Kindergarten-Planung fällt wieder durch

Übersee - Die Planung des Kindergarten-Neubaus wurde bereits Anfang Juni wegen der umstrittenen Architektur und zu hoher Kosten verworfen. Jetzt fand auch eine finanziell nur geringfügig abgespeckte neue Planung keine Zustimmung.

"Gute Entscheidungen müssen reifen", lautete nach 90 Minuten das Fazit von Bürgermeister Marc Nitschke. Er soll nun weitere Verhandlungen führen.

Schon beim ersten Mal hatte sich Architekt Martin Hirner vom gleichnamigen Büro in München Kritik gefallen lassen müssen. Die Geister schieden sich bereits am Bau mit seinen treppenartig versetzten, aneinander gereihten Gebäuden und seiner verschachtelten Dachkonstruktion. Die Meinungen der Räte reichten seinerzeit von "super" über "gewöhnungsbedürftig" bis "indiskutabel".

Das größte Haar in der Suppe sah das Gremium jedoch in den zu hohen Kosten von etwa 2,044 Millionen Euro. Enthalten war darin die energiesparende Passivbauweise, die mit zehn bis 15 Prozent Mehrkosten zu Buche schlug.

Die Kommune, die nach den damaligen Worten des Bürgermeisters mit den beiden Unterführungen schon außergewöhnlich belastet sei, habe sich ein Limit von etwa 1,2 Millionen setzen müssen.

Bei der jetzt überarbeiteten Planung hatte der Architekt keine Änderungen am Gebäude vorgenommen. Lediglich die Kosten waren um Einsparungen beim Abbruch, den Außenanlagen und der Geräteausstattung um 81.500 auf 1,963 Millionen Euro reduziert worden.

In dieser Summe enthalten sind wiederum die Mehrkosten für ein Passivhaus von 129.000 Euro, das bei einem durchschnittlichen Energiepreis rund 3220 Euro jährlich an Heizkosten sparen soll. Architektin Ursula Gonsior vom Baureferat des Erzbischöflichen Ordinariats München verteidigte die Beibehaltung des Passivhauses. Sie verwies auf eine Vereinbarung zwischen der Staatsregierung und dem Bistum, wonach künftig energetisch zu bauen sei.

Auch diesmal waren die Meinungen der Räte höchst unterschiedlich. Ebenso wie Wolfgang Schustek (Freie Bürgerliste, FBL), akzeptierte auch Wolfgang Hofmann (Bayernpartei) das Gesamtkonzept. "Das Passivhaus ist zukunftsweisend und entspricht den Vorgaben der Gemeinde für nachhaltiges Handeln." Auch Dieter Schöneburg (SPD) bejahte die Kosten im Sinne der Nachhaltigkeit. Im Übrigen fand er die Planung "bärig" und war sich sicher, dass sich die Kinder dort wohl fühlen werden. Das brachte auch Erika Stefanutti zum Ausdruck, die dazu animierte, "den märchenhaften und kuscheligen Bau" mit Kinderaugen zu sehen.

"Baustil völlig indiskutabel"

Völlig entgegengesetzter Meinung war Franz Gnadl (SPD), der den Baustil als zu städtisch und für Übersee "völlig indiskutabel" nannte.

Hirner räumte zwar ein, dass Architektur immer auch eine Geschmacksfrage sei, "aber wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert". Er schreibe die Tradition und den Charakter des Ortes mit seinen kleinen Strukturen in moderner Form im Bau fort.

Unbeeindruckt davon blieb Paul Reichl (CSU), der nach Planungsalternativen verlangte, etwa in konventioneller Bauweise. Ähnlich argumentierte Oliver Engels (CSU).

Michael Rudroff (FBL), der die Planung in Ordnung fand, gab zu bedenken, dass eine zweite Planung auch wieder Geld kosten würde. Die Kirchenvertreterin reagierte etwas hilflos: "Ein Wettbewerb bei so kleinen Bauten ist nicht üblich."

"Ich habe mit den zwei Millionen meine Probleme, denn diese Summe gibt unser Haushalt einfach nicht her", sprach Hans Schönberger (FBL) den wichtigsten Punkt an. Als Gegenbeispiel nannte er den bestehenden gemeindlichen Kindergarten im Zellerpark, "der auch seinen Zweck erfüllt und wesentlich billiger war".

Engels waren besonders die Mehrkosten von 129.000 Euro für die Passivbauweise ein Dorn im Auge: "Das amortisiert sich erst in 40 Jahren und rentiert sich deshalb unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht."

Die beiden Architekten führten gegen diese Argumente den Umweltgedanken und mögliche unvorhersehbare Erhöhungen der Energiekosten ins Feld. Abgesehen davon zeigte sich Gonsior ratlos: "Ich weiß nicht, wo man noch sparen sollte." Den Hinweis von Alois Huber (CSU) auf die hohen Honorarkosten beantwortete sie mit Belehrungen über satzungsgemäße Rahmenbedingungen.

"Wir drehen uns im Kreis", befand Bürgermeister Nitschke, ehe Leo Segin (CSU) den logischen Kompromissvorschlag machte: "Entweder wir bekommen einen alternativen Planungsvorschlag oder das Ordinariat beteiligt sich in höherem Maße." Auch Reichl fand es an der Zeit, "dass die Kirche uns finanziell entgegenkommt".

Schließlich beendete der Gemeindechef die Diskussion: "Wir können jetzt nichts mit heißer Nadel stricken, dazu ist das Projekt zu groß. Vielleicht bringen neue Verhandlungen eine Lösung."

Schließlich legte sich der Rat einstimmig auf den grundsätzlichen Neubau eines Kindergartens fest. Hinsichtlich der Passivbauweise und einer Gestaltungsalternative soll der Bürgermeister neue Gespräche mit dem Ordinariat führen.

Wie zu hören war, sei eine Entscheidung noch vor den Sommerferien angestrebt.

vd/Chiemgau-Zeitung

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