"Können Ansprüchen Genüge tun"

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Prien - An den bayerischen Mittelschulen fehlen über 1000 Lehrer. Vor den Sommerferien schreckte diese Meldung auf. In Prien stellt sich die Lage zwei Monate später entspannt dar.

"Wir können unseren Ansprüchen Genüge tun", sagte Rektor Hans-Joachim Reuter im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Mit 31 Lehrerinnen und 19 Lehrern können alle Stunden abgedeckt werden, allerdings nicht der komplette (freiwillige) Wahlunterricht, wie der neue Konrektor Marcus Hübl einschränkt. Vor allem in Informatik und Buchführung ist die Nachfrage größer als das Angebot, das die Schule auf der Grundlage der Lehrerstunden anbieten kann, die wiederum nach einem festen Schlüssel errechnet werden, den das Kultusministerium festlegt. Im Juli war die Rechengrundlage von 1,8 Lehrerstunden pro Schüler um einen Zehntelpunkt herabgesetzt worden, was nach Reuters Rechnung für Prien nur mehr 808 Lehrerstunden, 44 weniger als vorher, bedeutet hätte.

Dazu kommen 60 Ganztagsstunden aus einem anderen Topf, macht zusammen - rein rechnerisch - 868. Bewilligt worden sind der Franziska-Hager-Mittelschule (FHM) am Ende 873 Stunden. Genug für die Pflicht, nicht unbedingt ausreichend für die Kür, also Wahlunterricht und ähnliche Angebote. Abgemindert wird der Mangel, den Hübl vor allem für den sportlichen und musischen Bereich ausmacht, durch die Öffnung von Kursangeboten für Ganztagsschüler für sogenannte Regelschüler, also solche, die "nur" vormittags die Schulbank drücken. Andere Zuckerl wie die Schulband können erhalten werden, weil sich Lehrer zum Teil in ihrer Freizeit darum kümmern.

Bereits im dritten Jahr hat die FHM durchgehend von der fünften bis zur achten Jahrgangsstufe eine gebundene, also über das ganze Schuljahr verpflichtende Ganztagsklasse mit jeweils höchstens 24 Schülern. Von der Siebten bis zur Zehnten wiederum ist der M-Zug (mittlere Reife) etabliert. Beides waren seinerzeit Pluspunkte dafür, dass Prien eine der ersten Mittelschulen im Landkreis überhaupt bekam.

Insgesamt hat sie heuer 477 Schüler in 21 Klassen. Der deutlich stärkste Jahrgang ist die Neunte mit 117 Schülern, darunter auch die Praxisklasse für Lernschwächere. 70 Neuzugänge verteilen sich auf drei fünfte Eingangsklassen.

Jahresmotto zum Thema "digitale Medien"

Neu ist auch, dass sich die FHM einem Jahresmotto verschreibt. Die "digitalen Medien" sollen bis Sommer 2013 in unterschiedlicher Form bearbeitet werden. Aufklärung und Sensibilisierung stehen im Vordergrund. Mehrere Projekte sollen Hand in Hand mit den beiden Schulsozialarbeiterinnen Maren Welkener und Katharina Königbauer auf die Beine gestellt werden. Auftakt wird ein Vortrag nur für Eltern am Dienstag, 16. Oktober, sein. Ein bekannter Experte aus München stellt seine Ausführungen unter den provokanten Titel "Nur ein Mausklick bis zum Grauen".

Mittagessen 40 Cent teurer

Nur etwas mehr als einen Steinwurf weit weg von der FHM hat der neue Kooperationspartner seine Außenstelle auf dem Kursaal-Parkplatz: die staatliche Realschule. Wie genau die Zusammenarbeit ausschauen wird, muss sich in den nächsten Monaten noch entwickeln. Beschlossene Sachen sind laut Reuter und Hübl sportliche Arbeitsgemeinschaften in Hockey und Fußball. Und mit Beginn des Schuljahrs bieten Mittel- und Realschulen gemeinsam eine offene Ganztagsbetreuung an. Die Diakonie liefert dafür das Mittagessen, die Arbeiterwohlfahrt kümmert sich um die Betreuung der Schüler. Von der FHM werden Reuter zufolge etwa 50 Kinder dieses Angebot wahrnehmen, die meisten allerdings nur an einzelnen Tagen. Es ist mit Ausnahme des Mittagessens kostenlos. Dessen Preis wiederum musste um 40 Cent auf 3,90 Euro angehoben werden.

Gemäß der schuleigenen Leitlinie "Kein Schüler verlässt unsere Schule ohne eine berufliche Perspektive" wird auch heuer ein Hauptaugenmerk von Schulleitung, Kollegium und Schulsozialarbeiterinnen auf der Berufsorientierung liegen. Praktika, Beratungstage, Bewerbungstraining und andere Angebote gehören schon lange zum festen Jahresprogramm der FHM. Im Informatikbereich können die jungen Leute dabei jetzt mit moderner Technik arbeiten. Beide Computerräume wurden Reuter zufolge für rund 50000 Euro komplett mit 38 neuen Rechnern ausgestattet. Auf der Wunschliste des Rektors steht jetzt die noch ausstehende Renovierung von Böden und Decken einer der beiden Schulküchen ganz oben.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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