Wie geht es weiter?

Keine Grundversorgung mehr im Krankenhaus Prien? Das sagt der Romed-Geschäftsführer dazu

An diesem Hang oberhalb der Notaufnahme, zwischen Harrasser Straße und Haupteingang der Klinik, könnte ein neuer Funktionstrakt entstehen. Berger
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An diesem Hang oberhalb der Notaufnahme, zwischen Harrasser Straße und Haupteingang der Klinik, könnte ein neuer Funktionstrakt entstehen. Berger

Die Romed-Kliniken verlegen immer mehr orthopädische Operationen von ihren anderen Standorten nach Prien. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen hat der Geschäftsführer der Gruppe die Gründe erläutert und auch Gerüchten widersprochen, dass die Grund- und Regelversorgung am Standort Prien infrage stehe.

Prien/Rosenheim – Die Gerüchteküche brodelt rund ums Priener Krankenhaus. Politiker und Bürger im Umfeld treibt die Sorge um, dass die Grund- und Regelversorgung am Standort Prien auf dem Spiel steht. Der Geschäftsführer der Romed-Gruppe, Dr. Jens Deerberg-Wittram, trat diesen Spekulationen entgegen und versicherte auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass die Grundversorgung bestehen bleibe.

Der Geschäftsführer der Romed-Kliniken, Dr. med. Jens Deerberg-Wittram, versichert, dass die Grund- und Regelversorgung in Prien bestehen bleibt. Romed

Auslöser der Gerüchtewelle war wohl der Umstand, dass die Romed-Gruppe für Prien einen Vertrag mit einer externen Anästhesie-Praxis abgeschlossen hat. Dieser Zusammenschluss von Fachärzten, der als Anästhesie Center Chiemgau mit Sitz in Rosenheim firmiert, soll mittelfristig die hauseigene Anästhesie mit übernehmen, wenn deren Chefarzt Dr. Stefan Czarnecki in Ruhestand geht. Die Präsenz der Anästhesisten auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen durch Bereitschaftsdienste sei Bestandteil des Vertrags, betont Deerberg-Wittram, dass die Bürger im Einzugsbetreich der Klinik keine Einschränkungen befürchten müssten.

Auch an der Notaufnahme soll nicht gerüttelt werden. Der Geschäftsführer bekräftigt diese Ausgabe neben den medizinischen auch mit einem wirtschaftlichen Argument. Zwei Drittel der stationären Patienten kämen nämlich über die Notaufnahme in Haus.

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Orthopädie wird weiter ausgebaut

Allerdings macht der Geschäftsführer kein Hehl daraus, dass sich die fachlichen Schwerpunkte am Standort Prien in den nächsten Jahren weiter verschieben. Das Haus am Chiemseeufer soll im Romed-Verbund die Spezialklinik für Orthopädie werden. Alle planbaren Eingriffe im Zusammenhang mit dem menschlichen Bewegungsapparat sollen in Prien konzentriert werden. Dieser Prozess sei schon vor Jahren in die Wege geleitet worden, als der Chefarztposten für Orthopädie in Rosenheim nach einer Pensionierung nicht nachbesetzt worden sei.

Stattdessen seien mehr Eingriffe nach Prien verlagert worden, so der Geschäftsführer. In der Marktgemeinde stünden mit Andreas Unsin, Marcus Nowotny und Dr. Martin Primbs bereits ausgewiesene Experten zur Verfügung. Die beiden letzteren betreiben auch eine chirurgische Gemeinschaftspraxis in Traunstein, in der sie unter anderem Endoprothetik (Hüft- und Kniegelenksersatz) sowie Arthroskopie von Schulter Knie und Sprunggelenk als Behandlungsschwerpunkte haben. Unsin betreibt seine Hauptpraxis für operative und konservative Orthopädie in Brannenburg.

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Für die Konzentration auf planbare operative Behandlungen des Bewegungsapparats braucht die Romed-Klinik Prien zusätzliche Kapazitäten. Engpässe gibt es laut Deerberg-Wittram weniger bei den Patientenbetten, sondern vielmehr bei den Operationssälen (OPs).

Das sei der Hintergrund, warum die Romed-Gruppe die Verträge mit mehreren Belegärzten in Prien gekündigt habe. Betroffen sind nach Angaben des Geschäftsführers Augenärzte, HNO-Ärzte, ein Gynäkologe und Urologen. Diese Fachärzte hätten ohnehin nur tageweise die Ressourcen der Klinik genutzt, erklärt Deerberg-Wittram. Ihm ist aber auch klar, dass solche Veränderungen auf Widerstand stoßen. „Mit einer solchen Entscheidung macht man sich keine Freunde“, weiß er.

Sorgen aus dem Kreis der Mitarbeiter, dass mit den strukturellen Änderungen ein Personalabbau verbunden sein könnte, möchte er zerstreuen. „Wir brauchen alle, die da sind, und noch mehr“, deutet er sogar an, dass sich die Mitarbeiterzahl in den nächsten Jahren erhöhen könnte. „Es wird zu einem signifikanten Wachstum kommen“, sagt er voraus und nährt einen Optimismus unter anderem an der demographischen Entwicklung der Bevölkerung und deren wachsendem Drang nach Mobilität.

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Die heutigen Schwerpunkte des Priener Krankenhauses stünden erstmal nicht zur Disposition. Innere Medizin und Chirurgie sind von jeher die Schwerpunktabteilungen.

Um die OP-Kapazitäten zu erhöhen, müssen nicht nur Belegärzte weichen. Auch der sogenannte Funktionstrakt mitten im Klinik-Komplex soll Deerberg-Wittram zufolge bis 2025 durch einen Neubau ersetzt werden. Als die Klinik in den 2010er Jahren modernisiert wurde, wurden zwei alte Bettenhäuser aus den 1960er Jahren abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Der Funktionstrakt aus den 1980er Jahren ist seitdem das älteste Gebäude des Klinik-Komplexes.

Neubau-Pläne noch sehr vage

Die Pläne für einen Neubau sind allerdings noch sehr vage. Erste Überlegungen konzentrierten sich auf einen Bau auf dem Parkplatz des Gesundheitszentrums, des nördlichen Trakts. Das GHZ hatte der Landkreis Rosenheim vor gut zehn Jahren aber ohne staatliche Förderung gebaut, deshalb hätte es auch diesmal keine Zuschüsse gegeben.

Bis 2025 soll ein Ersatzbau für den alten Funktionstrakt aus den 1980er Jahren stehen. Berger

Derzeit werden nach Angaben des Geschäftsführers Varianten auf dem freien Hanggrundstück zwischen Harraser Straße und Notaufnahme geprüft. Das ist allerdings eine architektonische Herausforderung, wenn man den Patienten im neuen Südbettenhaus nicht die Aussicht versperren möchte. „Wir wollen möglichst eine Interimslösung vermeiden“, betont Deerberg-Wittram, dass möglichst nicht der alte Trakt abgerissen werden soll, um an seiner Stelle neu zu bauen.

Die Romed-Klinik Prien steht in ihrer heutigen Form seit Anfang 2017. Damals wurde der letzte von drei Bauabschnitten der Rundum-Erneuerung in Betrieb genommen. Über zehn Jahre waren ein Gesundheitszentrum mit ambulanten OPs und Belegpraxen, ein See- und schließlich ein Südbettenhaus für zusammen rund 50 Millionen Euro entstanden. Mit dem letzten Bauabschnitt konnte unter anderem auch eine zentrale, moderne Notaufnahme ihren Betrieb aufnehmen.

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Viel Geld für den Erhalt der Klinik

Priens Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) erwartet eine klare Aussage von Rosenheims Landrat Otto Lederer zum Krankenhausstandort Prien. Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen schrieb Friedrich:

„Ich habe bereits seit Sommer Kenntnis von den Umstrukturierungsplänen und auch von den Gerüchten, dass dadurch die Akut- und Regelversorgung am Klinikstandort Prien gefährdet sein könnte. Ich habe mich in dieser Angelegenheit an den Landrat gewandt und ihn um ein klares Bekenntnis zum Klinikstandort Prien und um eine Aussage zum dauerhaften Erhalt der Notaufnahme, der Inneren und der Allgemeinchirurgie gebeten. Ein Verlust dieser Einrichtungen wäre in meinen Augen ein herber Verlust für die gesamte Chiemseeregion.“

Rosenheims Landrat Otto Lederer ist nach Auskunft seines Pressesprechers derzeit in Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das sagt Bernaus Bürgermeisterin

Auch Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) pocht, wie Friedrich, auf den Erhalt der Grundversorgung: „Mir ist wichtig, dass vor allem die Notfallversorgung der Bevölkerung rund um Prien aufrecht erhalten wird. Der kurze Weg ins Priener Krankenhaus ist von Bernau aus ein absoluter Gewinn und das Krankenhaus mit seiner Notfallversorgung ist ein absolut wichtiges Standbein für die ganze Region.“

Rimstings Bürgermeister Andreas Fenzl macht sich ebenfalls für einen Erhalt der medizinischen Versorgung im bekannten Umfang stark:

„Ich glaube, dass es für die ganze Chiemseeregion sehr wichtig ist, dass die angebotenen medizinischen Leistungen in der Romed Klinik Prien erhalten bleiben.

Dr. Felix Jahn, Dr. Florian Krug und Dr. Bernhard Hofstetter bilden das künftige Chefarzt-Trio der Anästhesie an der Romed-Klinik. Bis zum Frühjahr 2022 teilen sie sich die Arbeit mit dem jetzigen Chef, Dr. Stefan Czarnecki, der dann in Ruhestand gehen wird.

Wie die Romed-Geschäftsführung betont auch Dr. Jahn für die neuen Anästhesisten, dass der Fortbestand der Grund- und Regelversorgung der Klinik gesichert sei. Jahn hob stellvertretend im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen hervor, dass ihm die Priener Klinik auch persönlich am Herzen liege. Als Notarzt des BRK-Stützpunkts Grassau habe er immer schon viele Patienten nach Prien gebracht. Der Obmann des Notarzt-Teams Achental stammt aus Marquartstin und hat seine ärztliche Laufbahn unter dem damaligen Chefarzt der Inneren Medizin in Prien, Dr. Hans-Rainer Hannemann, begonnen.

Die Anästhesie-Dienste werde sich in Zukunft ein Team aus bereits angestellten und neu hinzukommenden Fachärzten teilen, so Dr. Jahn.

50 Millionen Euro für Erneuerung

Die Romed-Klinik Prien steht in ihrer heutigen Form seit Anfang 2017. Damals wurde der letzte von drei Bauabschnitten der Rundum-Erneuerung in Betrieb genommen. Über zehn Jahre waren ein Gesundheitszentrum mit ambulanten OPs und Belegpraxen, ein See- und ein Südbettenhaus für rund 50 Millionen Euro entstanden. Mit dem letzten Bauabschnitt konnte unter anderem auch eine zentrale, moderne Notaufnahme ihren Betrieb aufnehmen.

Neues Chefarztmodell

Dr. Felix Jahn, Dr. Florian Krug und Dr. Bernhard Hofstetter bilden ab sofort das künftige Chefarzt-Trio der Anästhesie an der Romed-Klinik. Bis zum Frühjahr 2022 teilen sie sich die Arbeit mit dem jetzigen Chef, Dr. Stefan Czarnecki, der dann in Ruhestand gehen wird.

Wie die Romed-Geschäftsführung betont auch Dr. Jahn für die neuen Anästhesisten, dass der Fortbestand der Grund- und Regelversorgung der Klinik gesichert sei. Jahn hob stellvertretend im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung hervor, dass ihm die Priener Klinik auch persönlich am Herzen liege. Als Notarzt des BRK-Stützpunkts Grassau habe er immer schon viele Patienten nach Prien gebracht. Der Obmann des Notarzt-Teams Achental stammt aus Marquartstin und hat seine ärztliche Laufbahn unter dem damaligen Chefarzt der Inneren Medizin in Prien, Dr. Hans-Rainer Hannemann, begonnen.

Die Anästhesie-Dienste werde sich in Zukunft ein Team aus bereits angestellten und neu hinzukommenden Fachärzten teilen, so Dr. Jahn.

Friedrich fordert Bekenntnis vom Landrat

Priens Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) erwartet eine klare Aussage von Rosenheims Landrat Otto Lederer zum Krankenhausstandort Prien. Auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung schrieb Friedrich:

„Ich habe bereits seit Sommer Kenntnis von den Umstrukturierungsplänen und auch von den Gerüchten, dass dadurch die Akut- und Regelversorgung am Klinikstandort Prien gefährdet sein könnte. Ich habe mich in dieser Angelegenheit an den Landrat gewandt und ihn um ein klares Bekenntnis zum Klinikstandort Prien und um eine Aussage zum dauerhaften Erhalt der Notaufnahme, der Inneren und der Allgemeinchirurgie gebeten. Ein Verlust dieser Einrichtungen wäre in meinen Augen ein herber Verlust für die gesamte Chiemseeregion.“

Rosenheims Landrat Otto Lederer ist nach Auskunft seines Pressesprechers derzeit in Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) pocht, wie Friedrich, auf den Erhalt der Grundversorgung: „Mir ist wichtig, dass vor allem die Notfallversorgung der Bevölkerung rund um Prien aufrecht erhalten wird. Der kurze Weg ins Priener Krankenhaus ist von Bernau aus ein absoluter Gewinn und das Krankenhaus mit seiner Notfallversorgung ist ein absolut wichtiges Standbein für die ganze Region.“

Rimstings Bürgermeister Andreas Fenzl macht sich ebenfalls für einen Erhalt der medizinischen Versorgung im bekannten Umfang stark:

„Ich glaube, dass es für die ganze Chiemseeregion sehr wichtig ist, dass die angebotenen medizinischen Leistungen in der Romed Klinik Prien erhalten bleiben.“

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