Künstliche Befruchtung sichert Fischbestände

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Florian Lackerschmid streift für die künstliche Befruchtung den Laich aus der Renke in den mit Wasser gefüllten Kübel.

Prien - Viele, die am Bayerischen Meer derzeit die 16 Berufsfischer der Fischerei-Genossenschaft Chiemsee beim Fischen beobachten, fragen sich: "Ist denn im Moment nicht Schonzeit für Renken?"

Es ist jedoch Laichfischerei, die die Männer seit November und noch bis Anfang Dezember betreiben, um den Renkenbestand im Chiemsee zu erhalten beziehungsweise zu vermehren. 1200 bis 1400 Liter Renkenlaich sind in der Regel jährlich erforderlich, um die notwendige Zahl von Brütlingen in der genossenschaftseigenen Brutanstalt im Priener Ortsteil Harras zu erzielen.

"Bereits in den vergangenen Jahren ging es mit den Renkenfängen wieder erfreulich aufwärts", sagen die Chiemsee-Berufsfischer. Im Frühjahr und Sommer habe gutes Planktonvorkommen das Wachstum der Fische beschleunigt. Bis zum Ende der diesjährigen Renkenfangzeit am 5. Oktober seien daher sehr gute Erträge erzielt worden.

Voll beladen mit ihren Renkenfängen fahren derzeit die Berufsfischer am frühen Morgen die Brutanstalt in Harras an. "Bei einer Wassertemperatur von sechs bis acht Grad beginnen die Renken jetzt im Chiemsee zu laichen", weiß Berufsfischer Anton Lackerschmid. Aber nur die künstliche Befruchtung der Fische sichere einen genügenden Bestand im Chiemsee.

Käfige schützen vor Fressfeinden

Die künstliche Befruchtung wird gleich nach der Ankunft der Boote in Harras vorgenommen. In einen Eimer mit Wasser werden zuerst der Laich der männlichen Renken (Milchner) und dann der der weiblichen Fische (Rogner) abgestreift. Der gewonnene Laich wird dann mit einer Feder vorsichtig verrührt. So erfolgt die künstliche Befruchtung; ein Liter Laich ergibt in der Regel rund 80.000 Renkeneier.

Die befruchteten Eier kommen sofort in große Gläser in der Brutanstalt. Diese werden ständig mit frischem Chiemseewasser durchgespült. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die jungen Renken, größtenteils noch im Larvenstadium, im kommenden Februar bis März. Die riesige Menge des Eimaterials - nicht aus allen Eiern werden Brütlinge - muss ständig gepflegt werden. Dies übernehmen die Familien Schaber und Lackerschmid im Auftrag der Genossenschaft.

Laut Horst Schaber ergab die Laichfischerei des vergangenen Jahres einen ungewöhnlich großen Ertrag, über 1700 Liter Renkenlaich seien in die Brutanstalt gebracht worden. Aus den Eiern seien rund 100 Millionen Renken erbrütet worden. Von den geschlüpften Renken brachten die Fischer im Frühjahr rund 2,4 Millionen in die sogenannten schwimmenden Vorstreckkäfige ein, den Rest entließen sie in den Chiemsee. In den schwimmenden Käfigen - sie befinden sich vor der Fraueninsel und zwischen Sassau und Osternach - werden die Renken laut Schaber bis zu einer Größe von vier bis sechs Zentimeter großgezogen und dann ebenfalls in den Chiemsee entlassen. "In den Käfigen sind sie sicher vor etwaigen Raubfischen", erklärt der Experte. Die normale Renkenfischerei geht für die Berufsfischer wieder an Heilige Drei Könige los.

Mit einem Vorurteil möchten die Berufsfischer am Chiemsee daher ein für allemal aufräumen: Auch wenn jetzt Schonzeit ist, gibt es aufgrund der Laichfischerei auch im Dezember genügend frische oder geräucherte Renken.

th/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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