Kreuzottern kontra Inzeller Angebot

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Etwa im Bereich dieser Wiesen zwischen Postferiendorf und Bundesstraße soll der Golfpark entstehen. Fotos mergenthal

Inzell (CHZ) - Der Countdown für den Golfpark Inzell läuft: Zum Jahresende läuft die Bindungsfrist der bereits von den Landwirten unterschriebenen, jedoch noch nicht rechtskräftigen Pachtverträge endgültig aus.

"Ich kämpfe bis zum Schluss", betont Initiator Ernst Reiter trotz aller Widerstände.

Bereits im April hatte der Gemeinderat den landschaftspflegerischen Begleitplan für die Golfbahnen gebilligt. Das Genehmigungsverfahren sollte zügig abgeschlossen werden. Ab Herbst wäre der Bau möglich gewesen. Doch aus finanziellen und naturschutzrechtlichen Gründen dauerte es länger.

Erst wenn eine Finanzierungsbestätigung vorliegt, kann auch Reiter beziehungsweise der Investor die Pachtverträge unterschreiben und sie so rechtskräftig machen. Doch die Banken würden einen Eigenkapitalanteil von 50 bis 60 Prozent erwarten, sagte Reiter auf Anfrage. Den hat die Golfpark GmbH & Co. KG derzeit nicht. Bestritten wurde laut Reiter eine "gewisse Anschubfinanzierung". Seine Strategie ist nun, einen Investor zu suchen, der in Inzell ein VierSterne-Hotel und die Golfanlage als "Gesamtprojekt" bauen will. "Wenn ich ein Vier-Sterne-Haus mit Sportangebot ansiedeln will, brauche ich heutzutage auch eine Golfanlage möglichst nah am Hotel." Er selbst hat in dem Bereich und mit dieser Gästeklientel Erfahrung: der ehemalige Biathlet ist Golflehrer für einen Südtiroler Betrieb mit sieben Vier-Sterne-plus-Häusern und insgesamt 500 Gästebetten.

Für das komplette Projekt sind 3,2 Millionen Euro veranschlagt. Rund 100000 Euro wurden bereits verbraucht und Leistungen in Höhe von weiteren 200000 Euro erbracht. Bis zum Baubeginn wären Reiter zufolge weitere 100000 Euro an Neben- und Entwicklungskosten inklusive der sogenannten "Markteinführung" nötig.

Zurückgeworfen hat Reiter das Scheitern des Feriendorfes beim Bürgerentscheid: Er hatte mit einer Beteiligung der Decus Immobilien GmbH und Sean O'Grady, der die irischen Appartements bauen wollte, mit rund 200000 Euro gerechnet.

Initiator Ernst Reiter will bis zum Schluss kämpfen.

Der zweite Grund für die Verzögerung ist eine Studie des Landesamtes für Umwelt (LfU), die den bayerischen Alpenraum nach Kreuzottern untersuchte. Während bei einer ersten, vom Golfpark finanzierten Untersuchung im Zuge des Verfahrens in den moorigen Randbereichen der Golfanlage nur tote Kreuzottern gefunden worden waren, fand die LfU-Studie lebende Tiere und stellte fest, dass in den Inzeller Filzen das Vorkommen der sehr seltenen Art überdurchschnittlich ist.

"Es gilt jetzt, dieses Projekt in Einklang zu bringen mit den Belangen des Naturschutzes und durch eine gewisse Modifikation so anzulegen, dass sich Naturschutz und Tourismus nicht im Weg sind", sagte Landratsamts-Sprecher Roman Schneider auf Anfrage. Unter Federführung des Kreisbauamtes werde nun einvernehmlich mit dem Initiator eine Lösung gesucht. "Man versucht, Brücken zu bauen", so Schneider.

Reiter kann sich durchaus vorstellen, den einen oder anderen Weg wegzulassen oder zu verlegen. Komme der Golfpark nicht, würden die Wiesen bei der jetzigen Situation der Landwirtschaft bestimmt intensiv genutzt, vermutet er. Dann sei viel weniger Lebensraum für die geschützten Schlangen als beim Golfpark-Konzept mit seinen Pufferzonen für die Natur zwischen den Filzen und den Golfbahnen. Die Landwirte seien sicher nicht bereit, erneut Verträge zu unterschreiben. "Sie haben sich entschlossen, das zu machen, aber es dauert ihnen einfach zu lang", sagt Reiter. Für ihn wäre es jedenfalls "unglaublich schade, wenn man diese Chance in der Region versäumt." vm

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