Knapp an Katastrophe vorbei

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Am Reitbach half eine Sandsackbarriere, das Gewässer in seinem Bett zu halten.

Prien - Als das Wasser der Prien nur noch wenige Zentimeter unter der Brücke am neuen Kreisel durchschoss, begann der Pegel um 4 Uhr in der Nacht auf Donnerstag wieder zu sinken.

Bis zu 90 Feuerwehrmänner waren zeitweise im Einsatz, um Reitbach und Atzinger Bach in Zaum zu halten sowie Keller auszupumpen. 2300 Sandsäcke waren dazu nötig.

Lesen Sie auch:

Der Tag danach...

Aufatmen nach der Flut

Riesige Schäden durch Wetterchaos (mit Bildern und Videos)

Kein Scherz: Sommer kommt!

Beim Jahrhunderthochwasser im August 2002 war die Prien noch etwa 30 Zentimeter höher gestiegen als diesmal. Deshalb blieb in der Nacht auf Fronleinam die Katastrophe aus, auch, weil die Feuerwehr rechtzeitig Vorsorge getroffen und Sandsackbarrieren errichtet hatte.

2300 Sandsäcke füllten die Priener Feuerwehrler mit Unterstützung der Mitarbeiter des Bauhofs.

Bereits am Mittwochabend hatten 25 Aktive Wehrmänner begonnen, im gemeindlichen Bauhof mit ihrer Spezialmaschine, die nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 angeschafft worden war, in großen Mengen Sandsäcke zu füllen und sie an kritischen Stellen zu lagern.

Nach 20 Uhr musste die Straße Am Reitbach gesperrt werden, weil das meist harmlose Rinnsal trotz Sandsackbarrieren überlief. Der Parkplatz eines Autohauses lief voll, mehr passierte aber nicht.

Im Eichental war laut Kommandant Stefan Pfliegl in Abstimmung mit den Wehrbetreibern derweil der Mühlbach abgeriegelt worden. So hatte der Reitbach, der nahe der Eisenbahnbrücke der Chiemgau-Bahn in ihn mündet, genug Platz, um abzufließen.

In Atzing sorgte die örtliche Wehr mit 23 Mann und Priener Sandsäcken dafür, dass der Dorfbach keine größeren Schäden anrichtete. Auf Höhe des alten Feuerwehrhauss lief er zeitweise 30 Zentimeter hoch über die Straße, weil die Durchlässe überfordert waren. Drei Keller musste die örtliche Wehr leer pumpen.

In Prien waren derweil die Wehren aus Pietzing und Söllhuben mit 28 Mann und vier Fahrzeugen eingetroffen, um zu helfen.

Bis zum gestrigen Vormittag liefen zehn Keller von Wohnhäusern voll, die von den Wehren ausgepumpt werden mussten. Wie viele Hausbesitzer mit eigenen Pumpen ihre Keller trocken legten, ist nicht bekannt. Fast in allen Fällen war der hohe Grundwasserspiegel die Ursache dafür, dass Wasser in die Häuser eindrang.

In den frühen Morgenstunden mussten die Prienbrücken am Kreisel und ins Gries zeitweise gesperrt werden, weil dort zwei Bagger zum Einsatz kamen. Sie drückten dicke Baumstämme, die der Wildbach angespült hatte, unter den Bauwerken durch und hoben einige aus dem Wasser, um so zu verhindern, dass sich die Prien dort aufstaut und über die Ufer tritt - mit Erfolg.

Der Wildbach stieg bis auf 3,90 Meter, um ab 4 Uhr langsam wieder zu sinken. Weiter flussabwärts hatte die Rimstinger Wehr derweil vorsorglich ihre mobilen Barrieren aufgebaut, um die Sportanlage in Westernach zu schützen (siehe nächste Seite).

Während ein Teil der Floriansjünger mit bis zu zehn Fahrzeugen unterwegs war, um Sandsäcke aufzuschichten, Keller leer zu pumpen und Brücken vorsorglich laufend zu kontrollieren, füllten andere im Bauhof weitere Säcke. Am Ende waren es 2300.

Sandsäcke gestern nach Kolbermoor

Allein 600 davon wurden eigens für die Stadt Kolbermoor vorbereitet und samt aller anderen, die hier nicht mehr gebraucht wurden, mit Lkw dorthin transportiert, weil die Lage an der Mangfall gestern Vormittag immer prekärer wurde (siehe Bericht im Regionalteil).

Dass die Situation auch in Prien ernst war, lässt sich auch daran erkennen, dass Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer und Vertreter des Landratsamtes in der Nacht auf Donnerstag in Prien waren.

Am Ende kam der Ort mit einem blauen Auge davon. Ein gutes Zeugnis stellte Kommandant Pfliegl gestern Vormittag im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung der Hochwasserverbauung aus, die seit der Katastrophe 2002 neu errichtet worden war.

Unter anderem hatten Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und Gemeinde gemeinsam seitdem Teilstücke der Ufermauern oberhalb der Prienbrücke am neuen Kreisel und am Friedhof saniert und erhöht, die Fußgängerbrücke zwischen Gries und Friedhof erneuert, Dämme in Neugarten und Westernach aufgestockt sowie zusätzliche Retentionsräume geschaffen. "Das hat sich bewährt", bilanzierte Kommandant Pfliegl.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser