Kiffer wollte ein Kavalier sein

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Rosenheim/Landkreis - Als "Gelegenheitskiffer" bezeichnete sich jetzt ein 25-jähriger lediger Handwerker aus dem Chiemgau vor Gerciht. Die "Angelegenheit" kam ihm aber teuer zu stehen.

Der Chiemgauer hatte sich jetzt wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Rosenheimer Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber zu verantworten. Auf ihn wartet nun eine sechsmonatige, auf drei Jahre auf Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe.

An einem trüben Februartag dieses Jahres war der Angeklagte dabei, sich in seiner Junggesellenwohnung einen "Joint" zuzubereiten, als es an der Tür klingelte. Zwei nette junge Damen, Corina und Monika (Namen geändert), begehrten Einlass. Corina war die Freundin des Angeklagten. Als die beiden Besucherinnen sahen, was der Angeklagte gerade vorhatte, baten sie ihn ohne Umschweife, sie an der kleinen, spontanen "Kifferparty" teilnehmen zu lassen.

Dieser zögerte zwar einen Augenblick, den Wünschen seiner Besucherinnen nachzukommen, ließ sich aber dann doch dazu überreden, zumal ihm bekannt war, dass beide schon "Drogenerfahrung" hatten.

Doch welch ein Pech: Kaum hatte die "Kifferparty" begonnen, klingelte es an der Wohnungstür. Doch diesmal waren es keine netten Damen, sondern Polizisten, die die Wohnung durchsuchten und eine geringe Menge Marihuana sicherstellten. Der Angeklagte gab vor Gericht an, dass er den "Stoff" kurz vorher zum Eigenkonsum von einem nicht näher bekannten Russen namens "Alex" zum Grammpreis von 10 Euro erworben habe.

Nicht allein Erwerb und Eigenkonsum des Marihuanas wurden dem Angeklagten vorgehalten, sondern der schwererwiegende Vorwurf, dass die beiden jungen Damen noch minderjährig, also unter 18 Jahren, waren. Die Anklage lautete also auch auf "vorsätzliche unerlaubte Verbrauchsüberlassung an zwei Personen unter 18 Jahren." Im Strafgesetzbuch heißt es, dass mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft wird, wer als Erwachsener Betäubungsmittel Personen unter 18 Jahren zum unmittelbaren Gebrauch überlässt. In minder schweren Fällen beträgt die Freiheitsstrafe mindestens drei Monate.

Obwohl der Angeklagte bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war und die vorgefundenen Mengen an Marihuana relativ gering waren, plädierte der Vertreter der Anklage für eine "schon spürbare" Strafe, räumte aber ein, dass es sich um einen minder schweren Fall der "Verbrauchsüberlassung" handle.

Das Gericht folgte dieser Einlassung. Sowohl das uneingeschränkte Geständnis des Angeklagten, seine erkennbare Reue, die "Abgabe beziehungsweise Überlassung im privaten Bereich" ohne Gefahr für die Allgemeinheit, die durchaus positive Sozialprognose und dessen bisheriges, einwandfreies Vorleben sprachen zu dessen Gunsten. Auch der Umstand, dass die Besucherinnen "drogenerfahren" waren und der Angeklagte "lediglich als Kavalier" den Wunsch der Damen nicht abschlagen wollte, berücksichtigte das Gericht. Und so lautete das Urteil: sechs Monate Freiheitsstrafe, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, sowie eine Geldbuße von 2000 Euro, die in monatlichen Raten an eine soziale Einrichtung zu zahlen ist. Ferner wurden dem Verurteilten Bewährungsauflagen für Drogendelikte auferlegt.

je/Oberbayerisches Volksblatt

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