Ramsauer: Tunnel entlastet alle!

+
Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer hat als Schüler auf dem Fahrrad leidvolle Erfahrung mit der geschlossenen Schranke in Übersee gemacht.

Übersee (CH-Z) - Zufriedene Gesichter und eine gelöste Stimmung herrschten gestern beim Spatenstich für das Kreuzungsbauwerk zur Eisenbahnüberführung in der Ortsmitte Übersee.

Alle Beteiligten - Landrat Hermann Steinmaßl, Bundesverkehrminister Dr. Peter Ramsauer wie auch Bürgermeister Marc Nitschke - erklärten unisono, wie wichtig die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs für Mensch und Verkehr sei.

Als "Wermutstropfen" bezeichnete Bürgermeister Nitschke launig den Verlust der wohl gängigsten Ausrede fürs Zuspätkommen in Übersee, nämlich geschlossene Schranken.

Man habe schon nicht mehr daran geglaubt, so Landrat Hermann Steinmaßl, dass nach 82 Jahren seit der ersten Planung mit dem Kreuzungsbauwerk begonnen werden kann. Kaum ein Projekt könne auf so viele Entwürfe verweisen wie dieses. Mit den konkreten Planungen sei 2004 begonnen worden, nachdem auch die Bahn die Dringlichkeit der Maßnahme gesehen habe. Verkehr habe zwar die "dienende Funktion", Menschen und Güter zu transportieren, aber zugleich die Lebensqualität zu verbessern.

Gegen sechs Spuren und für ein Tempolimit auf der A8 setzten sich 50 Demonstranten ein (siehe Bericht unten).

Im jüngsten Kreishaushalt seien 7,5 Millionen Euro für den Straßenbau eingestellt. Der Landrat erinnerte an das vor fünf Jahren begonnene Projekt des Kreises "Bildung und Infrastruktur", das konsequent umgesetzt werde. "Entlastung statt Belastung", laute das Motto. Finanziert werde das Projekt von Bund, Bahn, Kreis und Gemeinde. Steinmaßl gratulierte dem amtieren Bürgermeister Marc Nitschke, der nun als Glücklicher die Staffel über die Ziellinie führen dürfe. Der Landrat vergaß nicht, auch die Vorarbeiten der früheren Bürgermeister Peter Stöger und Franz Gnadl zu würdigen, die diesen Schritt erst durch ihr Engagement ermöglich hätten.

Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer merkte an, für ihn sei es eine besondere Freude, am Spatenstich teilhaben zu können, da sich dieser Bahnübergang wie ein roter Faden durch sein politisches wie privates Leben ziehe. Zwischen 1964 und 1973 als Schüler am Gymnasium Marquartstein habe er als Radlfahrer auf dem Weg zum Chiemsee nämlich häufig vor den geschlossenen Schranken gestanden. Künftig aber müssen Autofahrer nicht mehr an der Schranke warten, "die Menschen werden dadurch von Abgasen und Lärm entlastet".

Als Bundesverkehrsminister habe er sich zum Ziel gesetzt, in die Sicherheit zu investieren. Von den 27000 Bahnübergängen bundesweit konnten bereits 7000 beseitigt werden. Der Bund investiere in Übersee 3,54 Millionen Euro, Bahn und Landkreis beteiligen sich mit der jeweils gleichen Summe am Bauwerk. "Dieses Geld ist gut angelegt", betonte er. 134 Fern- und Regionalzüge sowie 90 Güterzüge passierten täglich Übersee. Dies bedeute, acht Stunden täglich sei der Übergang gesperrt. Dies strapaziere nicht nur das Nervenkostüm, sondern habe zudem einen gewaltigen volkswirtschaftlichen Schaden zur Folge.

Der Minister plädierte für eine "Investition in die Schiene", um den Zuwachs im Güterverkehr bewältigen zu können, den er auf 1000 Millionen Tonnen bezifferte. Schätzungen aber gingen davon aus, das künftig nur elf Prozent auf der Schiene transportiert und 89 Prozent auf der Straße werden: "Und davor graust mir."

Der 1. März sei ein großer und freudiger Tag, denn er sei der Startschuss für ein Projekt auf das Übersee schon Jahrzehnte warte, betonte Bürgermeister Marc Nitschke. Bereits 1928 gab es erste Vermessungen mit dem Ziel den schienengleichen Bahnübergang zu beseitigen. Zuletzt 1983 habe es die Viaduktlösung gegeben, gegen die sich die Gemeinde mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht gewehrt habe. Die nunmehr seit einigen Jahren verfolgte Planung sei "zukunftsweisend und optimal", so der Rathauschef. Er sehe eine große Chance, die es nun umzusetzen gelte.

Der aus Übersee stammende Landtagsabgeordneter Klaus Steiner ging noch auf die anschließende Demonstration zum Ausbau der A 8 ein (siehe Bericht unten). Der sechsspurige Ausbau sei schon deshalb notwendig, weil der Verkehr innerorts noch zunehmen würde, wenn der Verkehr auf der Autobahn nicht fließen könne.

Peter Michalek, Leiter Produktionsdurchführung der DB Netze, informierte, dass es in Übersee eine der letzten zwei wärterbetriebenen Schranken gebe. Es freue ihn, nun zum Spaten greifen zu können und damit den Schienenverkehr schneller und sicherer zu machen. Schwierig sei, alle drei Verhandlungsparter (Bund, Landkreis und Bahn) gerade dann zusammenzubringen, wenn auch das nötige Geld vorhanden ist. "Die Straße ist wichtig, doch der Güterverkehr gehört auf die Schiene", so Michalek.

Nach einigen Stücken der Überseer Blasmusik wurde die Baustelle offiziell durch den Spatenstich eröffnet. Gleich zwei Holzkisten, gefüllt mit Sekt wurden dabei ausgebuddelt. Danach krachten die Korken und die Herren, natürlich auch Vertreter der Baufirmen. konnten auf ein gutes Gelingen anstoßen.

Tamara Eder (Chiemgau-Zeitung)

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser