Klinik Roseneck: Fast 20 Millionen für Neubau

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Prien – Die Schön-Gruppe will an die 20 Millionen Euro investieren, um das Haus B ihrer Klinik Roseneck nördlich der Seestraße neu zu bauen. Gebaut werden soll ab Herbst 2012.

Nach langen Vorgesprächen zur Gestaltung hat der Marktgemeinderat am Mittwochabend mit überwältigender Mehrheit dem Entwurf von Architekt Hans Romstätter aus Traunstein zugestimmt.

Die psychosomatische Klinik Roseneck war 1985 der Beginn der Entwicklung der Schön Kliniken, zu denen heute 15 Häuser in ganz Deutschland gehören. Einige Jahre nach der Eröffnung im Neubau südlich der Seestraße übernahm die Klinik das Gebäude jenseits der Seestraße, das als Appartementhaus errichtet worden war, und baute einen erdgeschossigen Pavillon für Therapieräume an.

20 Jahre später entspricht dieses Haus B nicht mehr den heutigen Anforderungen eines Klinikbetriebs, verwies Geschäftsführer Hubert Seitz gestern im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung unter anderem auf veraltete Technik in dem ohnehin nicht als Klinik gebauten Trakt und veränderte Bedürfnisse der Patienten, die heutzutage oftmals auch „viel kränker“ seien.

Eine Generalsanierung mit Entkernung wäre Seitz zufolge noch teurer gewesen als ein Neubau und zudem ein Stück weit „Flickwerk“ geblieben. Daher entschied sich die Schön-Gruppe, Haus B der Roseneck abzureißen und neu zu bauen.

Im Vorfeld der Entscheidung im Marktgemeinderat hatte es offenbar hinter den Kulissen wiederholt Gespräche zwischen Bürgermeister, Bauausschuss und Betreibern sowie einen Ortstermin gegeben. Seifert betonte, dass die Schön Gruppe von Anfang an das Gespräch gesucht habe, um eine Lösung zur beiderseitigen Zufriedenheit zu finden.

46 Meter lang und 28 Meter breit

Zur Debatte standen ursprünglich zwei alternative Entwürfe. Den Zuschlag bekam ein dreigeschossiger Bau, der sich 46 Meter lang an der Seestraße erstreckt und 28 Meter breit ist. Ein großer Innenhof sorgt dafür, dass auch die Patientenzimmer im Innern genug Licht haben.

Zimmer für 72 Patienten sollen im Neubau entstehen, etwa so viele wie im heutigen Haus B. Im Erdgeschoss werden zusätzlich zur Seestraße hin Therapieräume geschaffen. Abgerissen wird Seitz zufolge auch die relativ kleine Tiefgarage und durch einen neue mit rund 40 Stellplätzen ersetzt. Laut Stellplatzsatzung der Gemeinde wären rechnerisch 25 Parkplätze erforderlich.

Die Alternative zum genehmigten Entwurf wäre länger und höher geworden, erläuterte Bürgermeister Jürgen Seifert im Gemeinderat, warum man sich gerade aus ortsplanerischer Sicht auf die Variante mit Innenhof verständigt habe. Der Bau wird zudem etwas weiter weg von der Seestraße entstehen als der Bestand, sodass mehr Platz für Gehweg und Grünfläche geschaffen wird.

Die Fassade soll Romstätter zufolge „relativ schlicht“ gestaltet werden. Über einige Detailfragen ist zwar noch nicht das letzte Wort gesprochen, aber der Neubau könnte optisch etwa so aussehen wie die renovierte Zentrale der Schön-Verwaltung in der Seestraße, präzisierte Seitz.

Aufgelockert wird die Längsfront an beiden Seiten, zur Seestraße und zu den Gleisen der Chiemseebahn im Norden, durch Giebel.

Architekt und Geschäftsführung präsentierten im Marktgemeinderat nicht nur Computergrafiken mit Ansichten, sondern sogar einen Film, in dem die Fahrt auf der Seestraße in beiden Richtungen mit Blick auf den Neubau simuliert wurde. Das überzeugte Bürgermeister und 20 der 22 anwesenden Räte. Sie folgten der einstimmigen Empfehlung des Bauausschusses und genehmigten den Entwurf.

Über Geschmack wurde gestritten

Dass sich über Geschmack streiten lässt, wie es ein Sprichwort sagt, wurde in der Diskussion deutlich.

Felicitas Bauer (BfP) war „sehr unglücklich“ über den Entwurf, und ihrer Fraktionskollegin Dr. Claudia Trübsbach war er zu massiv. Beide stimmten aber dann doch für den Bauantrag, der alle rechtlichen Vorgaben einhält. Das Gebäude wird Romstätter zufolge sogar niedriger als der Wohnblock auf der anderen Seite der Seestraße.

Dr. Herbert Reuther (CSU) empfand im Gegenteil zu den beiden BfP-Rätinnen das heutige Haus B als „katastrophal“ und erwartet durch den Neubau einen optischen Gewinn. Auch Ella Pelzl (MDfP) ist sich sicher, dass die Seestraße gewinnen wird.

Anton Schlosser (CSU) forderte die Kritikerinnen auf, zugunsten des Klinikstandorts Prien als solches und seiner Bedeutung als Wirtschaftsfaktor zu votieren. „Man muss damit leben, und das kann man auch.“ Genauso argumentierte sein Fraktionskollege Andreas Neuer, der sich auch daran stieß, dass die Skeptiker nicht, wie die CSU und andere, im Vorfeld das Gespräch gesucht hätten, sondern stattdessen nun in öffentlicher Sitzung ihre Kritik anbrächten.

Mit 20 zu zwei Stimmen wurde der Bauantrag genehmigt, über den nun das Landratsamt noch endgültig zu befinden hat.

Baubeginn im Herbst 2012 geplant

Wie Seitz im Gespräch gestern erklärte, sollen die Arbeiten im Herbst nächsten Jahres, also erst nach der touristischen Hauptsaison beginnen. Bis zur Fertigstellung werden eineinhalb bis zwei Jahre vergehen. Patienten sollen in dieser Zeit in die Rosenheimer Klinik der Schön Gruppe ausgelagert werden, die derzeit generalsaniert werde. Nach Angaben des Geschäftsführers wird der Neubau „an die 20 Millionen Euro“ kosten.

db/Chiemgau-Zeitung

 

Rubriklistenbild: © dpa

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