Kormoran bleibt Ärgernis für Fischer

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Bei strömendem Regen begingen die Berufsfischer ihren Jahrtag auf der Fraueninsel. Vorsitzender Thomas Lex gedachte am Kriegerdenkmal der Toten.

Fraueninsel - Der Kormoran ist und bleibt den Berufsfischern am Chiemsee ein Dorn im Auge. Die Ausweitung der Abschussmöglichkeiten des fischfressenden Vogels halten sie für nicht ausreichend.

In Sachen Kormoran habe sich in diesem Jahr für die Fischer wenig getan, sagte Thomas Lex, der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Chiemsee, in der Jahreshauptversammlung im Hotel "Linde" auf der Fraueninsel. Der erhoffte Durchbruch sei ausgeblieben.

Nach dem Landtagsbeschluss im Mai 2009, der einer erweiterten Bejagung ausdrücklich auch in Schutzgebieten Hoffnung gemacht habe, so Lex, habe sich ein halbes Jahr gar nichts gerührt. Nach endlosen Gesprächsrunden sei für die Chiemseefischer im Rahmen der Umsetzung zur Beschwichtigung ein Zuckerl, der Abschuss vom Boot am Netz, übrig geblieben. Maßnahmen im Brutgebiet der Tiroler Ache seien nicht einmal in Erwägung gezogen worden, erklärte der Vorsitzende.

Das große Problem für die heimische Fischfauna durch diese chinesische Vogelart sei weder erkannt noch ansatzweise gelöst worden, betonte Lex. Der Vorsitzende schlug vor, es sollte darüber nachgedacht werden, gemeinsam mit den Angelfischern eine groß angelegte Demonstration zu organisieren.

Gegenüber 2008 haben die Berufsfischer ihren Gesamtfang im vergangenen Jahr laut Lex um zwölf Prozent auf fast 100.000 Kilogramm - und damit auf 12,3 Kilogramm pro Hektar Wasserfläche - gesteigert. Allein an Renken seien über 70.000 Kilogramm in die Netze gegangen. Dieser Fisch habe nach wie vor die "größte fischereiliche Bedeutung", betonte der Vorsitzende.

Der gute Bestand auch an großen Renken gebe den Fischern die Hoffnung, dass ihnen 2010 ein ähnlich gutes Renkenjahr wie das vergangene bescheren werde.

1300 Liter Renkenlaich - über 100 Millionen Renkeneier - seien Ende des Jahres in die genossenschaftseigene Brutanstalt eingebracht worden. Im Frühjahr konnten dann laut Lex 78 Millionen Brütlinge im See verteilt werden. Davon seien 2,5 Millionen von den Fischern in den schwimmenden Netzkäfigen auf eine Länge von einigen Zentimeter großgezogen und dann in den Chiemsee entlassen worden.

Als erfreulich nannte Lex auch die breite Fächerung der Altersstruktur. Alle Renken-Jahrgänge seien gut vertreten. Ein gutes Planktonwachstum im Juni habe einen Wachstumsschub der Renken ergeben. Die Fischer hätten ihre Netzmaschenweiten wieder vergrößern können.

Die Genossenschaft lege großen Wert darauf, so der Vorsitzende weiter, den Fischbestand zu erhalten und möglichst zu vermehren. Ebenfalls aus eigener Erbrütung konnten laut Lex 3,5 Millionen Hechtbrütlinge in den Chiemsee eingesetzt werden. Angekauft worden seien von Züchtern Fische wie Zander, Hechte, Glasaale und Seeforellen im Wert von fast 50.000 Euro. Den Gesamtwert des Jungfischbesatzes bezifferte Lex auf rund 35.0000 Euro. "Wir hoffen, dass es nicht nur Vogelfutter für den 'Vogel des Jahres 2010', den Kormoran, war", sagte Lex.

Zufriedenstellend sei der Fangerfolg der Angler gewesen, so Lex, der ein gutes Verhältnis zu diesen Vereinen hervorhob. Leider habe die Genossenschaft die Preise für die 1100 ausgegebenen Angelscheine um 19 Prozent erhöhen müssen, weil das Finanzamt rückwirkend ab 2008 den vollen Mehrwertsteuersatz verlangt habe.

Lex forderte, den Berufsstand der Fischer weiterhin zu erhalten. "Wenn es einmal keine Berufsfischerei mehr am Chiemsee gibt, ist unsere bayerische Kulturlandschaft ein großes Stück ärmer."

Bei strömendem Regen hatte der Fischerjahrtag traditionsgemäß mit einem Gottesdienst für die verstorbenen und gefallenen Fischersöhne im Münster begonnen. Ein Kirchenzug mit Inselkurat Dr. Lothar Katz und der Fischerstandarte führte anschließend zum Kriegerdenkmal unter den Linden. Vorsitzender Lex legte zu Ehren der Toten einen Kranz am Denkmal nieder.

Mit den Klängen der Musikkapelle Prien ging es zur Fischerversammlung im Hotel "Linde".

th/Chiemgau-Zeitung

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