Ortsbild wäre. So sei der Solarpark Übersee auf einer Ackerfläche im Außenbereich entlang der Bahnlinie geplant.

Der Planer informierte, dass zum einen die Anlage ohne Versiegelung des Bodens errichtet werde. Eindrehpfeiler werden die Module seinen Angaben zufolge halten. Da auf diesem Grund keine landwirtschaftliche Nutzung erfolgen könne, habe der Boden Zeit, sich zu regenerieren. Des Weiteren werde eine Schutzzone für Kleinwild und Pflanzen entstehen.

"Natürlich", so Enzwieser, sei die Fotovoltaikanlage als aktiver Klimaschutz zu verstehen. Sie liefere Strom aus Sonnenenergie, reduziere damit die Emission von Treibhausgasen. An Hand mehrerer Fotos und Fotomontagen versuchte Enzwieser zu verdeutlichen, dass die Anlage keine störende Auswirkung auf das Landschaftsbild haben werde. Als Sichtschutz werde eine Hecke mit maximaler Höhe bis zu drei Metern gepflanzt.

Laut Enzwieser habe die Anlage auch positive Effekte für den Tourismus. So könne damit eine sonnenreiche Gegend assoziiert werden. Weder Geruch noch Lärm oder Strahlung gehe von der Anlage aus. Sie weise auf eine innovative Gemeinde hin, die Tradition und Fortschritt in einer wunderschönen Gegend verbinden könne. Auch für den Gemeindesäckel habe die Anlage Auswirkungen: Sie spüle der Kommune in den nächsten 20 Jahren knapp 400.000 Euro an Gewerbesteuer in die Kasse.

Geplant sei die Anlage auf zwei Ackerflächen mit 4,2 und 3,6 Hektar. Mit dem erzeugten Strom könnten zwei Drittel bis drei Viertel der Haushalte in Übersee mit "grünem Strom" versorgt werden. Als Alternative könne man sich auch auf die nördliche Fläche mit 4,2 Hektar beschränken.

"Weg vom Atomstrom", das wünscht sich auch Wolfgang Hofmann (BP). Er habe aber Bedenken hinsichtlich des Landschaftsbildes und könne sich nur mit der Teillösung, begrenzt auf die nördliche Fläche, anfreunden. Nach den Einspeise- vergütungen erkundigte sich Werner Linzmeier (SPD). Seines Wissens nach werden sie zurückgefahren. Dies bestätigte Enzwieser und verwies dabei auf die Dringlichkeit, denn bis Juli müsste die Anlage ans Netz gegangen sein, um die staatliche Förderung zu erhalten.

Oliver Engels (CSU) sieht nicht den Vorteil für die Überseer Bürger, zumal keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden. Laut Bürgermeister Marc Nitschke steht auch der Landesentwicklungsplan gegen das Projekt. Für Ludwig Ertl (FBL) ist der entscheidende Punkt, dass weitere Anträge folgen werden. Er möchte deshalb wissen, wo geeignete Flächen in Übersee sind. Ebenso möchte er die grundsätzliche Frage klären, ob Übersee eine Solargemeinde werden möchte. Er schlug vor, den Tagesordnungspunkt zu vertagen, um mögliche Flächen herauszufiltern.

Der Bauernverband hat die Anlage laut dem Rathauschef abgelehnt, da die landwirtschaftlichen Flächen erhalten werden müssen, um die Milchbauern zu schützen. Auch hätten bereits weitere Landwirte vorgesprochen, die an so einer Anlage interessiert seien. Sollte der Solarpark nun genehmigt werden, kommen weitere Anträge, so Nitschke. Sicher spreche einiges dafür. Was ihn störe, sei, dass der Strom ins allgemeine Stromnetz fließe und nicht in Übersee verwendet werde.

Positiv äußerte sich Anton Stefanutti (Bündnis 90/Die Grünen), der "kleinkrämerisches Denken" ausschließen möchte. Es gehe darum, das Klima zu erhalten. Hans Schönberger (FBL) forderte, Pachtflächen für die Milchbauern zu erhalten. Zudem seien noch viele Dachflächen für Fotovoltaikanlagen zu nutzen.

Schließlich sagte der Rat Nein zu den Plänen für den "Solarpark Gemeinde Übersee". Mit elf zu vier Stimmen lehnte das Gremium die große Lösung auf zwei Grundstücken ab, mit neun zu sechs Stimmen dann auch die kleine Variante auf nur einem Grundstück.

tb/Chiemgau-Zeitung

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