Keine Münchener Verhältnisse

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Rosenheim - "Italienerwochenende" beim Rosenheimer Herbstfest - gibt es so etwas? Und fanden deshalb Familien aus der Region keinen Platz? Das war Thema im Rosenheimer Stadtrat. **Video**

Brauereien und der Wirtschaftliche Verband versichern: "Wir sind weltoffen, alle sind willkommen, natürlich auch die Italiener. Aber das Rosenheimer Herbstfest ist vor allem ein Fest für die Region, und so soll es auch bleiben."

Blicken Sie auf die Wiesn zurück: www.herbstfest-rosenheim.de

Dass der Ruf des Herbstfestes bis nach Südtirol dringt, ist unbestritten. Das "Südtiroler Wochenmagazin" schwärmte heuer nach dem Schluss der Wiesn: "Die kleine Schwester des Münchner Oktoberfestes lockte zum 148. Mal auf die Rosenheimer Loretowiese. Mit von der Partie waren zahlreiche feierlustige Südtiroler. Wem das Bier in München zu teuer ist und die extremen Menschenmassen zu anstrengend sind oder wer für das Oktoberfest ,trainieren" will, fährt nach Rosenheim." Und als Hauptpreis für den Sieg bei einem Fußballturnier für Freizeitmannschaften in Eppan winkte der Siegermannschaft ein "exklusiver All-inclusive-Party-Ausflug mit allem Drum und Dran" auf das Herbstfest in Rosenheim.

Die Landtagsabgeordnete und Stadträtin der SPD, Maria Noichl, zeigte sich im Hauptausschuss des Stadtrats jetzt besorgt, es könnten "Münchener Verhältnisse" eintreten. Bekannt ist, dass das Münchener Oktoberfest Italiener anzieht wie ein Magnet und die dortigen Festzelte immer wieder wegen Überfüllung geschlossen werden müssen - in diesem Jahr nicht so häufig wegen der Sicherheitswarnungen. CSU-Stadtrat Dr. Wolfgang Bergmüller pflichtete Noichl bei: "So etwas wollen wir hier nicht."

Volles Zelt: Alle Beteiligten versichern, Gäste seien willkommen, doch das Rosenheimer Herbstfest solle vor allem ein Fest für die heimische Bevölkerung bleiben.

Reinhold Frey, Vorsitzender des Wirtschaftlichen Verbands (WV), beteuert, Italiener seien so willkommen wie alle anderen Gäste auch, doch: "Wir machen keine Werbung in Südtirol." Wenn diesmal am mittleren Wiesnwochenende die "Südtirolfraktion" besonders aufgefallen sei, lag dies nach Freys Worten daran, dass am Freitagnachmittag der Brenner gesperrt war. Wer für diesen Tag eine Busreise nach Rosenheim auf die Wiesn geplant hatte, musste umbuchen - auf den Samstag. Er räumt auch ein, dass Festhalle und Festzelt an diesem speziellen Tag tatsächlich sehr voll gewesen seien. Die Konsequenz: Im nächsten Jahr sollen noch mehr Sicherheitskräfte für Ordnung sorgen.

Noichls Fraktionskollege Kurt Müller will erfahren haben, dass Busunternehmer in Südtirol mit einem Pauschalpreis von 29 Euro für Busfahrt, eine Mass Bier, ein halbes Hendl und einem "garantierten Sitzplatz" ihre Kunden nach Rosenheim gelockt haben. Solchen Massenreservierungen müssten die Brauereien entgegenwirken, ereiferte sich Noichl. Aber nach Auskunft der Brauereien gibt es solche Reservierungen gar nicht. "Unsere Gäste, die reservieren, sind vor allem Rosenheimer Vereine und Vereine vom Land, viele Feuerwehren oder Burschenvereine", sagt Flötzinger-Chef Franz Steegmüller.

Die Brauerei lege großen Wert darauf, dass die heimische Bevölkerung zum Zug komme. Immerhin würden gerade die jungen Leute vorher viel Geld ausgeben für fesche Dirndl und Lederhosen. Der Ansturm der Südtiroler sei auch keinesfalls "beängstigend", und Reservierungen seien gar nicht nötig. Die Besucher aus Italien kämen nämlich schon gegen 11 Uhr in Rosenheim an, und mittags, das wisse doch jeder, finde man immer einen Platz im Zelt: "Und es wird ja wohl niemand etwas dagegen haben, wenn mal 20 oder 30 Südtiroler zusammen auf dem Herbstfest feiern."

Ferdinand Steinacher, Vorstandssprecher von Auerbräu, reagiert verschnupft auf die Besorgnis von Maria Noichl. Sie solle sich mal die Talfahrt des Tourismus in der Region vor Augen halten, meint er. Alle Geschäftsleute seien froh, wenn Auswärtige während des Herbstfestes die Stadt beleben: "Sollen wir vielleicht Schilder aufstellen, wo draufsteht, ,keine Südtiroler?" Auerbräu liefere auch Bier dorthin und lade Kunden ein, aber Massenreservierungen habe es auch hier nicht gegeben, es blieben immer genügend nicht reservierte Plätze für spoantane Besucher.

Sollte sich jemand darüber aufregen, dass Gruppen von Italienern möglicherweise durch schlechtes Benehmen auffallen, so kontert er: "Das ist die Rache der Südtiroler. Seit knapp 20 Jahren fahren die Deutschen in Massen zum Törggelen dorthin. Die benehmen sich auch nicht immer gut. Vielleicht haben die Südtiroler von ihnen gelernt."

Elvira Biebel-Neu/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © Schlecker

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