Kreisel statt Kreuzung erwünscht

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Nur zu Demonstrationszwecken kam heuer ein Kinderfahrrad auf dem Verkehrsübungsplatz vor der FranziskaHager-Schule unter die Räder eines Busses. In Wirklichkeit birgt aber der zunehmende Busverkehr tatsächlich Gefahren für die übenden Kinder.

Prien - Wenn die Schüler von der Franziska-Hager-Schule mit Polizisten auf dem Fahrrad trainieren, kommt ihnen oft der echte Verkehr in die Quere.

Vor über 30 Jahren entstand der Verkehrsübungsplatz. Damals gab es auf den wirklichen Straßen Kreuzungen, wo es heute Kreisel gibt, kombinierte Geh- und Radwege kannte man so gut wie gar nicht und zum Unterrichtsschluss mittags waren es vielleicht drei Busse, die vor der Franziska-Hager-Schule parkten, um die Mädchen und Buben nach Hause zu bringen.

Heute "platzt der Platz aus allen Nähten", berichtet Toni Schauer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung vom Ansturm der Busse und Pkw zum mittäglichen Unterrichtsschluss. Der Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion (PI) Prien muss seine Doppelstunden mit den Mädchen und Buben aus den vierten Klassen, die Bestandteil des Lehrplans sind, deshalb nicht selten vorzeitig beenden - aus Sicherheitsgründen muss die Sicherheitsschulung also gekürzt werden.

Ein Großteil des asphaltierten Platzes zwischen der Buseinfahrt an der Jensenstraße - der kleinere Teil des Areals ist von jeher für Schulbusse vorgesehen - und der Ausfahrt nahe der Fußgängerampel vor der Schule ist mit aufgemalten Linien als Übungsplatz für die Viertklassler markiert. In einer Holzhütte stapelt Schauer Fahrräder, Verkehrsschilder und andere Utensilien für den praktischen Unterricht. Auch dieses Lager ist zu klein geworden.

Die Realität hat das Gelände überholt, "es ist nicht mehr zeitgemäß", konstatiert Schauer, der dort mit Unterstützung von Kollegen an die 100 Stunden pro Schuljahr gibt. Etwa 350 Viertklassler aus Prien (Grund- und Waldorfschule sowie Förderzentrum), Wildenwart, Rimsting, Breitbrunn, Eggstätt, Bernau, Frasdorf und Aschau üben dort, um im echten Verkehr mit dem Radl sicher zurecht zu kommen.

Bürgermeister Jürgen Seifert unterstützte Schauers Anliegen, einen neuen Übungsplatz zu schaffen, der den heutigen Anforderungen gerecht wird. Er berichtete in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates von einem Ortstermin, bei dem prompt eine Schülerin in Gefahr geraten sei, als sie das Abbiegen mit dem Radl übte und von der anderen Seite eine Mutter mit ihrem Wagen auf den Platz fuhr, die ihr Kind zur Schule bringen wollte. Es blieb beim Schreck.

Schauers Vorschlag zielt darauf ab, den neuen Platz auf der Grünfläche zwischen dem alten und dem Pausenhof der Mittelschule zu schaffen. Das wäre kostengünstiger als eine Erneuerung auf der vorhandenen, komplett asphaltierten Fläche. Die Bäume könnten stehen bleiben und es müsste nur ein Teil der Wiese versiegelt werden, erläuterte Seifert in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates. Auch die Verlegung der Kabel einer Ampel, für die Schauer bereits einen Sponsor an der Hand habe, wäre dort kostengünstiger als im asphaltierten Bereich.

110000 bis 120000 Euro würde der Übungsplatz voraussichtlich kosten - inklusive neuer Ampel, Hütte und Räder. Die Bürgermeister aus dem Schulsprengel, aus deren Gemeinden die Viertklassler alle nach Prien zum Üben kommen, seien sich über die Notwendigkeit einig und einstimmig dafür, informierte Seifert.

Die Kosten sollen anteilig der Schülerzahlen aufgeteilt werden. Erste Nachbarkommunen wie Breitbrunn haben für ihre Anteile schon grünes Licht gegeben. In Prien, das rechnerisch 25000 Euro zahlen müsste, steht die Ampel nun sozusagen auf Gelb. Denn der Marktgemeinderat beauftragte die Verwaltung nach längerer Diskussion, zwei alternative Planungen zu erstellen und vorzulegen: je eine für die bisherige Grünfläche und den bisherigen Übungsplatz.

Die zusätzliche Versiegelung und Ideen aus der Bürgerwerkstatt zum Thema Schulwegsicherheit, die mit dem vorliegenden Vorschlag vielleicht räumlich kollidieren, waren zwei wesentliche Argumente, warum der Marktgemeinderat nicht sofort zustimmen wollte.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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