Erneuter Anlauf im Sommer geplant

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So sieht die Planung des Kreisels am Kirchplatz in Bad Endorf mit einem Durchmesser von 28 Metern und Überquerungshilfen für Fußgänger aus. Nachdem nun die Zuschüsse von 500000 Euro verfallen sind, will Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben im Sommer nochmals einen Vorstoß wagen. In der Grafik zeigt die Wasserburger Straße nach Norden, die Rosenheimer nach Westen und die Traunsteiner Straße nach Osten.

Bad Endorf - Hoch schlagen die Wogen derzeit beim Thema "Kreisel" am Kirchplatz in Bad Endorf. Wie berichtet, sollte dort ein Kreisel entstehen, doch nun wird fürs erste nichts draus.

Deshalb will Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben im Sommer noch einmal einen Anlauf nehmen. Aber auch die Gegner bleiben bei ihrem Nein, allen voran Marktgemeinderätin Bettina Scharold und CSU-Fraktionschef Wolfgang Kirner.

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"Der Kreisel wird nicht alle Verkehrsprobleme lösen, aber er kann nach Berechnungen der Fachleute den Verkehrsfluss in die Rosenheimer und Wasserburger Straße um rund 70 Prozent besser ableiten", so Unverdorben. Keine Verbesserung sei damit allerdings in der Bahnhofstraße zu erwarten. Der Bau des Kreisels sei der Einstieg in ein Gesamtverkehrskonzept, um die Situation in der Marktgemeinde zu verbessern, so die Bürgermeisterin. Der nächste Punkt werde das Thema "Schwerlastverkehr und Einschleifspur Traunsteiner Straße" sein, weitere Punkte die Bahnhofstraße und der innerörtliche Verkehr.

Gescheitert, so die Bürgermeisterin, sei die geplante Baumaßnahme hauptsächlich an einigen Grundstückseigentümern eines Anwesens in der Rosenheimer Straße. Knackpunkt: Die insgesamt 24 Eigentümer müssen der Abtretung von 22 Quadratmetern, der Verlegung ihrer Zufahrt nach Norden in die Wasserburger Straße und einer Umnutzung eines Streifens vor dem Haus in Parkplätze zustimmen. "Sonst ist der Kreisel mit 28 Metern Durchmesser nicht machbar", sagt die Bürgermeisterin.

Von den 24 Eigentümern hatten 16 bereits zugestimmt, weitere drei hätten sich gar nicht gerührt, fünf hätten ausdrücklich nicht zugestimmt, bedauert sie. Mehrfach habe sie seit Januar 2011 ins Rathaus zu Gesprächen eingeladen. Für den Grund hätte die Gemeindeverwaltung 13 Euro pro Quadratmeter den Eigentümern geboten, weiterhin hätte sie zwei Stellplätze entlang der Nordseite des Hauses errichtet und drei bis vier Autostellplätze entlang der Rosenheimer Straße zur Benutzung zur Verfügung gestellt.

Doch ohne gültige Unterschriften der Anlieger unter den Notarvertrag sei das Bauvorhaben "Kreisel" zum Scheitern verurteilt, dann gehe auf lange Sicht nichts, befürchtet die Bürgermeisterin. Deshalb wolle sie notfalls zum rechtlich zulässigen Mittel der Enteignung greifen. Bereits in der letzten Gemeinderatssitzung wurde durch den Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans dafür der Weg geebnet.

"Fühlen uns an den Pranger gestellt"

Völlig an den "Pranger gestellt" fühlen sich nun einige der Grundeigentümer des Anwesens in der Rosenheimer Straße, die nicht unterschrieben haben. "Durch diesen Kreisel wird nichts verbessert", so eine Sprecherin. Außerdem empört sie sich über die Art und Weise, wie Vertreter der Marktgemeinde mit den Grundeigentümern verhandelt hätten. Es sei bei den Gesprächen, die alle einzeln geführt wurden, stets der Eindruck erweckt worden, dass bereits alle zugestimmt haben. Nur die eigene Unterschrift fehle noch. So sei ein enormer Druck aufgebaut worden.

Gegen den Kreisel argumentieren auch Bettina Scharold (CSU) und ihr Fraktionskollege Wolfgang Kirner. "Grundsätzlich finde ich einen Kreisel gut, nicht aber Kreisel und Ampel", so Scharold. Laut Planungskonzept soll der Kreisel die beiden Ampeln an der Wasserburger und Rosenheimer Straße schlucken, nicht aber die an der Traunsteiner Straße. Scharold: "Das geht gar nicht." Simulationen hätten gezeigt, dass Kreisel und kurz dahinter eine Ampel die Verkehrssituation verschlimmere statt verbessere. Passiere etwa ein Lkw den Kreisel und müsse an der roten Ampel halten, sei der Rückstau in den Kreisel gewaltig. Auch sogenannte "Einschleifspuren", wie sie vom Planer vorgesehen seien, "bringen nichts", glaubt Scharold. Diese Einschleifspuren lassen die Ampel sofort auf Grün springen, sodass der Linksabbiegerverkehr in die Traunsteiner Straße abfließe. "Aber das stoppt den gegenläufigen Verkehr in der Bahnhofstraße", kritisiert auch Wolfgang Kirner vehement das Konzept.

Ebenfalls schwierig gestalte sich der Linksabbiegerverkehr aus der Traunsteiner Straße in die Bahnhofstraße: "Ein, zwei Laster mit Anhänger, und alles ist dicht."

Deshalb lehnen die beiden CSU-Gemeinderäte die vorgelegte Planung für den Kreisel ab und fordern einen "erweiterten Kreisel", der auch die enge Situation an der Traunsteiner Straße miteinbezieht. Die Gespräche mit dem Eigentümer des Fickert-Hauses gegenüber dem Münchner Kindl sollten wieder aufgenommen werden, fordern sie. "Wir brauchen eine Gesamtplanung. Denn die Kosten von rund 700.000 Euro für den Kreisel dürfen nicht in den Sand gesetzt werden. Das wäre eine Verschwendung von Steuergeldern."

Scharold plädiert für einen Test: "Lasst uns für zwei Wochen die Ampeln an der Rosenheimer und Wasserburger Straße ausschalten und einen Kreisel simulieren. Dann haben wir eine konkrete Vorstellung, was er leisten kann."

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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