Kunstsensation im Unterschrank gefunden

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Bei der Vorstellung des Messkelches aus dem 14. Jahrhundert im Pfarrhof Breitbrunn (von links): Pfarrer i.R Nepomuk Huber geht auf die theologische Bedeutung des Kelches ein, daneben Pfarrer Peter Bergmeier, Ortsheimatpfleger und Pfarrarchivar Franz Burghardt sowie Kirchenpfleger Florian Düll (von links). FotosThümmler

Breitbrunn - Jahrzehntelang schlummerte in einem Schrank der Pfarrei Breitbrunn eine Überraschung. Pfarrarchivar Franz Burghardt fand dort einen 700 Jahre alten Messkelch.

Der Messkelch entpuppte sich als wertvolle mittelalterliche Arbeit. Experten datieren den Fund auf das 14. Jahrhundert.

Hoch über dem Ort thront die malerische Kirche St. Johannes. Im Pfarrhof der Gemeinde untersuchte Pfarrarchivar Franz Burghardt vor kurzem den Unterschrank des Tresors der Pfarrei und fand fünf Messkelche, die dort unbeachtet aufbewahrt wurden. Burghardt überprüfte die Inventarlisten der Gemeinde, um mehr über die Sakralgegenstände zu erfahren. Doch die Kelche waren nirgendwo verzeichnet. Burghardts Neugier war geweckt.

Zunächst wandte er sich an frühere Kirchenpfleger der Pfarrgemeinde. Die Auskunft, die er dort erhielt, brachte ihn nicht wirklich weiter. Die Messkelche hätten sich, zusammen mit anderen Gegenständen, schon immer in diesem Unterschrank befunden. Offenbar lagen sie dort seit Jahrzehnten. Bei der Ersterfassung der Kunsttopografie waren sie allerdings übersehen worden.

15 Zentimeter hoch ist der aus Silber gefertigte und vergoldete Kelch.

Burghardt wandte sich nun an Dr. Hans Rohrmann und Steffen Mensch. Die beiden Kunsthistoriker sind in der Erdiözese München-Freising für kirchliche Kunstpflege zuständig. Vier der Kelche datierten die Kunstexperten auf die Neuzeit. Doch das Urteil über den fünften Kelch war für alle Beteiligten eine faustdicke Überraschung: Aufgrund verschiedener Merkmale waren sich die Experten sicher, dass der 15 Zentimeter hohe, aus Silber getriebene, gegossene und vergoldete Kelch zwischen 1330 und 1340 gefertigt worden sein muss. Der runde Fuß zeigt in einem Medaillon Christus am Kreuz, Maria und Johannes. Fünf weitere Medaillons mit Evangelistensymbolen sind von von zartem Rankenwerk umgeben.

Burghardt zog auch Prälat Dr. Walter Brugger zu Rat, den Autor der Chronik der beiden Klöster Frauen- und Herrenchiemsee. Brugger ist überzeugt, dass der Messkelch aus zwei, wenn nicht sogar aus drei Teilen zusammengefügt worden ist. Wann dies geschah und woher die Einzelteile stammen, ist aber unklar. Er datierte den Fund ebenfalls auf das 14. Jahrhundert.

Aufgrund der Indizien und Hinweise glaubt Brugger, dass der Kelch 1806/1808 der damals neu gegründeten Pfarrei Breitbrunn als Grundausstattung vom Rentamt Traunstein übergeben worden ist. Darauf deutet auch ein Steuerstempel in Form eines Adlers hin, den der Wasserburger Restaurator Armin Göttler schließlich unter dem Mikroskop am oberen Rand der Cuppa fand. Er war um ein Angebot für eine Restaurierung gebeten worden.

Der Steuerstempel ist nach Burghardts Recherchen am 10. September 1809 eingeführt worden. Er besagte, dass es sich um den gekennzeichnete Gegenstand um ein notwendiges Kirchengerät handelt, das nicht der Steuerpflicht unterlag. Nach Göttlers Ansicht lagen die Kunsthistoriker der Erzdiözese mit ihrer Einschätzung des Alters des Kelches richtig. Den Nodus, also die Verdickung am Griff, hält der Wasserburger Fachmann sogar für noch älter. Der Stiel an sich ist nach seiner Einschätzung allerdings deutlich jünger. Die vorhandenen Rillen verweisen demnach auf das 18. Jahrhundert.

Noch hat sich der Kelch nicht alle Geheimnisse entlocken lassen. "Die Deutung der Engelsköpfe mit den dazwischenliegenden Rosetten mit den langen Zöpfen wird noch intensivere Nachforschungen fordern" sagt Burghardt. Er will nun einen weiteren Fachspezialisten aus dem Bayerischen Nationalmuseum über den Fund informieren. Der Pfarrarchivar hofft, dort eventuell noch genauere Aussagen über den Kelch zu bekommen.

Im Rahmen des Pfarrfestes wird der Messkelch am Sonntag, 24. Juli, im Pfarrheim erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

th/ku/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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