Kriegsschiff der Römer sticht in See

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Seine Jungfernfahrt auf dem Chiemsee unternahm gestern das römische Kriegsschiff "Victoria".

Seebruck - "Leinen los, Schiff ahoi": Das originalgetreu nachgebaute römische Flusskriegsschiff "Victoria" begab sich nun auf seine Chiemsee-Jungfernfahrt.

Zum Auftakt der vier Römerwochen "Vivat Bedaium" in Seebruck stieg am gestrigen Sonntag am Römermuseum und Rathaus ein großes historisches Fest mit Kelten, Römern und Bajuwaren. Bereits am Morgen hatte es im Yachthafen "Leinen los, Schiff ahoi" geheißen, als sich das originalgetreu nachgebaute römische Flusskriegsschiff "Victoria" aus dem nordrhein-westfälischen Haltern am See auf seine Chiemsee-Jungfernfahrt begab.

Unter dem Kommando des Isinger Geschichtslehrers Marcus Altmann, der als lautstarker Steuermann fungierte, verließ das 16 Meter lange und bis zu drei Meter breite Holzschiff mit 14 historisch gewandeten Ruderern und dem Bugoffizier Kurt von Kiesling seinen angestammten Liegeplatz. Das Ziel war der Dampfersteg im Seebrucker Ortsteil Graben, wo das Meisterstück der experimentellen Archäologie von interessierten Einheimischen und Urlaubern in Empfang genommen wurde.

Unter den gut gelaunten Ruderern befanden sich auch der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Bedaium, Dr. Alfons Regnauer, Archäologin und Museumsmitarbeiterin Andrea Krammer, Matthias Ziereis von der Tourist-Information und Dr. Rudolf Aßkamp vom Römermuseum in Haltern am See, der das Schiff der Öffentlichkeit vorstellte.

In enger Zusammenarbeit mit Althistorikern der Universität Hamburg, mit dem Landschaftsverband Westfalen Lippe und der Werft Jugend in Arbeit in Hamburg habe man das Projekt im Vorfeld der 2009 laufenden Ausstellung "Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht" realisieren können, blickte Aßkamp zurück. Im März 2008 sei die "Victoria" in Hamburg zur Freude aller Beteiligten vom Stapel gelassen worden.

Seitdem stattete das Schiff schon einigen Gewässern einen Besuch ab, die bereits zurzeit des römischen Kaisers Augustus vor 2000 Jahren an der Grenze zu Germanien befahren worden waren, darunter die Donau, der Rhein, die Lippe, die Ems, die Weser und die Nordsee.

"Als Konstruktionsvorlage dienten uns zwei 1994 im bayerischen Ingolstadt aufgefundene, römische Schiffswracks", so Aßkamp. Erst im Rahmen der Praxistests auf dem Wasser sei der Wissenschaft klar geworden, über welch vorteilhafte Eigenschaften diese antiken Flusskriegsschiffe verfügten. Sechs Knoten, also etwa elf Stundenkilometer, seien mit einer etwas 20-köpfigen Besatzung zu erreichen, drei Knoten bereits nach rund 20 Sekunden. "Darüber hinaus lässt es sich in weniger als 30 Sekunden auf Gegenkurs bringen", fügte Aßkamp stolz an und wurde sogleich vom Bugoffizier Kurt von Kiesling korrigiert: "28 Sekunden haben wir gerade gebraucht".

Während mittags und nachmittags in der Römerstraße an den Zelten und Ständen der historischen Darsteller reges Treiben herrschte, konnte sich auch die Besatzung der "Victoria" nicht über zu wenig Besucher beklagen.

Wer es gestern nicht nach Seebruck geschafft hat, dem bieten sich noch einige Möglichkeiten, "römisch" in See zu stechen. Das antike Flusskriegsschiff wird nämlich bis zum Ende der Römerwochen am Sonntag, 22. Juli, im Seebrucker Yachthafen vor Anker liegen und für Publikumsfahrten zur Verfügung stehen. Voraussetzung sind 14 bis 18 Teilnehmer, die unter fachkundiger Anleitung selbst zum Ruder greifen wollen. Das Mindestalter wurde auf 14 Jahre festgelegt. Schüler des Landschulheims Schloss Ising werden in den kommenden Wochen bei diversen Aktivitäten auf und am Boot als spätantike Militäreinheit "Bedaienses" in Erscheinung treten und die römische Antike wiederaufleben lassen.

Weitere Informationen und Anmeldungen erhält man beziehungsweise sind möglich in der Tourist-Information unter Telefon 08667/7139. An Samstagen und Sonntagen können sich Interessierte von 10 bis 17 Uhr auch ohne Anmeldung in ein antikes See-Abenteuer stürzen.

mmü/Chiemgau-Zeitung

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